Gefährliche Pille

Dr. Christoph Specht über die Risiken von Antibabypillen

Verbraucher | Volle Kanne - Gefährliche Pille

Aktuell wird wieder über die Nebenwirkungen der Antibabypille diskutiert: Die kombinierten Präparate erhöhen das Risiko für Thrombosen. Dr. Christoph Specht klärt auf.

Beitragslänge:
8 min
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Video verfügbar bis 16.12.2016, 09:36

Die sogenannten kombinierten Antibabypillen erhöhen das Risiko für Thrombosen – diese wiederum können zu lebensbedrohlichen Lungenembolien führen.

Felicitas Rohrer hat den Pharmakonzern Bayer auf Schadenersatz und Schmerzensgeld verklagt, weil sie sich vor den gesundheitlichen Risiken der Antibabypille Yasminelle durch den Beipackzettel unzureichend gewarnt fühlte. Die Frau macht das Präparat für eine Thrombose beziehungsweise eine Lungenembolie verantwortlich, an der sie fast gestorben wäre – für einen Moment war sie klinisch tot.

Der Mediziner Dr. Christoph Specht erklärt, was eine Thrombose ist: „Das ist kurz gesagt ein Blutpfropf, der sich beispielsweise in den tiefliegenden Beinvenen bildet und diese ganz oder teilweise verstopft. Das ist nicht gut, aber zunächst noch nicht lebensbedrohlich. Richtig gefährlich wird es, wenn dieser Blutpfropf oder Teile davon in Bewegung kommen.“ Denn dann könne er durch das Herz in die Lunge wandern, die sehr fein verästelte Gefäße enthalte: „Spätestens da bleibt der Pfropf hängen und setzt eines dieser Gefäße zu. Das Blut kann dann nicht mehr fließen und es kommt zu einer Lungenembolie. Der Lungenabschnitt kann seine Funktion nicht mehr erfüllen, das Blut kann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff aufgeladen werden. Werden größere Gefäße zugesetzt, führt das zu einer akuten Lungenembolie, die mit Atemnot einhergeht, manchmal können auch Symptome wie bei einem Herzinfarkt auftreten. Eine Lungenembolie ist ein lebensbedrohlicher Zustand.“

Für die Symptome sensibilisieren

Deshalb sei es wichtig, sofort zum Arzt zu gehen, wenn man Anzeichen einer Thrombose, etwa im Bein, bemerke. Diese Anzeichen beschreibt Specht so: „Die betroffene Stelle tut weh, es kommt zu einem Rückflussstau, das Bein wird dick, manchmal bläulich. Nach dem Sport kann man das für Muskelkater halten, aber als einfache Regel gilt – Muskelkater ist meistens in beiden Beinen zu spüren, nicht nur in einem.“ Specht empfiehlt den Frauen, sich für die Symptome zu sensibilisieren: „Gerade wenn sie erst frisch mit der Pille begonnen haben oder nach einer längeren Pause wieder neu anfangen – da ist das Thromboserisiko noch einmal höher.“

Wobei dieses Risiko nicht von allen Antibabypillen ausgehe. Die sogenannten Minipillen, die nur Gestagen enthalten, seien unbedenklich. Bedenklich seien die sogenannten kombinierten Pillen, die sowohl Gestagen als auch Östrogen enthalten. Obwohl die Thrombosen durch das Östrogen verursacht würden, gebe es eine mehr oder minder starke Wechselwirkung mit dem Gestagen: „Die Gestagene der neueren dritten und vierten Generation erhöhen das Risiko einer Thrombose mehr als die Gestagene der älteren, also der zweiten, Generation. Und Drospirenon, das in der erwähnten Pille von Bayer enthaltene Gestagen, ist eines der vierten Generation.“

Keine Zigaretten, kein Übergewicht

Den Risikofaktor dieser und vergleichbarer Präparate beziffert Specht wie folgt: „Von 10.000 Frauen, die ein Jahr lang die kombinierte Pille mit Gestagen der dritten oder vierten Generation nehmen, bekommen neun bis zwölf eine Thrombose. Von 10.000 Frauen, die ein Jahr lang keine Pille nehmen, bekommen zwei eine Thrombose.“ Trotzdem rät Specht davon ab, die Pille selbstständig abzusetzen: „Wer sich Sorgen macht, sollte auf jeden Fall mit seinem Gynäkologen darüber sprechen.“ Allerdings gebe es Personengruppen, die von vornherein auf derartige Antibabypillen verzichten sollten: Raucherinnen und Übergewichtige – „dann steigt das Thromboserisiko noch einmal exponentiell an“.

Ein anderes hormonelles Verhütungsmittel, das Pflaster, erhöhe das Risiko für eine Thrombose ebenfalls, wenn auch nicht so stark wie kombinierte Antibabypillen mit Gestagen der jüngeren Generation. Die Spirale hingegen sei diesbezüglich unbedenklich, da sie nur Gestagen der älteren Generation abgebe.

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