Pflegenoten in der Kritik

Wie das passende Pflegeheim finden?

Verbraucher | Volle Kanne - Pflegenoten in der Kritik

Die Heimsuche kann sich sehr schwierig gestalten. Eine Orientierungshilfe bietet die Benotung des Pflege-TÜV. Denkt man zumindest. Doch die Pflegenoten besitzen keine Aussagekraft.

Beitragslänge:
8 min
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Video verfügbar bis 29.05.2017, 00:00

Heimsuche kann sich sehr schwierig gestalten. Eine Orientierungshilfe bietet die Benotung des Pflege-TÜV. Denkt man zumindest. Doch der wird wieder abgeschafft. Die Pflegenoten besitzen keine Aussagekraft. Wie Sie dennoch das passende Angebot und vor allem Qualität bei der Pflege finden.

Gestresste Pfleger, mangelhafte Therapien, kaltes Essen: Kaum ein Pflegebedürftiger weiß wirklich, was ihn im Pflegeheim erwartet. Seit einigen Jahren werden die Ergebnisse von Pflegeheimkontrollen öffentlich gemacht. Von der Qualität der Pflege bis hin zu den baulichen Gegebenheiten: Schon lange prüft der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) Pflegeeinrichtungen. Seit 2009 sind die Ergebnisse einsehbar, wobei geprüfte Pflegeheime mit Schulnoten von "sehr gut" bis "mangelhaft" bewertet werden.

Schon bei der Einführung des Modells hagelte es Kritik. Das Bewertungssystem sei nicht transparent genug, bemängelten Experten: Die Bewertung ermögliche den Heimen, Defizite zu beschönigen. Etwa indem gravierende Mängel in der Pflege durch Pluspunkte in anderen Bereichen - zum Beispiel durch geräumige Zimmer - wettgemacht werden könnten. Schon damals bezweifelten Experten, dass sich dadurch die wahren Zustände in den Heimen offenlegen oder gar Missstände in der Pflege beheben ließen.

Alternative zum Pflege-TÜV erst ab 2019

Frühestens 2019 soll es eine Alternative zum Pflege-TÜV geben. Bis dahin besteht er weiter. Kritik an der Notenvergabe übt auch Heimleiter Armin Rieger: "Der Pflege-TÜV ist im Grunde nichts anderes als eine Verbrauchertäuschung." Er bekommt für das Anbringen des Essensplans vom Pflege-TÜV eine eins, dabei wird das Essen und die Qualität nicht geprüft. Für die Benotung spielt das keine Rolle. Wäre der Heimleiter alleine auf gute Bewertung aus, könnte er sich sogar die Zwischenmahlzeit sparen. Denn diese wird nicht bewertet.

Auch wenn eine persönliche Besichtigung nicht alle Schwachstellen einer Pflegeeinrichtung offenlegen kann, so ist sie doch die beste Möglichkeit, sich einen Eindruck zu verschaffen. Das Heim sollte möglichst in einem vertrauten Umfeld liegen - zum Beispiel im gewohnten Stadtteil, damit die sozialen Kontakte aufrechterhalten werden können. Eine Liste der Pflegeheime in Ihrer Nähe erhalten Sie zum Beispiel bei Pflege- und Krankenkassen.

Welcher Pflegedienst passt, welches Pflegeheim ist gut für mich?

Das unabhängige Vergleichsportal weisse-liste.de ist ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann Stiftung und der Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen. Das Vergleichsportal bietet mehr Orientierung bei der schwierigen Entscheidung für eine geeignete Pflegeeinrichtung. Für jede der rund 26.000 Einrichtungen in Deutschland zeigt das Portal an, inwieweit diese die fachlichen Mindestanforderungen an die Qualität der Pflege erfüllt. Die Weiße Liste wertet dazu die Ergebnisse aus dem sogenannten „Pflege-TÜV“ neu aus.

