Kindern den Krebs erklären

Verbraucher | Volle Kanne - Kindern den Krebs erklären

Krebs ist für die Betroffenen ein schwerer Schicksalsschlag. Viele bewegt zudem die Frage: Wie erkläre ich das meinen Kindern?

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 23.11.2017, 10:30

Laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts werden in Deutschland jährlich 150.000 bis 200.000 Kinder unter 18 Jahren neu mit einer Krebserkrankung der Eltern konfrontiert. Das heißt: In jeder dritten Familie, in der ein Elternteil an Krebs erkrankt, leben minderjährige Kinder.

Erwachsenen fällt es oft schwer, offen über die Diagnose zu sprechen – ihnen fehlen schlicht die Worte. Die Kinder wiederum wagen häufig nicht nachzufragen und verbergen ihre Ängste. Doch eine altersgerechte Kommunikation ist wichtig und es gibt viele Wege, um Zugang zu den Kindern zu finden.

Kinder haben feine Antennen

Schon Kleinkinder spüren die veränderte Stimmung ihrer Eltern kurz nach der Diagnose. Sie nehmen wahr, wenn diese ängstlich, traurig oder verzweifelt sind - und reagieren oft mit Schlafproblemen, Essstörungen, Unruhe oder verstärktem Weinen. Auch die älteren Kinder registrieren die angespannte Gefühlslage zu Hause stärker, als Erwachsene dies oft vermuten.

Kennt ein Kind den Grund dafür nicht, sucht es die Schuld bei sich selbst. Deshalb ist es wichtig, die Kinder zu beruhigen und ihnen klarzumachen, dass sie nicht der Auslöser für die momentane Anspannung in der Familie sind. Überforderte Erwachsene neigen dazu, direkte Fragen von Kindern abzuwiegeln und die Erkrankung zu vertuschen. Diese Rücksichtnahme sei falsch, sagen Kinderpsychologen. Kinder, die nicht wissen, was los ist, entwickeln belastende Fantasien und leiden unter diffusen Ängsten, auf die manche mit aggressivem Verhalten reagieren. Andere wiederum werden stiller und ziehen sich mehr und mehr zurück.

Kindgerechte Worte finden

Gespräche über Krankenhausaufenthalte, Operationen und Chemotherapie oder sogar über das schwerste aller Themen – Sterben und Tod – sind selbst für Erwachsene schwierig. Wenn Eltern jedoch die Wahrheit verschweigen, besteht die Gefahr, dass die Kinder es zufällig und schonungslos über Dritte erfahren. Dies führt zu einem enormen Vertrauensverlust.

Einem Kind die schmerzliche Wahrheit zu sagen, ist nicht nur Zumutung, sondern beinhaltet auch die Botschaft: „Du bist mir wichtig, ich will offen und ehrlich mit Dir sein!“ Eltern müssen nicht alles im Detail erzählen, aber alles, was sie dem Kind erzählen, sollte der Wahrheit entsprechen. Wer sich schwer tut, die richtigen Worte zu finden, kann sich Anregungen zu altersgerechten Gesprächen in Büchern und Broschüren für Kinder und Jugendliche suchen. Es gibt dazu bereits ein breites Angebot für Kleinkinder, Kindergartenkinder, Schulkinder und Jugendliche.

Hilfe annehmen

Offenheit setzt voraus, dass Eltern sich der Erkrankung stellen. Viele Erwachsene sind mit den Sorgen und Ängsten jedoch selbst überfordert. Psychologen raten in solchen Krisensituationen, unbedingt Hilfe in Anspruch zu nehmen. Viele onkologische Stationen bieten bereits psychologische Unterstützung für Familien. In den letzten Jahren sind zudem bundesweit unabhängige Selbsthilfevereine entstanden, die ein breites Therapieprogramm für betroffene Kinder anbieten, darunter tiergestützte Therapien, Kunsttherapie, Ergotherapie sowie altersgerechte Freizeitprogramme, die von Psychologen begleitet werden. Hier können die Kinder im geschützten Rahmen ihre Ängste frei aussprechen ohne zu befürchten ihren Eltern noch mehr Sorgen aufzubürden.

Weitere Informationen zum Thema "Kindern den Krebs erklären" finden Sie beim Krebsinformationsdienst.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet