Sport trotz Bluterkrankheit

Welche Aktivitäten eignen sich für betroffene Kinder?

Verbraucher | Volle Kanne - Sport trotz Bluterkrankheit

Wenn sich ein gesunder Mensch eine blutende Wunde zuzieht, lässt sich der Blutfluss relativ schnell stoppen – anders ist dies bei Blutern. Doch können diese trotzdem Sport machen?

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5 min
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Video verfügbar bis 02.11.2017, 14:00

Eine genetisch bedingte Blutgerinnungsstörung bezeichnen Mediziner als Hämophilie. Dieser Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Blutneigung“. Im Volksmund ist die Krankheit auch unter dem Namen „Bluterkrankheit“ bekannt.

Es gibt zwei Formen der Hämophilie (A und die seltenere Form B): Bei beiden fehlen unterschiedliche Faktoren, die für die Blutgerinnung wichtig sind Im Krankheitsverlauf unterscheiden sich die beiden Formen kaum, jedoch in der Behandlung. In Deutschland gibt es rund 6000 Hämophile. Die Krankheit tritt nahezu nur bei Männern auf, da der genetische Defekt auf dem X-Chromosom liegt. Bei Frauen sorgt das zweite gesunde X-Chromosom meist für eine ausreichende Produktion funktionsfähiger Gerinnungsfaktoren.

Das Blut fließt und fließt…

Bei gesunden Menschen ziehen sich die Adern nach einer Verletzung zusammen. Die Stärke der Blutung wird gedrosselt, das regt die Blutplättchen (Thrombozyten) an, sich mit Hilfe von Eiweißen vernetzen. Sie bilden einen Pfropfen, der die Wunde verschließt. Die normale Blutungszeit beträgt zwei bis vier Minuten. Eine funktionierende Blutgerinnung ist lebenswichtig, weil man sonst an einer noch so kleinen Verletzung verbluten kann.

Bei Hämophilen werden die Eiweiße, die für die Blutgerinnung wichtig sind, nicht ausreichend gebildet. Menschen mit dieser Krankheit leiden zeitlebens unter einem erhöhten Blutungsrisiko und einer schlechten Wundheilung - ihr Blut gerinnt nicht wie bei einem gesunden Menschen, sondern die Wunde schließt sich nicht vollständig.

Dem defekten Gen auf der Spur

Das Auftreten von auffällig vielen Hämatomen ist ein erstes Anzeichen für die Erkrankung. Meist treten sie im „Krabbelalter“ vermehrt auf. Die Diagnose wird durch die geminderte Aktivität des Blutgerinnungsfaktors und mit einer Gentypisierung gestellt. Der Schweregrad der Erkrankung ist genetisch bedingt. Er wird durch die Restaktivität des Blutgerinnungsfaktors bestimmt. Diese Restaktivität kann man durch eine Blutentnahme bestimmen und wird in Prozent angegeben.

Mediziner unterscheiden zwischen einer milden, mittelschweren und schweren Hämophilie. Patienten mit mittelschwerer oder schwerer Hämophilie haben vor allem unter wiederholten, schmerzhaften Gelenkblutungen zu leiden. Betroffen sind vor allem die Knie, Sprung- und Ellbogengelenke, da sie nicht von einem schützenden Muskelmantel umgeben sind.

Blutende Wunde wird mit Pflaster versorgt
Normalerweise stoppt die Blutung nach zwei bis vier Minuten - nicht so bei Blutern. Quelle: imago

Was mit dem Blut passieren muss

Bei Menschen mit Hämophilie sind immer wieder Untersuchungen notwendig, um akute Probleme zu behandeln oder neuen vorbeugen zu können. Dazu werden die Gerinnungsfaktoren der Patienten überwacht, innere Blutungen oder beispielsweise Gelenksblutungen mit Ultraschall, Röntgenstrahlen oder MRT gecheckt.

Normalerweise wird die Erkrankung mit einer sogenannten Substitutionstherapie behandelt: Konzentrate von Gerinnungsfaktoren werden intravenös verabreicht. Dabei unterscheidet man zwischen Bedarfs- und Dauerbehandlung.

Sport trotz Hämophilie?

Die Dauerbehandlung wird meist bei Kindern und Jugendlichen mit schwerer Hämophilie durchgeführt. Ziel ist es, die schwere Form zu einer mittelschweren bis hin zur leichten Form abzumildern. Die Betroffenen haben weiterhin eine verstärkte Blutungsneigung, aber es kommt seltener zu Gelenksblutungen. Obwohl Sport ein Verletzungsrisiko birgt, werden gerade Hämophile dazu ermutigt Sport zu treiben. Denn Sport kräftigt die Muskulatur und stabilisiert die Gelenke. Letzteres führt zu selteneren Blutungen.

Außerdem fördert es das allgemeine körperliche Wohlbefinden, eine verbesserte Koordination hilft Stürze zu vermeiden und gibt ein besseres Selbstwertgefühl. Kontaktsportarten (Boxen, Rugby, Football) bringen ein hohes Verletzungsrisiko mit sich und sollten daher vermieden werden. Außerdem sind Sportarten mit extremen Spring-, Dreh- und Richtungsänderungen ungünstig – sie belasten zu stark die Gelenke. Geeignete Sportarten sind Tischtennis und Schwimmen.

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