Herzoperation vermeiden

Druckmanschette gegen Herzschwäche

Verbraucher | Volle Kanne - Herzoperation vermeiden

Die neue Behandlungsmethode hilft Herzpatienten mit Herzschwäche eine Operation hinauszuzögern oder zu verhindern. Mithilfe von Luftdruck wird die Durchblutung der Herzkranzgefäße gefördert.

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.06.2017, 10:05

Eine neue Behandlungsmethode hilft Herzpatienten mit "Brustenge" oder Herzschwäche eine Operation hinauszuzögern oder möglicherweise zu verhindern. Mithilfe von Luftdruck wird die Durchblutung der Herzkranzgefäße gefördert.

Das Herz ist das wichtigste Organ unseres Körpers. Es wird von den Herzkranzgefäßen umgeben, die den Herzmuskel mit Blut und Sauerstoff versorgen. Sind sie verengt, hilft manchmal nur eine Operation. Hierbei wird entweder über die Leiste per Herzkatheter eine Gefäßweitung durchgeführt oder eine Gefäßstütze eingesetzt. Oder es muss eine Bypass-Operation durchgeführt werden, bei der das verengte Gefäß mit einem weiteren Gefäß „überbrückt“ wird. Eine Bypass-Operation gehört zu den „hochinvasiven“ Verfahren, bei der der Brustkorb geöffnet wird und in vielen Fällen der Patient an eine Herz-Lungenmaschine angeschlossen wird.

Jetzt gibt es auch in Deutschland ein neues Therapieverfahren, das sogenannte Gegenpulsationsverfahren, das bei bestimmten Arten von Herzerkrankungen eine Operation möglicherweise vermeiden oder zumindest auf Jahre hinauszögern kann.

Wie funktioniert das Gegenpulsationsverfahren?

Druckmanschetten gegen Herzschwäche
Druckmanschette gegen Herzschwäche

Die Therapie wurde 2002 bereits von der US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) in den USA zugelassen. In Deutschland wird sie erst seit einigen Jahren an einigen Herzzentren angewendet, zum Beispiel am Cardio Centrum Berlin oder der Charité.

Der Patient liegt dabei auf einer Liege. Luftdruckmanschetten an Oberschenkel, Waden und Bauch pumpen sich im Herzschlagrhythmus auf. Der Patient ist dabei entspannt. Das Herz drückt das Blut zur Hauptschlagader heraus. Es entsteht eine Druckwelle. Diese Druckwelle fällt dann ab. In dieser abfallenden Kurve holt sich der Herzmuskel das Blut über die Kranzgefäße, das heißt in dieser Phase wird der Herzmuskel mit Blut und mit Sauerstoff versorgt. Deshalb werden genau in dieser Phase die Manschetten zusammengedrückt. Eine zweite Druckwelle entsteht, so dass das Blut vermehrt in die Kranzgefäße hineingedrückt wird.

Welchen Effekt hat die Therapie?

Diese pulssynchronen Druckwellen sorgen für eine bessere Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Herzens. Die Herzarbeit wird dadurch erleichtert. Außerdem wird die Gefäßneubildung durch den Reiz der Druckwellen angeregt. Kleine Äderchen können sich bilden, die gegebenenfalls verengte kleinere Gefäße ersetzen, bzw. entlasten können. Dadurch wird der Herzmuskel wieder gekräftigt. Die meisten Patienten fühlen sich schon nach der Hälfte der Anwendungen deutlich besser.

Die Therapie hat einen langfristigen Effekt von drei bis fünf Jahren und kann wiederholt werden. Ärzte empfehlen 35 Therapiestunden über sieben Wochen. Die Therapie wird angewendet bei Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen oder bei Patienten, die eine Herzmuskelschwäche aufweisen. Meist betrifft es ältere Patienten, da diese Erkrankung in der Regel erst im höheren Lebensalter auftritt.

Was sind die Ausschlusskriterien?

Die Therapie darf nicht angewendet werden, wenn Patienten ganz bestimmte Rhythmusstörungen haben, wenn die Bauchaorta Aussackungen, Aufweitungen aufweist oder wenn der Patient unter einer Verschluss-Krankheit der Beine leidet.

In den USA ist diese Methode viel weiter verbreitet. Es sollen 1600 Geräte im Einsatz sein. Teilweise wird diese Therapie auch in Fitness-Studios als Anti-Aging-Methode angepriesen. Deutsche Kardiologen raten extrem davon ab. Wenn bei Risikopatienten die Therapie zum Einsatz käme, wäre das lebensgefährlich.

Kann das Gegenpulsationsverfahren Herzoperationen vermeiden?

Kardiologen des Cardio Centrums Berlin sind der Meinung, dass in bestimmten Fällen Herzoperationen tatsächlich vermieden werden können. Es komme entscheidend auf die Konstellation an, wo das Herzkranzgefäß verengt sei. Ist es dort verengt, wo das Blut anfängt loszufließen, um dann zum Muskel zu kommen oder sind es die allerkleinsten Gefäße? Wenn die allerkleinsten Gefäße betroffen sind, habe die Methode ihre Stärken und dann könnten auch Herzoperationen vermieden werden. Eine Anwendung kostet circa 100 Euro. Gesetzliche Kassen übernehmen die Behandlung in der Regel noch nicht.

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