Geld sparen, Daten streuen

Die Vor- und Nachteile von Bonussystemen

Verbraucher | Volle Kanne - Geld sparen, Daten streuen

Marcus Niehaves, stellvertretender Leiter der „WISO“-Redaktion, erklärt, warum Kundenkarten und Treuepunkte eher den Unternehmen als den Kunden nützen.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 29.07.2017, 14:00

Marcus Niehaves, stellvertretender Leiter der „WISO“-Redaktion, erklärt, warum Kundenkarten und Treuepunkte eher den Unternehmen als den Kunden nützen.

„Irgendwie sind wir doch alle Schnäppchenjäger“, sagt ZDF-Wirtschaftsredakteur Marcus Niehaves. Und deshalb seien Kundenkarten und Treuepunkte bei vielen Konsumenten so beliebt: „Wenn es was billiger oder sogar umsonst gibt, dann schlagen wir nun mal zu.“ Allerdings sei die vermeintliche Geldersparnis häufig ein Trugschluss: „Bei den Bonusprogrammen gibt es die Dinge nicht immer billiger – und umsonst schon gar nicht.“ So gebe es immer wieder Fälle, dass Produkte, die durch gewährte Bonuspunkte angeblich günstiger geworden sind, im Internet für weniger Geld erhältlich sind.

Aber selbst wenn die Produkte wegen der Bonussysteme wirklich günstiger sind, solle der Kunde immer bedenken, dass er im Gegenzug seine persönlichen Daten preisgibt, sagt Niehaves: „Name, Anschrift, Geburtsdatum sind die Basisdaten. Die muss man angeben.“ Darüber hinaus würden häufig weitere Daten wie Familienstand oder Anzahl der Kinder abgefragt: „Mein Tipp – diese Daten nicht angeben.“ Schon allein deshalb, weil auch die Produkte, die man im Rahmen des Bonussystems kauft, registriert werden und viele Rückschlüsse zulassen würden. Wenn der Kunde dies nicht ausdrücklich ausschließt, würden die so gesammelten Daten teilweise auch an Dritte weitergegeben: „Dann bekommt man von den Partnerunternehmen gezielt Werbung.“

Konsumverhalten ändert sich

Solange der Kunde darüber informiert wird, dass seine persönlichen Daten gesammelt und ausgewertet werden, sei das rechtens. Viele Unternehmen würden sogar damit argumentieren, dass diese Daten zum Vorteil des Kunden verwendet werden: „Weil die passenden Produkte dann zielgenauer an den Kunden kommen, weil die Angebotspalette optimiert werden kann und so weiter …“ Aber eigentlich, so Niehaves weiter, seien diese Datensammlungen vor allem für die Unternehmen von Vorteil: „Die machen das, um am Ende mehr zu verkaufen.“ Das funktioniere unter anderem auch deshalb, weil die Kunden wegen der Bonussysteme häufig ihr Konsumverhalten ändern: „Sie binden sich an gewisse Geschäfte, kaufen sogar mehr ein und nehmen Umwege in Kauf – nur um möglichst viele Punkte einzusammeln.“

Dennoch seien Bonussysteme bei den Kunden sehr beliebt – im Durchschnitt nimmt jeder einzelne an vier verschiedenen teil. Niehaves empfiehlt allen, die von Bonussystemen profitieren möchten: „Wenn überhaupt, lohnen sich nur die großen Anbieter, die möglichst viele Händler im Verbund haben.“ Die großen Anbieter hätten zudem den Vorteil, dass der Ausstieg aus den Bonussystemen für die Kunden unkompliziert ist: „Einfach per Mail oder Brief unter Angabe der Kundennummer kündigen. Es gibt keine Fristen, keine Mindestlaufzeiten und eine Begründung ist auch nicht nötig.“

Anonyme Stempelkarten

Das empfehlenswerteste Bonussystem seien jedoch nicht die personalisierten Kundenkarten, sondern die anonymen Stempelkarten – und zwar nicht nur wegen des besseren Datenschutzes: „Zehn Kaffee kaufen, den elften gibt‘s umsonst. Solche Karten bringen den größten Bonus.“

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