Hängendes Augenlid

Muskelschwäche kann durch eine Operation korrigiert werden

Das Auge ist eines unserer wichtigsten Sinnesorgane. Im alltäglichen Leben sind wir darauf angewiesen, damit wir eine gute "Sicht" haben - sei es bei der Arbeit, beim Autofahren oder einfach nur abends vor dem Fernseher. Einschränkungen, wie ein herabhängendes Augenlid, sind nicht nur lästig, sie werden mitunter zu einer großen Belastung für Betroffene.

Das hängende Augenlid, medizinisch Ptosis, ist eine Fehlstellung, bei der das obere Augenlid erschlafft ist und in der Folge die Lidkante zu tief steht. Der Muskelzug arbeitet nicht mehr richtig. Daher können die Betroffenen ihr Augenlid nicht willkürlich heben und senken. Je nachdem, ob beide Augenlider betroffen sind oder wie stark ausgeprägt die Ptosis ist, kann es zu erheblichen Einschränkungen im Bereich des Gesichtsfeldes kommen. In den meisten Fällen ist die Ptosis einseitig.

Zwei bekannte Varianten

Generell unterscheidet man zwischen einer angeborenen und einer erworbenen Ptosis. Die angeborene Form kann vererbt werden. Sie wird durch eine Fehlbildung des für die Lidhebung zuständigen Muskels oder Nerven hervorgerufen. Ist die Pupille durch das hängende Augenlid verdeckt, besteht im Kindesalter das Risiko einer Schwachsichtigkeit.

Häufigste Ursache für eine erworbene Ptosis ist das fortschreitende Alter. Sie kann aber auch durch eine schwere Augenentzündung, einen Tumor, eine Netzhautablösung oder Lähmungserscheinungen der Nerven, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, in Folge einer Hirnhautentzündung oder einer Vergiftung verursacht werden. In seltenen Fällen löst eine Myasthenie, eine Autoimmunerkrankung, die Muskelschwäche aus.

Die richtige Diagnose stellen

Eine Ptosis ist meist schon auf den ersten Blick erkennbar. Normalerweise befindet sich das Oberlid etwa ein bis 1,5 Millimeter über der Hornhautgrenze. Bei Ptosis-Betroffenen hängt das obere Augenlid tiefer und kann nicht mehr willkürlich gehoben werden. Je nach Schwere der Ptosis kann es zu erheblichen Sichteinschränkungen kommen. Um die behinderte Sicht zu kompensieren, beugen viele Patienten den Kopf nach hinten.



Bei der augenärztlichen Untersuchung werden Einschränkungen im Gesichtsfeld sowie die Augenbeweglichkeit getestet. Um eine Myasthenie, eine Autoimmunerkrankung, als Ursache zu diagnostizieren oder auszuschließen kann ein Tensilontest durchgeführt werden. Dabei wird der Cholinesterasehemmer Tensilon in die Vene injiziert. Ist es dem Betroffenen daraufhin möglich, das Lid zu heben, gilt die Diagnose als gesichert. Wenn es sich um eine Myasthenie handelt (bei welcher Nerven und Muskeln gleichermaßen betroffen sind), kann diese unter Umständen medikamentös behandelt werden.

Sehenden Auges in die OP

Eine Muskelfunktionsstörung aufgrund einer Lähmungserscheinung kann sich in manchen Fällen von alleine zurückbilden. Andernfalls muss das Augenlid operativ angehoben werden. Vor dem Eingriff sollte abgeklärt werden, wodurch die Ptosis hervorgerufen wurde. Denn entscheidend für eine Operation ist, wie ausgeprägt die Beeinträchtigungen sind.

Der Eingriff wird ambulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Um ein kosmetisch ansprechendes Ergebnis, also symmetrisch liegende Augenlider zu erzielen, ist es von Vorteil, wenn das gesunde Auge des Patienten während der Operation geöffnet ist. Der Arzt kann so das betroffene Auge dem gesunden Auge besser angleichen. In vielen Fällen wird dafür der Lidhebermuskel gekürzt. Bei starker Ausprägung einer Ptosis muss unter Umständen zuvor ein Stück aus dem hängenden Oberlid entfernt werden werden.

Risiken und Prognose

Mögliche Risiken bei dem Eingriff sind Nervenschädigungen, durch die es zum Beispiel zu Taubheitsgefühlen oder Lähmungen im Bereich des Gesichts kommen kann. Wird das Auge beschädigt, so besteht die Gefahr einer Erblindung. In bis zu zehn Prozent der Fälle kann keine perfekte Symmetrie der Augenlider erreicht werden, sodass der Patient mit dem kosmetischen Ergebnis unzufrieden ist, auch wenn die Ptosis aus medizinischer Sicht behoben ist.

Bereits entstandene Schäden am Auge selbst können durch die Lidoperation nicht rückgängig gemacht werden. Eine Ptosis, die nicht angeboren ist, kann zudem theoretisch jederzeit erneut auftreten.

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