Gefährlicher Hundebiss

Tierkeime können Haut und Knochen infizieren

Verbraucher | Volle Kanne - Gefährlicher Hundebiss

Bei den meisten Beißunfällen mit Haustieren sind die Hände betroffen. So auch bei Martina Röhreke. 20 Operationen wurden durchgeführt. Die Methode mit der Leistenlappenplastik ist ihre Rettung.

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5 min
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Video verfügbar bis 07.06.2017, 10:05

In Deutschland gibt es jährlich 30.000 bis 50.000 Bissverletzungen. Weit mehr als die Hälfte wird von Hunden verursacht. Bisswunden werden häufig unterschätzt. Wenn Katzen oder Hunde zubeißen, können gefährliche Wunden entstehen. Der Speichel der Tiere enthält eine Vielzahl von Keimen und Bakterien. Gelangen diese in das menschliche Gewebe, können die Wunden eitern und sich Infektionen im Körper ausbreiten.

In Deutschland werden Bisswunden am häufigsten durch Hunde, gefolgt von Katzen oder anderen Menschen verursacht - seltener durch Wildtiere wie zum Beispiel Schlangen. Je nach Größe des Tieres kann die Verletzung klein, aber auch groß sein. Manche Bisse gehen bis auf den Knochen und in ein Gelenk. Bei den meisten Beißunfällen mit Haustieren sind die Hände betroffen. Hier sind Muskulatur und Fettschicht so dünn, dass fast immer Gelenke, Bänder oder die Knochenhaut mit den gefährlichen Tierkeimen infiziert werden.

Bisswunde versorgen

Eine Bisswunde sollte sofort mit sterilen Kompressen abgedeckt werden. Blutet die Wunde stark, hilft ein Druckverband. Legen Sie dazu mehrere sterile Kompressen auf die Wunde und wickeln sie eine Mullbinde mehrfach straff um Wunde und Kompressen – aber nur so fest, dass das Gewebe noch durchblutet wird. Bei Bisswunden sollte sicherheitshalber immer ein Arzt aufgesucht werden. Von außen lässt sich meist nicht beurteilen, wie ausgeprägt die Wunde ist.

Wundreinigung und Desinfektion

Beim Arzt oder in der Klinik werden Bisswunden zunächst mit steriler Kochsalzlösung gereinigt, um möglichst viele Keime auszuspülen. Im Zweifelsfall wird abgestorbenes Gewebe entfernt. Nach ein bis zwei Tagen wird die Wunde kontrolliert. Sobald man sieht, dass die Entzündung fortschreitet, muss man sie wieder spülen und gegebenenfalls erneut Gewebe entfernen.

Bisswunden, die älter als sechs Stunden sind, werden in der Regel nicht zugenäht, weil sonst eine ausgedehnte Infektion entstehen kann. Die Verletzungen werden mit interaktiven Wundauflagen feucht gehalten, damit sie schneller heilen können.

Tollwut und Tetanus

Menschen, die von einem Tier gebissen werden, können sich mit dem Tollwutvirus (Rabies) infizieren, das zu einer Entzündung des Gehirns führen kann (Enzephalitis). Träger des Virus können Füchse, Marder, Dachse, Rehe, Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde, Hunde und Katzen sein.

Wer den Verdacht hat, dass das Tier, das ihn gebissen hat, Tollwut haben könnte, sollte dies sofort dem Arzt mitteilen. Es gibt zwar keine Therapie gegen Tollwut, jedoch eine Impfung, die auch nach einem Biss noch vor der Krankheit schützen kann.

Auch Tetanusbakterien, die Erreger des Wundstarrkrampfes, können durch Tierbisse in die Blutbahn gelangen. Wer nach einem Tierbiss nicht genau weiß, wie lange die letzte Tetanusimpfung her ist, sollte sie sicherheitshalber sofort auffrischen.

Hauttransplantationen bei Bissverletzungen

Sind durch Bissverletzungen der Hand größere Hautareale beschädigt oder nach Infektionen abgestorben, wird in der Regel gesunde Haut aus anderen Körperregionen wie von Po, Beinen oder Rücken transplantiert. Sollte die Haut nicht anwachsen, kommt in der Handchirurgie die sogenannte Leistenlappenplastik in Frage.

Bei der Leistenlappenplastik wird ein Hautlappen aus der Leiste so heraus gelöst, dass er weiter durchblutet bleibt. Dieser „gestielte Lappen“ wird anschließend auf die Wunde der Hand aufgebracht. Die Hand wird dabei für etwa drei Wochen am Körper fixiert, bis das Hautareal angewachsen bzw. eingeheilt ist. Das Hautareal um den herausgelösten Leistenlappen kann durch die große Verschieblichkeit des Gewebes in diesem Bereich sofort verschlossen werden. Obwohl die Operation eine große psychische Belastung für die Patienten darstellt, sind die Behandlungsergebnisse bei diesem Verfahren sehr positiv.

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