Frühe Hörschäden

Ursachen und Vorbeugung

Verbraucher | Volle Kanne - Frühe Hörschäden

Beim Gang durch die Fußgängerzone sieht man, dass viele junge Leute Kopfhörer im Ohr haben – Dauerberieselung, die durch Baustellen- und Verkehrslärm nicht vermindert wird. Die Folgen: Immer mehr junge Menschen mit irreparablen Hörschäden.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 01.09.2018, 09:05

Erzherzog Franz Karl, der Vater des österreichischen Kaisers Franz Josef, soll sich in späteren Lebensjahren schwerhörig gestellt haben, um seine Ruhe vor seiner intriganten Umwelt zu haben. Bei dem älteren Herrn wirkte der Mangel an Gehör auch im 19. Jahrhundert schon durchaus glaubwürdig. Denn ab einem Alter von 40 Jahren verliert das menschliche Gehör nach und nach seine Fähigkeiten, so Dr. John Martin Hempel vom Klinikum München-Großhadern. In unseren lärmgeplagten Zeiten jedoch kann das Gehör schon früher anfangen nachzulassen.

Gefährliche Lautstärke

Menschen mit Kopfhörern auf den Ohren oder im Ohr gehören mittlerweile zum Straßenbild. Seit mp3-Player oder Smartphones die Rund-um-die-Uhr-Beschallung mit Musik möglich machen, erfreuen sich gerade junge Leute gern an der Möglichkeit, Umweltgeräusche mit Musik auszublenden. Aber: Geräusche mit Geräuschen übertönen zu wollen, heißt den Teufel mit dem Beelzebub austreiben zu wollen.

Auch wenn die Schmerzgrenze bei Geräuschen erst bei 130 Dezibel liegt, beginnt die kritische Grenze für das Gehör bereits bei einem Schalldruck von 80 Dezibel. Ist ein Arbeitnehmer an seinem Arbeitsplatz dieser Lautstärke andauernd ausgesetzt, schreibt die EU Schallschutz-Maßnahmen, also Ohrenschützer, vor.

So entstehen Hörschäden

Manche Smartphones haben eine Lautstärkeanzeige für angeschlossene Kopfhörer. Diese sollte man beobachten. Denn wer regelmäßig über mehrere Stunden laute Musik hört, gefährdet sein Gehör. Dabei ist es irrelevant, ob man Jazz, Klassik oder Heavy Metal auf das Ohr prasseln lässt – entscheidend ist einzig die Lautstärke.

Mehr Lautstärke bedeutet mehr Schalldruck und größerer Druck auf die Sinneshärchen. Das ist vergleichbar mit Wind, dem sich ein junger Baum in den Weg stellt. Der Baum und seine Äste werden vom Wind gebeugt, richten sich aber wieder auf. Ist der Wind zu stark, knicken die Äste und sind verloren. Ist eine Sinneszelle geknickt, verliert sie ihre Funktion und kann die Tonhöhe, die sie erfassen soll, nicht mehr wahrnehmen und ans Gehirn weiterleiten. Dieser Funktionsverlust ist endgültig. Man spricht von einer Hochtonschwerhörigkeit. Abhilfe schaffen kann dann nur noch ein Hörgerät, das jedoch auch bei höchster Qualität nicht das vollständige Hörerlebnis wiederbringt.

Warnzeichen für eine Hörschädigung

Warnzeichen für eine Hörschädigung sind Ohrgeräusche, zum Beispiel nach Disco- oder Konzertbesuchen, lautem Musikhören mit Kopfhörern oder bei starker Schalleinwirkung durch Straßenlärm. Treten die Ohrgeräusche häufiger auf, ist ein Besuch beim HNO-Arzt dringend anzuraten – und zwar ohne viel Zeit zu verlieren.

Der Verlust von Hörvermögen ist ein schleichender Prozess, von dem Betroffene zunächst nichts bemerken. Sie neigen wohl dazu, sich über die schlechte Aussprache seiner Mitmenschen zu wundern, stellen den Fernseher oder das Radio lauter und werden in der Regel erst von Familienmitgliedern auf das stetig nachlassende Hörvermögen angesprochen, so Dr. John Martin Hempel. Gehörverlust bedeutet neben dem Verlust eines Sinnesorgans auch den Verlust von sozialen Fähigkeiten – und das ist mindestens so schmerzhaft für den Betroffenen.

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