Geburt ohne fachliche Hilfe

Verbraucher | Volle Kanne - Geburt ohne fachliche Hilfe

Manche Frauen wünschen sich eine Geburtssituation ohne Bevormundung, ohne Intervention von außen. Geburtsmediziner und Hebammen warnen jedoch vor einem Alleingang ohne fachliche Unterstützung, zu groß sei das Risiko für Mutter und Kind.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.07.2018, 09:05

Laut der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe (QUAG) kommen in Deutschland jedes Jahr mehr als 10.000 Kinder im vertrauten Umfeld zu Hause oder in der gemütlichen Atmosphäre eines Geburtshauses zur Welt. Wie viele davon allein gebären, kann nur geschätzt werden, statistisch erfasst sind sie nicht. Forschungen aus den USA und England zur Alleingeburt zeigen: Frauen, die sich für eine Alleingeburt entscheiden, betonen ihr Recht auf Selbstbestimmung und Autonomie. Sie wollen die Verantwortung für ihr Kind alleine tragen, nicht an Dritte abgeben. Sie wollen sich nicht einer, wie es oft empfunden wird, „belehrenden Medizin“ unterwerfen.

Laut Studien gibt es zwei Gruppen von Frauen, die bewusst auf Schmerzmittel, Beistand und Fachwissen unter der Geburt verzichten. Entweder sind es Mütter, die während der ersten oder zweiten Klinikgeburt traumatische Erfahrungen mit medizinischen Eingriffen gemacht haben oder es sind Frauen, die sich von vornherein auf ihr Körpergefühl verlassen. Sie fühlen sich sicher eine Geburt alleine bewältigen zu können, so lange ihr Körper die richtigen Signale aussendet. Ein Blick ins Internet zeigt, dass diese Kriterien auch für Deutschland gelten. Auf zahlreichen Plattformen und Blogs tauschen Interessierte ihre Erfahrungen untereinander aus, geben sich Tipps und verweisen auf Fachliteratur weltweit. Manche der ins Netz gestellten Geburtsvideos verzeichnen Klicks in Millionenhöhe.

Physiologisch oder medizinisch?

Kritiker befürchten einen Rückfall ins Mittelalter und warnen vor unkalkulierbaren Risiken für Mutter und Kind. Das Thema Geburt wird unter Fachleuten seit jeher kontrovers diskutiert. Gynäkologen und Geburtsmediziner bezeichnen den Gebärvorgang als medizinischen Sonderfall: die Wehentätigkeit könne spontan aussetzen, es kann zu Problemen aufgrund von Anomalien innerhalb der Geburtswege kommen, Lageanomalien des Kindes im Mutterleib erschweren den Geburtsvorgang, zudem könne es zu inneren Verletzungen der Geburtswege oder zu Nabelschnurkomplikationen kommen. Deshalb gehören die Herztonmessung des Ungeborenen, Wehenschreiber sowie wehenfördernde Mittel, die den Vorgang beschleunigen, in jedem Kreissaal zur Grundausstattung.

Auch in der außerklinischen Geburtshilfe werden - entgegen eines weit verbreiteten Vorurteils - technische Geräte eingesetzt. Im Unterschied zur Klinik, sehen Geburtshaus-Hebammen die Geburt jedoch als einen rein physiologischen Vorgang, den der Körper einer gesunden Frau im Normalfall ohne viele Interventionen von außen bewältigen kann - vorausgesetzt es wurden während der Schwangerschaft keine Risiken festgestellt. In einem Punkt sind sich die beiden kontroversen Parteien jedoch einig: eine Geburt muss immer fachlich begleitet werden, zumindest sollte eine ausgebildete Fachkraft, also eine Hebamme, in unmittelbarer Nähe sein, um im Fall der Fälle unverzüglich eingreifen zu können.

Weitere Informationen zum Thema gibt es beim Deutschen Hebammen-Verband.

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