Herzmuskelentzündung nach Corona-Erkrankung

Das Tückische an der Myokarditis liegt darin, dass sie häufig übersehen wird. Das kann in vielen Fällen gut gehen, aber auch tödlich enden. Eine Covid-19-Infektion kann auch bei mildem Verlauf eine Herzmuskelentzündung nach sich ziehen.

5 min
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23.11.2020
23.11.2020
Video verfügbar bis 23.11.2021

Unter einer Myokarditis wird eine Entzündung des Herzmuskels verstanden, die sich verschiedenartig ausprägen kann. Es wird zwischen einer akuten und einer chronischen Form der Herzmuskelentzündung unterschieden, wobei die akute Myokarditis in eine chronische übergehen kann. Unbehandelt droht langfristig eine Herzinsuffizienz, eine Herzmuskelschwäche.

Myokarditis nach Corona-Infektion

Dass eine Herzmuskelentzündung auch in Folge einer Corona-Infektion auftreten kann, das fanden Wissenschaftler im Rahmen einer Studie heraus. Bei rund drei viertel der untersuchten Corona-Patienten konnten entzündliche Veränderungen am Herzen nachgewiesen werden. Kardiologen des Universitätsklinikums Frankfurt haben dafür das Herz von 100 COVID-19 Patienten, die keine Vorerkrankungen am Herzen hatten, untersucht. Um herauszufinden, ob die Veränderung tatsächlich von dem Virus herrührt, wurden zum Vergleich zudem weitere 100 Nichtinfizierte in die Studie einbezogen.

Die Kontrollgruppe entsprach bezüglich des Alters, den Risikofaktoren und dem Geschlecht, der Zusammensetzung der Corona-Patienten. Die Studie, bei der die Probanden mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) am Herzen untersucht wurden, erfolgte rund 80 Tage nach der bestätigten Infektion. Das Erschreckende am Ergebnis ist, dass die Myokarditis auch noch nach mehreren Wochen und auch nach einem leichten COVID-19 Verlauf, bei überproportional vielen Patienten zu beobachten war.

Ursachen

Eine Myokarditis wird in der Regel durch Viren, seltener durch Bakterien, Parasiten, toxische Substanzen oder Medikamente hervorgerufen. Eine Herzmuskelentzündung wird in seltenen Fällen nach einer Grippeinfektion beobachtet. Seit diesem Jahr ist bekannt, dass eine Herzmuskelentzündung auch nach einer Infektion mit dem Coronavirus auftreten kann. In diesem Zusammenhang werden herzschädigende Autoimmunprozesse, die das Coronavirus auslöst, als Ursache angenommen.

Symptome

Bei einer Herzmuskelentzündung gibt es keine eindeutigen Krankheitszeichen. Die eher diffusen Symptome sind vergleichbar mit denen eines grippalen Infekts. Im weiteren Verlauf kann es zu einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit, Herzrhythmusstörungen, Atemnot oder Brustschmerzen kommen. Bei den schweren Verläufen zeigen sich darüber hinaus Funktionseinschränkungen des Herzens sowie eine Herzinsuffizienz, eine Herzmuskelschwäche.

Diagnose

Eine hohe Aussagekraft bieten Ultraschalluntersuchungen des Herzens. Bei dieser Echokardiographie kann die Pumpleistung des Herzens analysiert werden, die bei einer Myokarditis verringert sein kann. Die besten Anhaltspunkte für krankhafte Vorgänge im Herzmuskel liefert die Magnetresonanztomographie. Bei diesem bildgebenden Verfahren können Kardiologen direkt in den Herzmuskel blicken und Veränderungen wie Flüssigkeitsansammlungen, Entzündungen, Fibrosen, Gewebszerstörungen oder Vernarbungen feststellen.

Bei einer schweren, lang andauernden Myokarditis wird in manchen Fällen zur Sicherung der Diagnose eine Biopsie, die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Herzmuskel (Myokardbiopsie) durchgeführt. Bei diesem Eingriff kann es jedoch zu Komplikationen kommen. Dank der Magnetresonanztomographie ist die Entnahme von Gewebe des Herzmuskels allerdings nur noch in seltenen schweren Fällen erforderlich.

Therapie

Körperliche Schonung, kein Sport, Alkohol- und Nikotinverzicht zählen bei einer Herzmuskelentzündung zu den wichtigsten therapeutischen Maßnahmen. Ist bereits als Folge der Myokarditis die Herzmuskulatur geschwächt und bestehen Anzeichen einer Herzschwäche, werden Medikamente verschrieben, die üblicherweise bei der Therapie einer Herzinsuffizienz eingesetzt werden.

Dazu zählen beispielsweise Medikamenten wie ACE-Hemmer und Betablocker. Zudem werden in spezialisierten Zentren im Rahmen von Studien auch andere Behandlungsverfahren getestet wie zum Beispiel der Einsatz von Steroiden, die Auswirkung auf das Immunsystem haben und die Entzündung auf diese Weise durchbrechen sollen.

Prognose

Etwa die Hälfte der Betroffenen erholt sich vollständig von der Erkrankung. Die andere Hälfte hat mit einer Funktionsstörung des Herzens zu kämpfen. Bei einer schweren chronischen Myokarditis kann es im weiteren Verlauf zu Umbauprozessen und Vernarbungen im Herzmuskel kommen, die irreversibel sein können. Darüber hinaus droht eine Herzinsuffizienz.

Leben in der Pandemie

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