Leben mit Zöliakie

Hoffnung für Betroffene

Verbraucher | Volle Kanne - Leben mit Zöliakie

An der Glutenunverträglichkeit leiden etwa 800.000 Deutsche. Unerkannt kann eine Zöliakie gefährlich werden. Zöliakie-Kranke müssen sich strikt an bestimmte Ernährungsregeln halten.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.05.2017, 10:05

Zöliakie ist die schwerste Form der Glutenunverträglichkeit. Etwa 800.000 Deutsche leiden an Zöliakie, die Dunkelziffer ist hoch. Ein mittlerweile einfacher Bluttest und eine Darmspiegelung können die Diagnose bringen. Unerkannt kann eine Zöliakie gefährlich werden.

Gluten ist das Klebereiweiß in Getreidesorten wie Weizen, Gerste, Dinkel, Roggen und Hafer. Gelangt bei den Betroffenen das Gluten in den Dünndarm, aktiviert es das Immunsystem und die Darmschleimhaut entzündet sich. Das hat zur Folge, dass die Nahrung nicht mehr ausreichend verwertet werden kann, ein Energie- und Nährstoffmangel ist die Folge. Die Symptome sind ganz unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt Zöliakie-Kranke, die lange nichts merken. Andere fühlen sich matt, abgeschlagen, klagen nach vielen Mahlzeiten über Bauchschmerzen, Verdauungsproblemen oder Übelkeit.

Wichtig: Oft wird Zöliakie mit dem Begriff „Gluten-Allergie“ gleich gesetzt. Das ist falsch. Es gibt einige Menschen, die tatsächlich allergisch auf Weizen reagieren. Das zeigt sich in typischen Symptomen, wie Hautausschlägen oder Atemnot. Und es gibt viele Menschen, die sich nach dem Verzehr von Weizen und anderen Getreideprodukten unwohl fühlen. Hier spricht man dann von Weizen- oder Glutensensitivität. Was genau diese Beschwerden verursacht, ist noch nicht klar.

Wieso ist Zöliakie so gefährlich?

Unerkannt kann eine Zöliakie gefährlich werden. „Es gibt Patienten, die lange Zeit eine unerkannte Zöliakie mit relativ geringen Beschwerden haben,“ erklärt Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan, einer der weltweit führenden Zöliakie-Forscher aus der Uniklinik in Mainz. „Bei diesen Menschen wird dann im Alter von 40 oder 50 Jahren die Zöliakie erstmalig diagnostiziert. Diese Patienten haben, weil sie eben immer leichte Entzündungen im Körper hatten, ein erhöhtes Risiko, auch Krebserkrankungen des Darmes zu entwickeln. Zudem wissen wir, dass chronische Entzündungen des Darmbereichs auch entzündliche Prozesse in anderen Organen beeinflussen können.“

Eine unentdeckte Zöliakie kann auch andere Autoimmunerkrankungen auslösen oder verstärken. Wie etwa eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse, Multiple Sklerose oder die Auto-Immun-Hepatitis. Auch Diabetes Typ 1 kann mit einer unbehandelten Zöliakie in Verbindung gebracht werden. Halten sich Zöliakie-Kranke aber an die Ernährungsregeln, haben sie im Vergleich zu Gesunden kein größeres Risiko diese Krankheiten zu bekommen.

Hoffnung aus der Medizin

Zöliakie gilt als nicht heilbar, doch es gibt Hoffnung: Wissenschaftler in Boston arbeiten gerade an einer Impfung, ähnlich wie bei einer Hyposensibilisierung bei einer Allergie. Das soll dazu führen, dass die Patienten keine entzündliche Darmreaktion gegen Gluten mehr entwickeln. „Das ist alles ein wenig spekulativ, aber die Studien laufen und wir sind alle gespannt, ob das funktioniert. Dann könnte es sein, dass die Patienten wieder eine Toleranz wie die Normalperson gegen Gluten aus der Nahrung entwickeln,“ erklärt Professor Schuppan.

Noch näher an der Realität ist eine Pille, an der Professor Schuppan und sein Team gerade arbeiten. „Das ist eine Pille, die die Patienten nehmen müssen, zwei- dreimal am Tag, die den Darm imprägniert und schützt, so dass das Gluten nicht mehr die Immunzellen aktivieren kann. Ein anderer spannender Ansatz ist die Entwicklung eines Enzymcocktails, den Patienten zu jeder Nahrung zu sich nehmen müssen und dieser Enzymcocktail führt dann dazu, dass die Glutenreste in der Nahrung zerstört werden, dass sie abgebaut werden, dass sie das Immunsystem nicht mehr erkennt.“

In Zukunft könnten also Zöliakie-Kranke ein wenig entspannter leben und müssten nicht mehr akribisch auf jeden Krümel achten. Prof. Schuppan kennt die Sorgen der Betroffenen: „Brot, Pizza, Nudeln können leicht ersetzt werden, problematisch sind kleinste Mengen. Davor haben Patienten bei jeder Mahlzeit Angst.“

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