Schütz Deinen Kopf

Initiative will für Gehirnerschütterung sensibilisieren

Verbraucher | Volle Kanne - Schütz Deinen Kopf

Nur wenige Menschen kommen auf die Idee, nach einem Sturz auf den Kopf gleich zum Arzt zu gehen. Doch Experten warnen: Auch leichte Gehirnerschütterungen können schwerwiegende Folgen haben.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 24.03.2017, 14:00

Ein Sturz auf oder ein Schlag gegen den Kopf sollte man nie auf die leichte Schulter nehmen. Wenn danach Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel auftreten, sollte der Betroffene sofort zum Arzt.

Lange Zeit galt das Auftreten von Bewusstlosigkeit und Erbrechen als Voraussetzung für die Diagnose Gehirnerschütterung. Diese Symptome treten jedoch nicht immer auf. Experten vermuten eine riesige Dunkelziffer nicht erkannter Fälle. Die Initiative „Schütz Deinen Kopf“ will das Thema bekannter machen und soll vor allem Kinder und Jugendliche beim Schul- und Breitensport schützen.

Verschiedene Schweregrade

Mediziner sprechen meist vom Schädelhirntrauma (kurz: SHT). Sie unterscheiden grob in leichtes, mittleres und schweres SHT. Eine Gehirnerschütterung gilt in dieser Einteilung als die leichteste Form. Schwerere Formen werden auch als Gehirnprellung und -quetschung bezeichnet. Während die schweren Grade klar diagnostizierbar sind, ist die richtige Diagnose leichter Verletzungen eine Herausforderung für die Mediziner.

Eine Gehirnerschütterung kann auftreten, wenn der Kopf mit einem harten Gegenstand zusammenstößt. Aber auch beim Zusammenprall zweier Körper – wie es beim Eishockey oder Fußball häufig verkommt – kann der Kopf so heftig hin- und hergeschleudert werden, dass das Gehirn gegen die Schädeldecke stößt und kleine Einrisse oder Blutungen entstehen. In leichten Fällen sind sie sogar für das geschulte Auge auf einem Röntgen- oder MRT-Bild kaum sichtbar.

Unterschiedliches Symptombild

Eltern und Trainer sollen nach einem Sturz auf den Kopf darauf achten, ob ihr Kind besonders müde und lustlos wirkt, ob es geräusch- und lichtempfindlich ist oder über starke Kopfschmerzen klagt. Weitere Hinweise sind Schwindel und in manchen Fällen auch Erinnerungslücken über den Unfall und Zeit davor.

Verletzungen im vorderen Stirnbereich können sogar zu Persönlichkeitsveränderungen führen. Die Betroffenen sind dann leicht reizbar, aggressiv und enthemmt. Gerade bei Teenagern werden diese Anzeichen oft nicht erkannt, weil man sie mit pubertärem Verhalten verwechselt. Bei Jugendlichen sind deshalb eine längere Beobachtungszeit und eine standardisierte Befragung der Betroffenen und nahestehenden Personen sinnvoll.

Schonung – um Spätfolgen zu vermeiden

Auch eine leichte Gehirnerschütterung ist eine Verletzung, die ernst genommen werden muss. Die wichtigsten Therapiebausteine sind Ruhe und ein behutsamer Wiedereinstieg in die Aktivitäten des Alltags. Äußere Reize wie Musik hören, am Computer arbeiten oder Spielen, lesen oder fernsehen und auch Sporttraining sollten für mindestens sieben bis zehn Tage reduziert werden.

Bei etwa 85 Prozent der Gehirnerschütterungen haben sich die Betroffenen nach einer Woche schon deutlich erholt. Wichtig ist es, die restlichen zehn bis 15 Prozent rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln. Sonst drohen Spätfolgen wie chronische Kopfschmerzen oder kognitive Störungen. Das kann langfristig zu Konzentrationsschwächen, Schulproblemen oder sogar Depressionen führen. Meist werden diese Probleme dann gar nicht mehr mit dem ursprünglichen Ereignis in Verbindung gebracht.

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