Vegane Ernährung in der Schwangerschaft

Verbraucher | Volle Kanne - Vegane Ernährung in der Schwangerschaft

Eine Zwangsberatung für Schwangere, gerade im Hinblick auf vegane Ernährung, das hatte diesen Sommer eine CDU-Bundestagsabgeordnete gefordert. Doch ist es wirklich so gefährlich, während der Schwangerschaft komplett auf tierische Produkte zu verzichten?

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.12.2017, 09:05

Fakt ist: Liegt ein gravierender Nährstoffmangel vor, kann das dem ungeborenen Kind schaden: Ein Mangel an Vitamin B12 kann schwere neurologische Schäden verursachen. B 12 ist jedoch kaum in pflanzlichen Produkten enthalten, daher müssen Veganerinnen, schwanger oder nicht, dieses Vitamin durch entsprechende Präparate zu sich nehmen. Auch die Versorgung mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren , Folsäure, Vitamin B6, Jod, Eisen und wertvollen Proteinen muss unbedingt gewährleistet sein.

Fakt ist aber auch, dass sich die meisten Veganerinnen mit ihrer Ernährung auseinander setzen und genau wissen, worauf es ankommt. Und viele Veganerinnen ernähren sich bewusst gesund.

Schlaue Veganer

Ernährungswissenschaftler Dr. Markus Keller forscht auf dem Gebiet der veganen Ernährung. Die Studienlage ist zwar noch sehr dünn, dennoch bescheinigt er den meisten Veganerinnen einen Wissensvorsprung: „Wir wissen aus eigenen Untersuchungen, dass Veganer und Veganerinnen ein überdurchschnittlich hohes Ernährungswissen haben, meistens auch überdurchschnittlich gebildet sind und sich meist auch gesünder in der Ernährung verhalten als die Allgemeinbevölkerung. Sie sind deutlich besser versorgt mit Betacarotin, mit Vitamin C, mit Vitamin B1, mit Ballaststoffen oder auch mit Folsäure, die ganz wichtig in der Schwangerschaft ist.“

Auch Alles-Esser können theoretisch in der Schwangerschaft Mangel leiden, etwa durch eine zu einseitige, vitaminarme Ernährung oder wenn sie nur stark verarbeitete Produkte zu sich nehmen. „Es wird ja so ein bisschen unterstellt, dass die Nicht-Veganerinnen, die schwanger sind, alles richtig machen. Und das zeigen uns ja die Studien, das ist eben nicht der Fall, da hängt es dann an anderen Stellen“, so der Ernährungswissenschaftler.

Mangelausgleich ist wichtig!

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung spricht sich gegen eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft aus. Gleichzeitig aber gibt sie Handlungsempfehlungen für die Frauen, die es dennoch tun möchten. Aus gynäkologischer Sicht ist dann nichts gegen eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft einzuwenden, wenn die Betroffenen sich von Experten beraten lassen. Als Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe bestätigt der Frauenarzt Prof. Dr. Klaus Vetter.

„Es gibt eigentlich keine großen Probleme für eine Schwangerschaft, wenn die Frau richtig geführt wurde, das heißt, sie über mögliche Mangelzustände Bescheid weiß und sie auch weiß, dass sie diese ausgeglichen hat. Das macht sie normalerweise außerhalb der Frauenheilkunde mit einem Ernährungswissenschaftler oder mit jemandem, der ihr Hausarzt ist.“

Immer mehr Veganer

Etwa 900 000 Menschen ernähren sich in Deutschland bereits vegan, Tendenz steigend. Dr. Markus Keller sieht die vegane Ernährung nicht nur als Trend, sondern als generelle Umstellung. Und es werden immer mehr junge Frauen zu Veganerinnen. Junge Frauen, die auch eines Tages Kinder bekommen wollen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet