Glückliche Familien, zufriedene Chefs

Probleme bei der Kinderbetreuung und familienfreundliche Arbeit

Verbraucher | Volle Kanne - Glückliche Familien, zufriedene Chefs

Zwar habe die Politik vor allem in den letzten zehn Jahren einen richtigen Kurs eingeschlagen, sagt Soziologin Daniela Grunow. Dennoch gestalte es sich für viele immer noch schwierig, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen.

Beitragslänge:
18 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.10.2018, 09:05

Wie also bringt man am besten Kinder und Karriere in Einklang? Vorbild ist dabei Dänemark: Da sind über 80 Prozent der Mütter berufstätig und 80 Prozent der sechs- bis zehnjährigen Kinder werden außerhalb der Schule betreut. In Deutschland arbeiten im Vergleich nur 69 Prozent der Mütter, davon nur 30 Prozent in Vollzeit. In Dänemark hat die Müttererwerbstätigkeit eine viel längere Tradition. Auch die Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr ist seit Langem vorbildhaft, da die außerschulischen Betreuungsangebote in Dänemark eine längere Entwicklungsgeschichte haben. „Die bezahlten Elternzeiten, die Arbeitsflexibilität und die Kinderbetreuungsangebote sind dabei im Stadtteil, im Ort, im Dorf, in dem die Familien leben und arbeiten, aufeinander abgestimmt und nicht nur im Bundesdurchschnitt“, so die Expertin Daniela Grunow.

Flexibilität durch Elternzeit
Die ersten Schritte in die richtige Richtung, wurden in den letzten zehn Jahren bereits getan: Das Elterngeld wird zwar für kürzere Zeit, dafür aber einkommensabhängig gezahlt, die sogenannten Vätermonate werden gut angenommen und der Ausbau der Kinderbetreuung ist in den letzten Jahren rasant vorangegangen. Zentral ist dabei die Elternzeit: Diese ist 2015 nochmals flexibilisiert worden, sodass verschiedene Teilzeitmodelle möglich sind. Ob und wie Eltern hier ihre Rechte einfordern können, hänge aber stark vom Vorgesetzten ab, weiß Prof. Grunow.

Durch die in 2007 eingeführten Reformen bedingt kehren Mütter in Deutschland mittlerweile schneller als früher nach der Geburt eines Kindes in den Job zurück. Viele von ihnen sind über Jahre hinweg allerdings nur in Teilzeit oder geringfügig beschäftigt. Es dauert im Durchschnitt extrem lange, bis Mütter das gleiche Verdienstniveau wie vor der Geburt ihres Kindes erreichen.

Mütter büßen mehr ein als Väter
Frauen nehmen somit große berufliche Einbußen hin, da sie in einem geringeren Stundenumfang arbeiten und über lange Jahre hinweg entsprechend wenig verdienen. Ein großes Risiko dabei ist, dass sie dadurch nicht voll in die Rentenkasse einzahlen, ökonomisch abhängig sind und dadurch Risiken der Altersarmut und Armut im Falle einer Trennung vom Partner steigen.

Ein weiteres Problem ist, dass oftmals nur Mütter und nicht die Väter des Kindes die Elternzeit in Anspruch nehmen. Hauptgrund dafür ist, dass sich viele Familien finanziell keine längeren Betreuungszeiten durch die Väter leisten können. Das wird auch durch das Betreuungsgeld, welches auf maximal 1800 Euro gedeckelt ist, nicht vereinfacht, denn: In vielen Familien verdienen die Männer immer noch mehr als ihre Partnerinnen. Auch spielen befürchtete Karrierenachteile durch längere Elternzeiten eine große Rolle.

Deutschland hat noch Nachholbedarf
Wichtige Faktoren, damit Familien Kind und Job unter einen Hut bekommen, sind laut Expertin Grunow, dass Vater und Mutter sich die Kinderbetreuung teilen und im besten Fall zusätzliche Unterstützung durch weitere Verwandtschaft erhalten. Flexible Kita Betreuungszeiten, ein verständnisvoller Arbeitgeber sowie vielfältige Vereinbarkeitsangebote seitens des Unternehmens erleichtern Arbeitnehmern den Spagat zwischen Kind und Karriere. „In der Praxis kommen diese Faktoren allerdings noch höchst selten so ideal zusammen“, weiß Professorin Grunow.

Die nächsten Schritte, die laut der Expertin in Deutschland also getan werden müssen, seien der weitere Ausbau der Kinderbetreuung, sodass Mütter und Väter schneller wieder Vollzeit erwerbstätig sein können. Außerdem sei ein besserer finanzieller Ausgleich für Mütter und Väter in Elternzeit wünschenswert. Das Elterngeld beträgt zurzeit zwischen 65 und 67 Prozent des vorherigen Nettoverdienstes, maximal aber bei 1800 Euro. In Ländern wie Dänemark und Schweden liegen diese Sätze wesentlich höher.

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