Die Methode macht Unterschiede sichtbar, die bei der Entscheidung eines Nutzers für die Auswahl einer Einrichtung in seiner Region relevant sein können. Grundsätzlich ersetzt die Weiße Liste keinen Besuch der Pflegeeinrichtungen vor Ort. Aber mit ihrer Hilfe kann man sich gut darauf vorbereiten.

Bei der Auswahl Zeit lassen

Wer sich auf die Suche nach einem Pflegeheim macht, sollte sich viel Zeit nehmen und genau hinschauen. Machen Sie sich vorher klar, was Sie von dem Pflegeheim erwarten. Dann sollte man sich nach Adressen von Heimen in der gewünschten Region erkundigen und Informationen wie Prospekte und Preislisten einholen. Hören Sie sich in Ihrem Bekanntenkreis, beim Hausarzt oder Apotheker um, ob jemand Erfahrungen mit Heimen in der Nähe gemacht hat. Gehen Sie nicht unvorbereitet in ein Gespräch mit der Heimleitung, sondern machen Sie sich Notizen für das Gespräch.

Durch Beobachtungen und Gespräche bekommen Sie einen Eindruck von der Atmosphäre. Sehen Sie sich nicht nur die Eingangshalle und den Verwaltungstrakt an. Werfen Sie auch einen Blick in die Wohnbereiche – möglichst dort, wo Sie oder Ihr Angehöriger untergebracht werden sollen. Achten Sie beim Rundgang auf Aspekte wie Ordnung, Lebendigkeit oder Gerüche. Scheuen Sie beim Gespräch mit der Heimleitung keine unbequemen Fragen.

Verträge genau prüfen

In der Regel umfassen die Verträge circa 20 Seiten. Geht der Umfang deutlich darüber hinaus, sollte man hellhörig werden. Meist ist nur alles, was man nicht darf, haarklein im Heimvertrag aufgelistet. Die Konditionen sollten genau studiert und individuelle Absprachen in den Vertrag aufgenommen werden. Lassen Sie sich die Kosten erläutern. Denn die Höhe variiert sehr von Heim zu Heim. Weitere Informationen erteilen Pflegestützpunkte, Pflegekassen und Verbraucherzentralen.

Gutes Personalmanagement

Wie viel Personal zur Verfügung steht, ist zwar nicht das einzige Kriterium für die Qualität der Pflege. Dennoch sollten Sie sich erkundigen, für wie viele Bewohner eine examinierte Pflegekraft zuständig ist und wie viele Pfleger nachts und am Wochenende anwesend sind. Hat das Personal Zeit für Fragen? Sind die Mitarbeiter freundlich oder machen sie einen überforderten Eindruck? Das sagt auch etwas über die Pflegedienstleitung aus. Eine gute Leitung schafft es, das Personal zu managen und zu entlasten. Manche Einrichtungen haben zudem ehrenamtliche Helfer, die eine Ergänzung zur pflegerischen Betreuung ermöglichen.

Wenn der Pflegebedürftige private Möbel, Bilder oder sogar sein Haustier mitbringen kann, erleichtert dies die Umstellung. Häufig gibt es die Möglichkeit, die Einrichtung bei einem Probewohnen, zum Beispiel im Rahmen der Kurzzeitpflege, kennenzulernen.

Wenn die Leistung nicht stimmt

Wenn Angehörige Missstände bemerken, sollte man in jedem Fall das Gespräch mit der Heimleitung suchen. Eine weitere Möglichkeit ist zudem der Gang zur Aufsichtsbehörde. Reagiert das Heim auf den Vorwurf nicht, sollte der Betroffene nach Hause geholt werden. Prüfen Sie weitere Einrichtungen, um eine neue Unterbringung zu finden. Was dabei berücksichtigt werden muss, ist die Kündigungsfrist: Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass man jeweils zum Monatsende kündigen kann. Wenn beispielsweise aber das Entgelt plötzlich erhöht wird oder „unzumutbare Bedingungen“ für den Bewohner herrschen, muss die Frist nicht eingehalten werden.

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