Ihr Recht bei Überstunden

Wann muss man sie leisten, wie baut man sie ab?

Verbraucher | Volle Kanne - Ihr Recht bei Überstunden

Überstunden gehören für Millionen Menschen zum Arbeitsalltag. Die Regelungen sind kompliziert und oft gibt es deshalb Streit mit dem Chef. Rechtsanwalt Christoph Burgmer erklärt die Details.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 15.12.2016, 09:43

Überstunden gehören in Deutschland zum Arbeitsalltag. Laut einer Studie der Bundesagentur für Arbeit machen Arbeitnehmer in Deutschland fast neun Überstunden im Monat. Im Jahr sind das rund 108 Überstunden. Aber: Was darf der Chef tatsächlich verlangen?

Was als Überstunde zählt, ist klar definiert: die Überschreitung der für den Arbeitnehmer geltenden regelmäßigen Arbeitszeit. Das heißt: Überstunden leistet der Arbeitnehmer, wenn er über die für ihn geltende Arbeitszeit hinaus arbeitet. Die Arbeitszeit eines Arbeitnehmers ist in der Regel in einem Tarif- oder Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung festgehalten.

Wann muss man Überstunden machen?

Grundsätzlich gilt: Überstunden müssen nur dann geleistet werden, wenn diese in einem Arbeits- oder Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung schriftlich vereinbart worden sind. Besteht keine ausdrückliche Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, muss der Arbeitnehmer keine Überstunden leisten. Das heißt, er muss nicht länger als die vertraglich vereinbarte Zeit arbeiten. Der Arbeitgeber ist nicht allein aufgrund seines Weisungsrechts berechtigt, Überstunden anzuordnen.

Doch es gibt Ausnahmen: In Not- oder Katastrophenfällen, wie beispielsweise Brand, Überschwemmung oder Hochwasser, können Arbeitnehmer zu Überstunden verpflichtet werden. Achtung: Kapazitätsengpässe oder vermehrt anfallende Arbeit gelten nicht als Notfälle und reichen als Begründung nicht aus. Oft enthalten Tarifverträge Regelungen darüber, wann der Arbeitgeber wie viele Überstunden vom Arbeitnehmer verlangen darf. Wichtig: In Ihrem Arbeitsvertrag sollte genau festgelegt sein, wie viele Überstunden Ihr Chef höchstens anordnen darf.

Gibt es eine Höchstgrenze für Überstunden?

Zeitliche Grenzen für Überstunden ergeben sich aus dem Arbeitszeitgesetz. Dort sind Höchstgrenzen für die Arbeitszeit festgelegt. Demnach darf die Arbeitszeit eines Arbeitnehmers auf bis zu zehn Stunden (in Ausnahmefällen sogar auf zwölf Stunden) verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Monaten im Durchschnitt acht Stunden täglich nicht überschritten werden, das heißt, wenn der Arbeitnehmer innerhalb der nächsten sechs Monate einen Freizeitausgleich bekommt und auch mal früher gehen kann. Im Durchschnitt dürfen acht Stunden Arbeitszeit nicht überschritten werden.

Arbeitnehmer können Überstunden ablehnen, wenn sie mehr als zehn Stunden am Tag arbeiten sollen, dafür aber innerhalb der folgenden sechs Monate nach Rücksprache mit dem Vorgesetzten keinen Ausgleich erhalten können. In einigen Tarifverträgen kann die Arbeitszeit auch über zehn Stunden hinaus verlängert werden, wenn zum Beispiel ein Teil der Arbeit sogenannte Arbeitsbereitschaft ist. Das betrifft vor allem diejenigen, die eine Rufbereitschaft haben, wie beispielsweise Ärzte.

Überstunden genau protokollieren

Grundsätzlich ist es ratsam, dass Arbeitnehmer ganz genau protokollieren, wann und wie viele Überstunden sie geleistet haben und welche Arbeit verrichtet wurde. Das sollten Arbeitnehmer dann von ihren Vorgesetzten abzeichnen lassen. Denn im Streitfall trägt der Arbeitnehmer die Beweislast. Er muss belegen, dass der Arbeitgeber die Überstunden angeordnet oder sie geduldet hat. Kann der Arbeitnehmer das nicht, könnte er vor Gericht scheitern.

Arbeitnehmer sollten ihren Chef schon vorher darüber informieren, dass sie Überstunden leisten werden, ebenso im Nachgang der geleisteten Überstunden. Dazu reicht eine E-Mail aus. Werden Überstunden zu einem dauerhaften Zustand oder Sie erhalten keinen Ausgleich, sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Chef suchen. Ist der Konflikt nicht zu lösen, wenden Sie sich an Ihren Betriebsrat oder einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.

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