Das bin nicht ich!

Wie Betrüger im Netz Identitäten missbrauchen

Verbraucher | Volle Kanne - Das bin nicht ich!

Profile werden kopiert, E-Mail-Accounts geknackt - die persönlichen Daten nutzen Betrüger, um fremde Online-Identitäten anzunehmen. ZDF-Journalist Stephan Mündges erklärt, wie man sich schützen kann.

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.02.2017, 09:45

Sie kopieren Facebook-Profile und bringen Menschen mit wilden Postings in Verruf. Sie kaufen mit gestohlenen Identitäten ein und lassen ihre Opfer auf den Kosten sitzen. Sie kapern E-Mail-Accounts und geben sich als bedürftiger Freund aus. Betrüger und Kriminelle klauen massenhaft Daten um fremde Online-Identitäten annehmen zu können. Die Opfer sind meist ahnungslos – bis es zu spät ist.


Wie häufig Identitäten im Internet kopiert, gestohlen und missbraucht werden, ist schwierig zu sagen. Eine aussagekräftige Statistik dazu gibt es nicht, vor allem weil unterschiedlichste Delikte in die Kategorie „Identitätsmissbrauch“ eingeordnet werden könnten. Es gibt aber sehr eindeutige Hinweise, dass es sich dabei um ein weitverbreitetes Phänomen handelt: Laut BKA wurden 2014 wurden knapp 22.000 Straftaten registriert, die in den Bereich Identitätsmissbrauch fallen. Aber: Die Polizei geht davon aus, dass 91 Prozent aller verübten Straftaten in diesem Bereich gar nicht angezeigt werden. Heißt: die Dunkelziffer ist enorm! Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung deutet in die gleiche Richtung: Demnach gab es 2014 rund 12,3 Millionen Fälle von „Phishing, Identitätsbetrug und Angriffe mittels Schadsoftware“. Außerdem haben in einer Umfrage 17 Prozent der befragten 16- bis 19-Jährigen berichtet, dass es von Ihnen schon mal gefälschte Profile im Netz gegeben habe.

Daten schützen!

Fakt ist: Für den Identitätsdiebstahl brauchen Betrüger personenbezogene Daten. Schon aus Vor- und Nachname, Geburtsdatum und Beruf lassen sich Profile basteln. Fotos sind von den meisten Menschen im Netz zu finden und lassen sich leicht kopieren. Aber auch auf Bankdaten, Telefonnummern und Passwörter haben es Betrüger abgesehen. Die entsprechenden Daten besorgen sie sich auf unterschiedlichste Weise: Vor- und Nachname sowie das Geburtsdatum und der Job – diese Information sind im Netz sehr leicht herauszufinden. Aber auch über Phishing-Mails und Schadprogramme verschaffen sich Betrüger Zugang zu Accounts und Profilen, die sie dann nutzen oder kopieren können.

Sehr problematisch für Nutzer sind große Hacks, bei denen die Netzwerke von Unternehmen geknackt und ganze Datenbanken kopiert werden. Denn als Nutzer hat man keine Chance die Sicherheitsvorkehrungen von Unternehmen zu beeinflussen und man kann nicht immer sicher sein, dass bei einem Datenklau im großen Stil auch der eigene Account betroffen ist. Hundertprozentig kann niemand die eigenen Daten schützen. Aber man kann die eigene Sicherheit erhöhen – vor allem, indem man ein gesundes Misstrauen entwickelt.

Auf Datenmissbrauch reagieren

Häufig wird der fremde Missbrauch der eigenen Online-Identität erst bemerkt, wenn es zu spät ist; zum Beispiel, weil Mahnungen von Inkassounternehmen ins Haus flattern oder Freunde seltsame E-Mails vom Account zugeschickt kriegen. Identitätsdiebstahl ist eben nur sehr schwer zu erkennen. Ein kleines Warnsystem ist der Google-Alert für den eigenen Namen. Ist der eingestellt, erhalten Nutzer automatisch eine Benachrichtigungsmail, wenn ein neues Suchergebnis zum eigenen Namen gefunden wird. Wer befürchtet Opfer eines Warenkreditbetrugs zu sein, kann bei Schufa & Co. einmal im Jahr eine kostenlose Selbstauskunft beantragen. Tauchen in der Selbstauskunft tatsächlich Einträge auf, die man sich nicht erklären kann, heißt es tätig zu werden. Falsche Einträge kann man den Auskunfteien übrigens melden – sie sind dann verpflichtet, diese zu löschen.

Facebook Screenshot "Melden"
Gefälschte Profile sollten sofort gemeldet werden.

Wer bemerkt, dass die eigene Identität kopiert wurde, sollte reagieren. Wie, das hängt davon ab, was Betrüger mit der gestohlenen Identität gemacht haben. In jedem Fall sollten Opfer Beweise sichern, das heißt Screenshots machen und (falls welche kommen) Briefe aufbewahren. Wurde beispielsweise ein gefälschtes Profil in einem sozialen Netzwerk angelegt, sollte man das sofort melden. Auf Facebook geht das über die drei Punkte, die sich rechts unten im Titelbild auf einer Profilseite befinden (siehe Foto). Besteht die Befürchtung, dass Accounts missbraucht wurden: Passwörter ändern! Nicht nur von direkt betroffenen Accounts, auch vorsichtshalber die Passwörter anderer Accounts ändern. Auch Freunde, Bekannte und Familie sollten informiert werden. Häufig ist das den Betroffenen unangenehm – es kann aber Ärger ersparen. Je nach Gemengelage sollten auch die Polizei und ein Anwalt hinzugezogen werden.

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