Junge Pflegebedürftige im Seniorenheim

Das Modell „Junge Pflege“ soll Alternativen bieten

Verbraucher | Volle Kanne - Junge Pflegebedürftige im Seniorenheim

Wer in jungen Jahren pflegebedürftig wird, hat oftmals Probleme, eine altersgerechte Pflegeeinrichtung zu finden. Das Modell "Junge Pflege" soll dies ändern.

Beitragslänge:
5 min
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Video verfügbar bis 15.11.2017, 10:30

Jeder kann jederzeit zum „Pflegefall“ werden. Und doch ist unser Gesundheitssystem nicht darauf ausgerichtet. Laut einer Schätzung von 2012 sind in Deutschland etwa 400.000 Pflegebedürftige zwischen 18 und 60 Jahren „fehlplatziert“. So lautet der Fachbegriff für junge Erwachsene, die als „Notlösung“ zwischen Menschen ab 70 untergebracht sind.

Typische Generationenkonflikte

In der Interaktion zwischen jungen und alten Bewohnern gibt es Vor- und Nachteile. Jüngere Bewohner finden die Lebenserfahrung der Älteren interessant, vermissen aber gemeinsame Aktionen, wie ein Rockkonzertbesuch oder einen Ausflug in den Erlebnispark.

Manche Senioren finden den Austausch belebend, andere stören sich an den Gewohnheiten der Jungen, zum Beispiel bis spät nachts zu fernsehen oder laute Musik zu hören. Langfristige Freundschaften können kaum geschlossen werden. Denn während die jüngeren Bewohner noch mitten im Leben stehen, bereiten sich die Älteren auf ihr Lebensende vor.

Herausforderung für das Pflegepersonal

Junge Bewohner haben andere Bedürfnisse als Senioren. Sie brauchen mehr und speziell ausgebildetes Personal, mehr individuelle Ergo- und Physiotherapie, andere Freizeitangebote, sie haben andere Ess- und Schlafgewohnheiten. Auch in der Pflege selbst ist ein Unterschied spürbar: Jjüngere Bewohner legen oft viel mehr Wert auf ihre Erscheinung. Sie wollen täglich duschen, ihre Köperbehaarung rasiert oder ihre Frisur besonders gestylt haben.

Manche Altenpfleger überfordert das, denn es entspricht nicht den Anforderungen des Berufs, den sie ursprünglich gelernt haben. Doch in den Pflegeberufen gibt es bisher keine Ausbildung für diese spezielle Klientel. Auch die psychische Belastung für die Mitarbeiter ist hoch – denn oft sind die Pflegenden im selben Alter wie sie selbst und wurden durch Krankheit oder einen Unfall mitten aus dem Leben gerissen. Andere leiden unter Erkrankungen, die sogar Intensivpflege erfordern. Dennoch versuchen viele Heime, die Jungen so gut es geht zu integrieren. Sind genügend Bewohner vorhanden, werden sie auf einer Etage untergebracht und auch das Freizeitangebot wird erweitert. Das verlangt von allen Beteiligten Kompromisse.

„Junge Pflege“

Einige Altenpflegeheime bieten deshalb bereits neben der Seniorenbetreuung getrennte Bereiche in Form von „Jungen Pflege-WGs“ an. Diese bieten ein gemeinschaftlich genutztes Wohnzimmer als Raum für Kommunikation und gemeinsames Erleben altersgerechter Freizeitaktivitäten, wie zum Beispiel kleinere Ausflüge in die Umgebung oder Party- und Konzertbesuche.

Im Pflegealltag gibt ein hoher Therapieschlüssel die Chance auf Wiedererlernen verloren gegangener Fähigkeiten. Im Pflegealltag wird also nicht nur „versorgt“, sondern gleichzeitig aktivierend und rehabilitativ therapiert. Ziel ist es – im Unterschied zu alten Pflegebedürftigen –die jungen Menschen wieder auf ein möglichst selbständiges Leben vorzubereiten und ihnen weitgehende soziale Teilhabe zu ermöglichen. Zudem bieten sie externe Therapien wie Krankengymnastik, Logopädie und Klangtherapie an.

Hoher Bedarf, wenig Plätze

Die Plätze für junge Pflegebedürftige sind hoch begehrt, die Wartelisten lang. Experten fordern die flächendeckende altersgerechte Versorgung dieser Betroffenen. Doch gerade in ländlichen Gegenden ist es schwierig, überhaupt eine Gruppe „Junge Pflege“ zusammen zu stellen. Die Patienten müssen oft mehr als hundert Kilometer oder noch entfernter untergebracht werden. Oder sie bleiben in der Nähe ihres sozialen Umfeldes in einem Pflegheim unter betagten Senioren weiterhin „fehlplatziert“.

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