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Hausmittel bei Magen-Darm-Beschwerden

Alte Heilmethoden erleben heute eine Art Renaissance. Zusammen mit der "Forschungsgruppe Klostermedizin“ der Uni Würzburg stellen wir Hausmittel und Rezepte vor, die nicht nur im klösterlichen Küchenambiente Wirkung zeigen.

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5 min
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31.08.2020
Video verfügbar bis 31.08.2021

Verdauungsprobleme wie Sodbrennen, krampfartige Bauchschmerzen, Völlegefühl und Übelkeit sind unter der deutschen Bevölkerung weit verbreitet. Vor allem unter Sodbrennen leiden rund 30 Prozent regelmäßig. Doch anstatt gleich zu herkömmlichen Medikamenten aus der Apotheke zu greifen, lohnt sich ein Blick in die Natur. Denn bereits seit der Antike sind eine Vielzahl an Heil- und Arzneipflanzen bekannt, die Linderung verschaffen können, gut verträglich und ohne große Nebenwirkungen sind.

Die mittelalterliche Vorstellung der Verdauung

Hildegard von Bingen Gemälde
Abbildung der Hildegard von Bingen in der Abtei St. Hildegard, UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal, Rüdesheim am Rhein, Hessen, Deutschland.
Quelle: imago/ imagebroker

Im menschlichen Körper, so die symbolische Vorstellung im Mittelalter, zirkulieren vier Säfte: Blut, gelbe Galle, schwarze Galle und Schleim. Dementsprechend stellte man sich auch den Prozess der Verdauung vor. Genauer gesagt, stellte man sie sich wie einen Kochvorgang vor. Die Leber fungiert dabei als Herd beziehungsweise Hitzequelle und der Magen als Kochtopf. Bei Verdauungsproblemen war es demnach entweder zu kalt oder zu warm im Magen, die Säfte waren also nicht im Gleichgewicht. Beim Sodbrennen zum Beispiel, also beim Aufsteigen von Magensäure in die Speiseröhre, war es zu heiß im Magen. Das heißt, die Verdauung musste abgekühlt werden. Bei Völlegefühl war es zu kalt, daher müsste symbolisch mehr Hitze zugeführt werden, also die Säfteproduktion im Körper angeregt werden.

Je nachdem, ob Wärme oder Abkühlung für die „gute Verdauung“ nötig waren, wurden dann entsprechende Heil- und Arzneikräuter verabreicht. Traditionell als gemahlenes beziehungsweise klein gemörsertes Pulver, das in die Speisen gerührt wurde, oder in Form von Kräuterweinen oder Kräuterschnäpsen. Die Anwendung in Form eines Tees kannte man im Mittelalter noch nicht. Der Tee als Darreichungsform ist erst seit rund 200 Jahren bekannt.

Der Magen ist im Körper des Menschen so angelegt, dass er alle Speisen aufnimmt und verdaut.[...] Aber wenn manche Menschen einmal bestimmte Speisen im Übermaß zu sich genommen haben, wie rohe und ungekochte und halbgekochte und übermäßig und maßlos fette und schwere oder trockene und gedörrte, dann können manchmal Herz und Leber und Lunge und die sonstige Wärme, die im Menschen ist, kein so großes und kräftiges Feuer dem Magen zur Verfügung stellen, dass diese Speisen gargekocht werden könnten. Deshalb gerinnen sie im Magen und werden hart und schimmlig, so dass sie bewirken, dass der Magen manchmal ziemlich grün oder bläulich oder gar gräulich ist und viel livor, das heißt Schleim, enthält. Und manchmal senden sie schlechte Säfte und schlechte Gerüche wie einen fauligen Misthaufen durch den ganzen Körper und verbreiten überall im Körper einen schlechten Rauch wie angezündete grüne und nasse Hölzer."
Hildegard von Bingen aus “Causae et curae”, Abschnitt 210



Tipps & Rezepte

Süßholzwurzel und Kamille gegen Sodbrennen

Süßholzwurzel
Süßholzwurzel legt sich wie ein Film über die Schleimhaut der Speiseröhre.
Quelle: imago / Westend 61

Bei Sodbrennen haben sich vor allem Süßholzwurzel und Kamille bewährt. Beide wirken in der Speiseröhre entzündungshemmend. Die Süßholzwurzel legt sich zudem wie ein Film über die Schleimhaut der Speiseröhre. Menschen mit Bluthochdruck sollten mit der Süßholzwurzel vorsichtig sein und auf die Einnahme verzichten. Denn sie bewirkt, dass der Blutdruck steigt. Grundsätzlich gilt, dass die empfohlene Tagesdosis von 5 bis 15 Gramm nicht überschritten wird.



