Den Blutzucker stabilisieren

Hilfsmöglichkeiten bei Diabetes

Verbraucher | Volle Kanne - Den Blutzucker stabilisieren

Um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten, spritzen Diabetiker Insulin. Denn wenn dieser zu stark steigt oder absinkt, droht den Betroffenen Lebensgefahr.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.11.2017, 10:30

In regelmäßigen Abständen spritzen sich Diabetiker Insulin, um ihren Stoffwechsel stabil zu halten. Sinkt oder steigt der Blutzuckerspiegel allerdings in einen ungesunden Bereich, droht ein diabetischer Schock - und somit Lebensgefahr.

Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung. Rund 400.000 der etwa sechs Millionen betroffenen Deutschen leiden am Diabetes Typ 1. Diese Form tritt in der Regel schon in der Kindheit auf. Die Ursachen des Diabetes Typ 1 sind noch nicht endgültig geklärt. Für Typ-1-Diabetiker wird das Prozedere schnell zur Routine. In regelmäßigen Abständen spritzen sie sich Insulin, um ihren Stoffwechsel stabil zu halten.

Sicher ist, dass es sich bei Diabetes dabei um eine Autoimmunerkrankung handelt. Der Körper wendet sich gegen die Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die "Inselzellen" (auch als Langerhans-Inseln bekannt), und zerstört sie. Die Betroffenen müssen ihr Leben lang Insulin von außen zuführen. Viele Betroffene können durch diese Insulinzufuhr so "eingestellt" werden, dass sie im Alltag gut mit der Erkrankung umgehen können.

Spiegel zu hoch oder zu niedrig?

Wenn etwas schief geht, und der Blutzuckerspiegel stark absinkt oder ansteigt, besteht für Diabetiker Lebensgefahr. So droht bei massiver Unterzuckerung ein hypoglykämischer Schock. Dazu kann es kommen, wenn Insulin oder den Blutzucker senkende Medikamente zu stark dosiert werden.

Weitere mögliche Ursachen sind: zuviel Sport treiben, zu wenig essen oder zuviel Alkohol trinken. Wird der Diabetiker bewusstlos, spricht man von einem hypoglykämischen Koma - dann besteht akute Lebensgefahr.

Sofort Hilfe leisten

Ist der Betroffene noch ansprechbar, gibt es eine Reihe von Sofortmaßnahmen, die eine erste Hilfe darstellen. Dazu gehören Traubenzucker sowie zuckerhaltige Getränke wie Cola, Limonade oder Fruchtsäfte. Der darin enthaltene Zucker kann sofort vom Körper aufgenommen werden. Unterstützend können anschließend kohlenhydratreiche Lebensmittel (wie Brot oder Nudeln) und Süßigkeiten zugeführt werden.

Ist der Betroffene bereits bewusstlos, muss sofort der Notarzt informiert werden. Zu den weiteren "Erste-Hilfe-Maßnahmen" gehört es, den Bewusstlosen in die stabile Seitenlage zu bringen. Falls ein Notfallset vorhanden ist, kann jemand, der im Umgang mit Spritzen vertraut ist, dem Betroffenen eine sogenannte Glukagon-Spritze ins Unterhautfettgewebe (beispielsweise den Oberschenkel) geben.

Zuviel Zucker im Blut

Blutzuckermessung bei einem Diabetes-Patienten
Quelle: imago

Steigt der Blutzuckerspiegel hingegen in einen abnormen Bereich, droht ein diabetisches Koma. Dazu kommt es, wenn zu wenig Insulin gegeben wurde, wenn der Diabetiker eine extrem kohlenhydratreiche Mahlzeit zu sich genommen hat - oder der Betroffene noch gar nichts von seiner Erkrankung weiß.

Anzeichen für eine starke Überzuckerung sind verstärkte Atmung, starker Durst, häufiges Wasserlassen und Kopfschmerzen. Der Betroffene kann benommen wirken oder über starke Müdigkeit klagen. Deutliche Anzeichen sind zudem eine zunehmende Bewusstseinseintrübung sowie ein taumelnder oder torkelnder Gang.

