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Feige, niederträchtig oder schlicht überfordert?

Wie es zu Kindesmisshandlung kommt und was man dagegen tun kann

Zum Tag der gewaltfreien Erziehung erklärt Prof. Dr. Kathrin Yen, warum Schütteltraumata bei Säuglingen keine große Seltenheit sind und was Eltern präventiv tun können, um ihre Kinder zu schützen.

Beitragslänge:
9 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 30.04.2020

Jede Woche werden rund 70 Kinder so massiv malträtiert, dass sie ärztlich behandelt werden müssen. Etwa drei Kinder sterben jede Woche an den Folgen ihrer Misshandlung. Die Dunkelziffer ist weit höher: Experten gehen von 200.000 Kindesmisshandlungen pro Jahr in Deutschland aus.

Einer Erhebung des Universitätsklinikums Heidelberg nach wurden in den letzten sieben Jahren bei Verletzungen von ca. 800 Kindern, die sich in der dortigen Unfallambulanz vorstellten, Fremdeinwirkung durch Erwachsene festgestellt. Bei ca. 150 Fällen waren die Verletzungen so schwer, dass die Kinder direkt von den Familien isoliert wurden.

Wie kommt es zu Gewalt an Kindern und was sind die Folgen?

Was geht in einem Elternteil vor, dass Agressivität und Wut die Liebe zum eigenen Kind überlagern? Prof. Dr. Kathrin Yen, Ärztliche Direktorin des Instituts für Rechts- und Verkehrsmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg plant eine Ambulanz für Gewaltopfer und verrät uns, dass hier oftmals ganz unabhängig von Einkommen oder sozialem Status ein Phänomen zu Tage tritt: die Überforderung. Sind Eltern mit ihrer Situation überfordert, kommt es in einer Kurzschlussreaktion zu einer Gewaltentladung. Typische Folge eines solchen Ausbruchs ist das Schütteltrauma. Natürlich kommen die verletzten Kinder oft aus einem familiären Umfeld, in dem Gewalt bereits vorherrscht.

Von außen erkennt man ein Schütteltrauma kaum. Wenn man früh genug untersucht, kann man manchmal noch Festhalte-Verletzungen erkennen. Beim Schütteln wird das Kind oft sehr heftig gepackt. Das kann man z.B. in Form von zarten Rötungen sehen. Allerdings kommen Schüttelkinder oft als akute Notfälle in die Klinik. Sie atmen nicht mehr, laufen blau an, sind nicht mehr ansprechbar. Das sind dramatische Symptome, die man feststellen kann, wenn ein Kind kräftig geschüttelt worden ist. Die führen in der Regel natürlich meistens dazu, dass die Kinder trotzdem ins Krankenhaus gebracht werden, auch wenn Eltern selbst die Schuld daran tragen.
Prof. Dr. Kathrin Yen


Wie können Eltern eigenen körperlichen Wutausbrüchen entgegenwirken?

Gerade Schütteltraumata bei Säuglingen sind keine Seltenheit. Das Phänomen der Überforderung und daraus resultierenden Kurzschlussreaktion von sonst eigentlich fürsorglichen Müttern und Vätern ist ein ernstzunehmendes. Es gibt Mittel und Wege, sich selbst zu beherrschen, in dem man für solche eine Extremsituation alternative Reaktionen in Betracht zieht:

Wenn man überfordert ist und merkt, es geht nicht mehr, ist es immer das Beste, erstmal den Raum zu verlassen, bevor man dem Kind etwas antut. Das Kind irgendwo hinlegen, wo es für kurze Zeit sicher ist, ins Bett oder den Laufstall, und sich eine Auszeit zu nehmen. Vielleicht auch eine Freundin oder die Eltern zur Hilfe holen.
Prof. Dr. Kathrin Yen

Was können Familienangehörige tun?

Vermutet man innerhalb der Familie oder im Bekanntenkreis Gewalteinwirkung durch Eltern an Kindern oder hat womöglich eine solche direkt beobachtet, sollte man handeln. Aber wie verhält man sich richtig?

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