Fotos von der Unfallstelle

Helfen härtere Strafen gegen Gaffer?

Verbraucher | Volle Kanne - Fotos von der Unfallstelle

Bei Unfällen gibt es zunehmend Probleme mit Gaffern, die Rettungskräfte und Opfer behindern und belästigen.

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.05.2017, 14:00

Sie behindern Rettungskräfte, filmen Opfer und sind oft sogar verantwortlich für weitere Auffahrunfälle. Polizei und Rettungskräfte sind entnervt. Auch die Politik will nun härter durchgreifen: Gaffer sollen künftig mit bis zu einem Jahr Haft bestraft werden. Das hat der Bundesrat in der vergangenen Woche diskutiert.

Nicht jeder, der ein paar Sekunden hinschaut, ist ein Gaffer. Doch Filmen, Fotos machen und ins Netz stellen – das geht vielen zu weit. Manch ein Unfallopfer ist schneller auf YouTube als auf dem OP-Tisch. Es ist sogar schon vorgekommen, dass Eltern den tödlichen Unfall ihres Kindes auf Facebook gesehen haben, bevor die Polizei bei ihnen eintraf.

Erlebtes in den sozialen Medien verbreiten – auf Kosten der Opfer: Das ist trauriger Alltag, wenn es zu Unfällen kommt. Will man sie abhalten, reagieren die Gaffer und Filmer oft uneinsichtig. Vielerorts müssen die Retter sich erst eine Gasse durch die Schaulustigen bahnen, sie verlieren so wertvolle Zeit. Mancherorts werden sogar Diensthunde eingesetzt, um die Gaffer im Zaum zu halten. Szenen, die Polizisten, Notärzte und Feuerwehrleute wütend machen, wie Gundolf de Riese-Meyer, Leiter des Verkehrskommissariats Düsseldorf weiß: „Die Rettungskräfte kämpfen um das Leben der Menschen, spenden Trost, halten Sterbende in den Armen. Stumpfes Hochhalten der Smartphones macht da wütend.“

Fall in Hagen sorgte für Aufsehen

Fälle gab es in der letzten Zeit zuhauf. Als Mitte April hunderte Gaffer in Hagen die Feuerwehr bei der Rettung eines schwer verletzten zehnjährigen Mädchens behinderten, stellten Polizisten die Gaffer bei Facebook und Twitter an den Pranger: "Schämt Euch, Ihr Gaffer", war dort zu lesen und weiter: "Polizisten in der Absperrung habt ihr gefragt, ob sie mal an die Seite gehen können, damit ihr besser filmen könnt. Unfassbar!" Die Schaulustigen hätten sogar über die weißen Tücher geschaut, die die Feuerwehr zum Schutz des Mädchens aufgespannt hatte. In den sozialen Medien bekam die Polizei überwiegend positive Rückmeldung für ihren Appell.

Schärfere Gesetze gegen Gaffen

Die Politik versucht den Gaffern mit einem schärferen Gesetz beizukommen. Niedersachsen, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern haben dazu in der letzten Woche eine Initiative in den Bundesrat eingebracht. Das Behindern von Rettungskräften sowie das Aufnehmen von Unfallopfern soll mit Geld- und Haftstrafen bis zu einem Jahr geahndet werden. Außerdem sollen Polizisten die Möglichkeit haben, Schaulustigen die Handys wegzunehmen.

Gaffer mit Smartphone
Gaffer mit Smartphones

Die Polizei ist jedoch skeptisch, ob sich Gaffer von schärferen Gesetzen abhalten lassen – wie auch Gundolf de Riese-Meyer bekräftigt: „Vieles ist schon unter Strafe gestellt. Manchmal fehlen aber auch Kräfte für solche Aufgaben.“ Er appelliert eher an das moralische Bewusstsein: „Meine persönliche Meinung ist, dass wir als Gesellschaft mehr bewirken können: Moral, Anstand, Respekt. Lasst nicht das Niveau der Realityshows zum Standard werden.“

Privatpersonen, die etwas gegen Gaffer unternehmen möchten, rät er: „Ansprechen kann helfen. Selber weiter gehen hilft auch. Es ist ein Massenphänomen: Der Einzelne begründet sein Verhalten mit dem Verhalten der anderen.“

Umsichtiges Verhalten am Unfallort

Gundolf de Riese-Meyer erklärt wie man sich am Unfallort richtig verhält: „Hinschauen, Unfallstelle absichern, 110 oder 112 anrufen, Erste Hilfe leisten, Rettungswege freimachen und freihalten, sich als Zeuge zur Verfügung stellen.“

So bildet man eine Rettungsgasse:
- bei einspuriger Fahrbahn: rechts ranfahren
- bei zweispuriger: die Rechten nach rechts und die Linken nach links fahren
- dreispurig: wie zweispurig, die mittlere Spur fährt ebenfalls nach rechts
Wichtig: Die Rettungsgasse nach dem ersten Einsatzfahrzeug nicht wieder schließen, da häufig weitere Fahrzeuge folgen, zum Beispiel der Abschleppwagen, ohne den der Stau sich nicht auflöst. Der Standstreifen ist tabu – auch für Motorradfahrer.

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