Gefährliche Wechselwirkungen

Medikamente müssen aufeinander abgestimmt werden

Verbraucher | Volle Kanne - Gefährliche Wechselwirkungen

Wie gefährlich zu viele Medikamente auf einmal sind, steht am 17. September, beim Tag der Patientensicherheit, deutschlandweit im Mittelpunkt. Die Folgen können lebensgefährlich sein.

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.09.2017, 14:00

Menschen mit mehreren Erkrankungen und Beschwerden nehmen oft fünf, zehn oder gar zwanzig verschiedene Medikamente ein. Eine solche Multimedikation kann medizinisch vertretbar sein, mit der Anzahl der Medikamente steigt aber auch das Risiko für unerwünschte Wechselwirkungen.

Medikamente können sich gegenseitig beeinflussen und so sogar zusätzliche Beschwerden auslösen: beispielsweise Müdigkeit, Schwindel, Verwirrtheitszustände bis hin zu Blutungen, Herzrhythmusstörungen oder Nierenversagen. Etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland – besonders häufig ältere und chronisch kranke Menschen – nehmen gleichzeitig drei oder mehr Medikamente ein. Ab dem 1. Oktober haben sie laut „E-Health-Gesetz“ (§ 31a SGB V) einen rechtlichen Anspruch auf einen vollständigen und aktuellen Medikationsplan. Dieser soll Versicherten einen Überblick über die eigenen Medikamente verschaffen und Ärzten sowie Apothekern helfen, noch besser auf mögliche Interaktionen zu achten, um unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu vermeiden.

Mangelnde Dokumentation und Einnahmefehler

Hausärzte haben von ihren Patienten bislang oft keine vollständigen Medikationspläne vorliegen. Häufig fehlen darin einzelne Arzneimittel, die von Fachärzte verordnet wurden (z.B. von Hautärzten, Orthopäden, Kardiologen, Gynäkologen, Zahnärzten) und die dem Hausarzt nicht mitgeteilt wurden. Oder die Daten wurden nicht ins System eingepflegt, weil es für die Arztpraxen teilweise einen hohen Zeitaufwand bedeutet. Zu Abweichungen führen auch die Arzneimittel-Rabattverträge gesetzlicher Krankenkassen mit Pharmafirmen: Der Patient bekommt deshalb in der Apotheke oft nicht genau das Medikament, das der Arzt verordnet hat, was zu Verunsicherungen und Nicht- oder Doppeleinnahmen führen kann.

Ein besonderes Risiko für Wechselwirkungen ergibt sich, wenn Patienten rezeptfreie Medikamente wie Schmerztabletten ohne ärztlichen Rat kaufen und diese mit ärztlich verordneten Mitteln kombinieren. Dazu kommen mögliche Wechselwirkungen mit Lebens- und Genussmitteln (z.B. Milchprodukten, Alkohol, Kaffee, Lakritz, Grapefruit) sowie weitere Einnahme- und Anwendungsfehler mit Medikamenten.

Müde und verwirrt

Ältere Dame schiebt einen Rollator
Ältere Menschen sind sturzgefährdet. Quelle: dpa

Wenn sich Medikamente nicht vertragen, diese also interagieren, wird eine Medikamentenwirkung geschwächt, verstärkt oder es ergeben sich ganz neue Symptome und Beschwerden. In vielen Fällen sind diese Nebenwirkungen unspezifisch, wie beispielsweise Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Schwindel, Verwirrtheitszustände – vor allem ältere Menschen sind dadurch sturzgefährdet.

In anderen Fällen können interagierende Medikamente gefährliche oder sogar lebensbedrohliche Folgen haben und beispielsweise Herzrhythmusstörungen oder Nierenversagen hervorrufen. Werden solche Arzneimittelnebenwirkungen nicht als solche erkannt, ist die Gefahr groß, dass der Patient gegen die Symptome ein weiteres Medikament erhält, anstatt das auslösende Medikament abzusetzen oder die Dosis zu verringern.

Medikamenten-Plan erstellen

Einer der behandelnden Ärzte (in der Regel der Hausarzt) sollte Ansprechpartner bei allen Fragen zu Arzneimitteln sein. Er sollte genau wissen, welche verordneten und rezeptfreien Medikamente und Mittel (einschließlich Sprays, Tropfen, Salben, Vitaminen oder Lifestyle-Präparaten) der Patient einnimmt – und welche Medikamente trotz Verordnung nicht oder anders eingenommen werden. Dieser Arzt sollte auch der Hauptverantwortliche für den Medikationsplan sein. Um einen solchen Plan zu erstellen, empfiehlt es sich, einen Termin zu vereinbaren, zu dem der Patient alle eingenommenen Arzneimittel mitbringt.

Gemeinsam können Arzt und Patient die Arzneimittel dann besprechen und gegebenenfalls aussortieren. Auf dem neuen, bundeseinheitlichen Medikationsplan werden alle Arzneimittel übersichtlich aufgeführt, mit Angaben zu Wirkstoffen, Handelsnamen und Einnahmehinweisen. Der Plan ist in der Regel eine Seite lang und sollte regelmäßig aktualisiert werden. Der Patient kann den Plan mit zu anderen Ärzten und Apothekern nehmen, die diesen gegebenenfalls handschriftlich oder am Computer ergänzen und neu ausdrucken können. Ab voraussichtlich 2018 soll der Medikationsplan auch über die elektronische Gesundheitskarte abrufbar sein, wenn der Patient das möchte.

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