Die Alternativen: ein frisch zubereiteter Kamillentee oder Leinsamen-Schleim. Dazu werden Leinsamen mit Wasser vermengt. Der Schleim, der sich dadurch bildet, kann abgeschöpft und über den Tag verteilt, teelöffelweise eingenommen werden. Der Effekt: Der Schleim legt sich wie ein Film auf die Schleimhäute und lindert so die Beschwerden.

Bitterstoffpflanzen und ätherische Öl-Pflanzen bei Völlegefühl

Pfefferminze
Quelle: imago, agefotostock


Auf keinen Fall sollten bei Sodbrennen Bitterstoffpflanzen und ätherische Ölpflanzen eingenommen werden, denn diese fachen die Säureproduktion an. Also Pflanzen wie Pfefferminze, Wermuth, Schafgarbe und Rosmarin. Vor allem die Pfefferminze ist kontraproduktiv bei Sodbrennen. Denn sie sorgt dafür, dass sich der Magenverschluss öffnet. Dadurch kann die Magensäure noch einfacher in die Speiseröhre aufsteigen.


Diese Pflanzen helfen aber bei einem schnell eintretenden Völlegefühl beziehungsweise bei zu wenig Magensäure. Daher kommen übrigens auch die Aperitifs, die aus Bitterstoffen bestehen und vor dem Essen gereicht werden, damit die Verdauung angekurbelt wird. Bitterstoff-Tees sind zudem krampflösend.


Selbst gemachte Plätzchen für die Reiseapotheke

Die Forschergruppe Klostermedizin hat ein altes überliefertes Rezept von Hildegard von Bingen gegen Übelkeit, Erbrechen, Reisekrankheiten und Unwohlsein wiederentdeckt. Die Zubereitung ist einfach.  

Zutaten:
8 g Kümmel (Hauptanteil)
2 g Ingwerwurzel
2 g Bibernelle
2 g Pfefferminze
2 g Süßholzwurzel
Und als Bindemittel 2 TL Flohsamenschalen.

Zubereitung:
Alle Zutaten sind in der Apotheke in getrockneter Form erhältlich. Im Originalrezept verwendet Hildegard von Bingen Pfefferkörner statt Ingwer und ein Eigelb als Bindemittel. Das Wichtige: Die Zutaten sollten kurz frisch mit einem Mörser zerkleinert werden, damit vor allem die ätherischen Öle, die sehr flüchtig sind, nicht so schnell verfliegen. Nachdem alle Zutaten zerkleinert wurden, werden sie zusammen vermengt. Anschließend werden die Flohsamenschalen mit Wasser aufgegossen und verrührt, bis sie einen dickflüssigen Brei ergeben. Dann kommt der Brei als Bindemittel zu den Kräutern. Mit ein bisschen Mehl auf einem Teller werden dann daraus kleine Plätzchen geformt und an der Luft oder bei 30 Grad im Backofen getrocknet.


Die richtige Teezubereitung

Auch bei der Teezubereitung gibt es einiges zu beachten, damit die Heil- und Arzneipflanzen ihre volle Wirkung entfalten und die Wirkstoffe bestmöglich herausgelöst werden. Die Inhaltsstoffe in Bitterstoff-Tees, die sehr gut gegen Völlegefühl und Magenkrämpfe wirken, sind sehr gut wasserlöslich.

Vor allem bei ätherischen Ölpflanzen-Tees wie Pfefferminze, Rosmarin, Melisse oder Wermuth ist die Zubereitung wichtig. Sie sollten zunächst zerkleinert (zerstoßen, gemörsert) werden, egal ob frisch oder getrocknet, dann mit heißen, nicht mehr kochendem Wasser übergossen werden. Wichtig: Die Tasse abdecken und während des Ziehens mehrmals schwenken. Ziehzeit beim Pfefferminztee: circa 10 Minuten. Dadurch lösen sich die ätherischen Öle und ein weiterer Wirkstoff, die Rosmarinsäure (antimikrobiell, entzündungshemmend, antioxidativ, also zellschützend), sehr gut.

Bei ätherischen Ölen gilt also: lange ziehen lassen. Die Ziehzeit des Rosmarin-Tee beträgt sogar 20 Minuten. Anis-Tee dagegen sollte nur ein bis zwei Minuten ziehen. Das Wichtigste: immer abdecken und von Zeit zu Zeit die Tasse bewegen.

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