Gesundheitsgefahren im Nagelstudio

Hygienemängel und aggressive Stoffe bergen Gefahren

Verbraucher | Volle Kanne - Gesundheitsgefahren im Nagelstudio

Helga, Ingrid, Ulla, Inge und Hanne testen im Auftrag von WISO Nagelstudios. Bei der Stichprobe sind die Lockvögel nicht auf sich allein gestellt. Sie bekommen Hilfe von einer Expertin.

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 02.02.2017, 14:00

Nagelstudios gibt es mittlerweile fast an jeder Ecke. Wussten Sie, dass man für die Eröffnung eines Nagelstudios und das Ausführen der Arbeiten keine Ausbildung benötigt? Die Konsequenz bei schlecht ausgeführter Arbeit: mangelhaftes Ergebnis und gesundheitliche Risiken. Wie erkennt man also ein qualifiziertes Studio und worauf sollte man bei der Nagelmodellage achten?

Lange, gesunde und starke Fingernägel wünschen sich viele. Die Realität sieht oft ernüchternd aus. Die Nägel sind brüchig, stumpf oder reißen schnell ein. Viele Nagelstudios versprechen durch Nagelmodellagen und Maniküren, die Nägel wieder toll aussehen zu lassen und sie zu kräftigen.

Viele Wege zum gewünschten Nagel

Dabei werden unterschiedliche Techniken angeboten: Wer seine Naturnägel schonend und langsam verlängern möchte, kann eine Naturnagelmodellage wählen. Dabei wird ein Gel auf den Nagel aufgetragen, das dann unter UV-Lichtlampen gehärtet wird. Der Nagel wird so verstärkt und wächst in Ruhe bis zur gewünschten Länge. Wer sofort auf lange und feste Krallen setzen möchte, kann die Verlängerung durch einen Kunstnagel, einen sogenannten Tip, wählen. Bei dieser Methode wird ebenfalls UV-Gel aufgetragen, das Tip und Naturnagel verbindet und härtet.

Auch durch die Schablonentechnik kann ein Nagel verlängert werden. Der Nagel wird anhand der Schablone entweder mit UV-Gel oder einem Zweikomponenten-Acrylsystem verlängert. Bei letzterer Methode wird ein Pulver mit einer Flüssigkeit gemischt. Bei einer chemischen Reaktion entsteht ein Kunstharz, das auf dem Nagel aushärtet und ihn stabil macht. Die Verlängerung mit Tips funktioniert übrigens auch mit Acryl.

Medizinische Bedenken

Grundsätzlich ist eine Nagelmodellage nicht schädlich. Trotzdem werden der Nagel und besonders die Nagelplatte bei der Behandlung beansprucht. Denn bevor Gel oder Acryl auf den Nagel aufgetragen werden, wird die Nagelplatte angeraut. Dadurch wird sie dünner gemacht und ist nicht mehr sehr widerstandsfähig. Einige Nageldesigner schneiden die Nagelhaut vor der Modellage zurecht. Das kann zu Infektionen und Entzündungen führen, denn die Nagelhaut ist eine Art natürliches Schutzschild, die den Nagel abdichtet und vor Bakterien und anderen Erregern schützt.

Sollten bei der Nagelmodellage Verletzungen entstehen, zum Beispiel durch falsches oder zu starkes Feilen, kann die Nagelhaut einreißen und bluten. Dann sollten Nageldesignerin und Kundin schnell reagieren und die Wunde desinfizieren und gegebenenfalls von einem Arzt behandeln lassen. Grundsätzlich sollte man bei einer guten Nagelmodellage auf einwandfreie Hygiene setzen, das heißt zum Beispiel, dass auch das Studio selbst in einem gepflegten Zustand sein sollte.

Gefährliche Inhaltsstoffe

Bei der Nagelmodellage mit Acryl kann es zu gesundheitlichen Reaktionen für die Kundin kommen, wenn der Stoff Methylmethacrylat enthalten ist. Denn bei der Zusammenführung von Flüssigkeit und Pulver wird ein Monomer frei, das Kontaktallergien auslösen kann, wenn es nicht richtig abgebaut wird und der Stoff mit dem Nagelfalz, dem Gesicht oder den Händen in Kontakt gerät. Das kann auch noch einige Stunden nach der Nagelmodellage passieren, wenn man sich zum Beispiel im Gesicht berührt.

Wenn man nach einer Nagelmodellage Ekzeme, Jucken, Pusteln oder Rötungen an Händen, Fingern oder im Gesicht feststellt, sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen. Methylmethacrylat wird auch in der Zahnmedizin eingesetzt. Ist eine Kundin einmal bei einer Nagelmodellage sensibilisiert worden, kann es zu Kreuzsensibilisierungen, zum Beispiel bei einem Zahnersatz, kommen.

Die richtige Nagelmodellage

Bei der richtigen Nagelmodellage sollte man in jedem Fall darauf achten, dass die Nageldesignerin ihre Hände, die der Kundin und alle Arbeitsutensilien gründlich desinfiziert. Nach gefordertem Hygieneplan muss die Nageldesignerin Handschuhe tragen, im Idealfall trägt sie zusätzlich einen Mundschutz. Es gibt keine offizielle Ausbildung für Nageldesignerinnen, der Begriff ist demnach nicht geschützt. Qualität garantiert aber die Prüfung und Zertifizierung der Handwerkskammer.

Bei den verwendeten Produkten sollte man darauf achten, dass die Produkte in Deutschland registriert und gelabelt wurden. Meist enthalten Importprodukte aus den USA oder aus China den Stoff Methylmethacrylat. Sollte bei der Nagelmodellage ein stechender, chemischer Geruch auftreten, kann das ein Hinweis auf die Verwendung von Methylmethacrylat sein. Im Zweifel bei der Nageldesignerin nachfragen, welche Produkte sie verwendet und die Verpackung zeigen lassen. Sollte Methylmethacrylat in dem Produkt enthalten sein, wird er als MMA in der Liste der Inhaltsstoffe aufgeführt.

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