Geld für gute Noten?

Tipps von Kinderpsychologe Dietmar Langer

Verbraucher | Volle Kanne - Geld für gute Noten?

Der letzte Schultag steht an und damit die Zeugnisse. Wie sollen Eltern mit guten oder auch schlechten Noten umgehen? Kinderpsychologe Dietmar Langer über angemesse Belohnung und Motivation.

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Wer in die Schulferien will, muss vorher sein Zeugnis abholen. Für manche ein Grund zum Jubeln, für andere eher zum Fürchten. Ein besonderer Tag ist der letzte Schultag auf jeden Fall – nicht nur für Millionen Schüler, sondern auch für ihre Eltern.

Im besten Fall kommen sie mit einem strahlenden Gesicht nach Hause. Das Schuljahr ist geschafft und die Noten können sich sehen lassen. Auf viele Schüler wartet dann noch eine zusätzliche Belohnung: zum Beispiel ein Scheinchen von der Oma oder den Eltern.

Was als gut gemeinte Anerkennung gedacht ist, könne aber auch seinen Zweck verfehlen, findet der Kinder- und Jugendpsychologe Dietmar Langer, etwa wenn Beträge von 100 Euro oder mehr ins Spiel kämen. Ein entscheidender Punkt sei die Relation, keinesfalls sollte das Geld inflationär gegeben werden. Kinder hätten eine gute Einschätzung, ob sie ein Lob verdienen.

Nur kurzfristige Motivation

Motivationsstudien belegen, dass Geld nur eine kurzfristige Wirkung hat. Langer: „Es wird nur ein kurzfristiger Anreiz geschaffen, selbst wenn ich das Geld erhöhe. Aber auf Dauer geht Motivation nur über Beziehung.“ Das sehe man übrigens aktuell auch bei der EM in Frankreich. „Die Außenseiter wie Island rennen wie die Verrückten und kämpfen, obwohl sie im Vergleich zu den Favoriten viel geringere Prämien bekommen. Aber sie haben eine Beziehung, eine emotionale Beteiligung“, so Langer.

Grundsätzlich müsse es vor allem darum gehen, die Eigenmotivation zu stärken: „Eine Belohnung bekommt man für etwas, was man nicht tun würde, wenn es keine Belohnung gäbe. Das ist komplette Fremdmotivation.“ In die gleiche Richtung gehe es, wenn kleine Fußballer von ihren Eltern Geld kassieren, wenn sie ein Tor geschossen haben: „Die werden konditioniert wie die Pawlowschen Hunde. Da erziehe ich Kinder, die nichts mehr machen, wenn sie nichts dafür kriegen.“

Ausflüge statt Geld?

Neben Geld gibt es auch andere mögliche Anreize wie gemeinsame Ausflüge oder Essen gehen. Was passt, ist auch eine Frage des Alters: Während sich Grundschüler über Familienausflüge freuen, ist das in der Pubertät schwieriger. Das wichtigste sei aber eine persönliche Wertschätzung: wahrgenommen zu werden und zu sehen, dass sich jemand Gedanken gemacht hat.

Unabhängig von einer möglichen Belohnung achten die Kinder laut Langer von sich aus sehr auf das Ergebnis. „Aber was Eltern anerkennen müssen, ist nicht das Ergebnis, sondern die Anstrengung. Das heißt: Wer sich angestrengt hat und trotzdem eine Vier hat, sollte im Idealfall auch eine Anerkennung bekommen“, so der Psychologe.

Wenn es mal nicht so gut läuft

Wenn das Kind mit einem schlechten Zeugnis nach Hause kommt, gilt es die Ursachen dafür herauszufinden: Ist das Kind überfordert? In welchen Fächern bestehen Probleme? Wenn eine punktuelle Schwäche vorliegt, kann man Nachhilfe anbieten. Gegebenenfalls muss das Schuljahr wiederholt werden. Dabei sollte es aber keinesfalls um Bestrafung gehen, sondern darum Konsequenzen zu ziehen. Und: „Wenn ein Kind nicht motiviert ist, wird man durch Geld nichts erreichen. Das Allheilmittel ist immer eine liebevoll konsequente Erziehung“, rät Dietmar Langer.

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