Insulin senkt den Spiegel

Liegt der Blutzuckerspiegel über 250 Milligramm pro Deziliter (mg/dl), hilft es, sofort Insulin zu spritzen, viel zu trinken und möglichst jede körperliche Anstrengung zu vermeiden. Wird der Betroffene bewusstlos - dies bezeichnet man als hyperglykämisches Koma - muss augenblicklich ein Notarzt informiert werden.

Zudem sollte der Diabetiker flach auf den Boden mit leicht erhöhtem Oberkörper gelegt werden. Ist der Betroffene noch bei Bewusstsein, helfen auch beruhigender Zuspruch und frische Luft. Puls und Atmung sollten bis zum Eintreffen des Notarztes regelmäßig kontrolliert werden.

Neue Bauchspeicheldrüse

Bei manchem Betroffenen kann auch durch das Spritzen von Insulin der Blutzucker nicht ausreichend eingestellt werden. Abhilfe schaffen könnte hier das Verpflanzen einer funktionstüchtigen Bauchspeicheldrüse - oder alternativ dazu eine Inselzelltransplantation.

Bei Betroffenen, deren Typ-1-Diabetes auf Dauer nicht ausreichend durch die Gabe von Insulin einzustellen ist, kommt es immer wieder zu starken Stoffwechselentgleisungen. Für sie gibt es die Möglichkeit der Transplantation einer Spender-Bauchspeicheldrüse. Durch diesen mittlerweile etablierten Eingriff können die Patienten in der Regel dauerhaft auf das Spritzen von Insulin verzichten.

Inselzellen statt Organspende

In manchen Fällen ist eine Transplantation der gesamten Bauchspeicheldrüse mit zu hohen Risiken verbunden, wenn beispielsweise die Patienten durch Komplikationen des Diabetes in einem schlechten körperlichen Zustand sind. Dann kann dem Betroffenen durch eine Inselzelltransplantation geholfen werden. Sie kann ebenfalls vorgenommen werden, wenn der Patient aus persönlichen Gründen die Transplantation der Bauchspeicheldrüse ablehnt.

Die Vorteile der Inselzelltransplantation sind vielfältig. Der Eingriff ist weniger aufwändig und kann unter örtlicher Betäubung stattfinden, die Risiken sind dementsprechend gering. Es werden nur die Zellen transplantiert, die auch tatsächlich gebraucht werden. Die Nachteile der Inselzelltransplantation: Die Patienten sind nach dem Eingriff nur in seltenen Fällen langfristig von der Insulinspritze befreit. Die Mehrheit der Inselzell-Transplantierten muss weiterhin oder spätestens etwa zwei Jahre nach dem Eingriff wieder Insulin von außen zuführen, jedoch häufig weniger als zuvor.

So kommen die Zellen in den Körper

Die Transplantation findet unter örtlicher Betäubung statt. Die Spender-Inselzellen werden über einen Katheter, der in einer dünnen Kanüle mündet, seitlich am Körper direkt in die Pfortader der Leber injiziert. Dies geschieht unter Röntgenkontrolle. Die Inselzellen sollen sich in der Leber ansiedeln und dort Insulin produzieren.

Der Eingriff dauert etwa eine halbe Stunde. Mit Beginn der Transplantation werden dem Patienten Medikamente verabreicht, die sein Immunsystem unterdrücken, denn - wie bei Organtransplantationen auch - besteht die Gefahr, dass der Körper das fremde Gewebe sonst sofort abstößt. Obwohl das Verfahren, nur die Insulin produzierenden Zellen zu transplantieren, bereits seit fast vierzig Jahren erforscht wird, ist die Inselzelltransplantation noch kaum verbreitet. Ob und wann die Methode zur gängigen Praxis wird, ist im Moment nicht abzusehen.

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