Ihr Recht bei Reisemängeln

Wenn der Urlaub ein Reinfall ist

Verbraucher | Volle Kanne - Ihr Recht bei Reisemängeln

Mängel im Hotel, mieses Essen oder ein verspäteter Flug – der Sommerurlaub verläuft nicht immer erholsam. Doch wie kann man vor Ort reagieren und wie reklamiert man richtig nach der Rückkehr?

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.06.2018, 09:05

Auf einer Pauschalreise liegt ein Reisemangel vor, wenn die versprochenen Leistungen nicht erfüllt werden oder unzumutbare Zustände herrschen. Fehlt beispielsweise der zugesagte Pool, die Klimaanlage oder die Minibar auf dem Zimmer, so fehlt eine sogenannte „zugesagte Eigenschaft“, also etwas, das im Katalog versprochen wurde. Somit handelt es sich um einen Reisemangel. Dies ist auch der Fall, wenn es im Zimmer vor Kakerlaken wimmelt, die sanitären Anlagen verdreckt und nicht benutzbar sind oder großer Lärm herrscht (zum Beispiel aufgrund einer Baustelle), der die Erholung unmöglich macht.

Handelt es sich bei einer Beeinträchtigung lediglich um eine sogenannte „hinzunehmende Unannehmlichkeit“, so liegt kein Reisemangel vor. Reist man im Urlaub in südliche Länder, müssen Hotelgäste aufgrund der Bauweise mit einer gewissen Hellhörigkeit der Zimmer rechnen. Auch hoteleigener Lärm, wie Musik während des Animations- oder Abend-Programms ist legitim, solange auf diesen hingewiesen wurde und er nicht weit über Mitternacht hinaus andauert. Ebenso zählen schlechtes Benehmen der Mitreisenden (etwa Badelatschen beim Abendessen, großzügiger Alkoholgenuss oder klingelnde Handys) oder Kindergeschrei als „hinzunehmende Unannehmlichkeiten“.

Wie reklamieren Sie richtig?                                 

Urlaub am Mittelmeer
Ein Urlaub könnte so schön sein...

Es ist unerlässlich, Reklamationen direkt und sofort gegenüber der Reiseleitung am Urlaubsort vorzubringen. Nur so hat der Reiseveranstalter die Möglichkeit, nachzubessern. Rechtsanwalt Kay P. Rodegra: „Wer nur an der Rezeption eine Beschwerde vorträgt, kann hinterher keine Minderung fordern.“ Eine Mängelrüge allein beim Hotelpersonal reicht also nicht. Der Reiseveranstalter kann die Mängel beseitigen, oder Ihnen ein Ersatzangebot machen. Dieses Angebot müssen Sie nur annehmen, wenn es zumutbar ist. Wird aufgrund von Reisemängeln ein Hotelumzug angeboten, hat diese Abhilfemaßnahme kostenfrei zu erfolgen. Wird der von Ihnen angezeigte Mangel dagegen nicht beseitigt, können Sie, wenn Sie dem Reiseveranstalter eine Frist zur Abhilfe gesetzt haben, und diese Frist erfolglos verstrichen ist, Selbstabhilfe vornehmen. In Extremfällen, in denen die Reise erheblich beeinträchtigt ist und der Reiseveranstalter untätig bleibt, kann der Reisevertrag aufgrund der Mängel gekündigt werden.

Wichtig ist es, Beweise zu erstellen: Dazu dienen Fotos, Filme und ein Reklamationsprotokoll.  Nur mit dem Nachweis der Reisemängel kann man nach der Reise erfolgreich eine Entschädigung fordern. Sollte die Reiseleitung vor Ort nicht erreichbar sein, sollte der Reiseveranstalter unter Zeugen in Deutschland angerufen werden.

Anspruch auf Schadenersatz

Liegt ein Mangel vor, kann der Preis gemindert werden. Hilfreich sind Minderungstabellen, die man im Internet findet, wie die „ADAC Reisepreisminderungstabelle“ oder für Mängel bei Kreuzfahrten die „Würzburger Tabelle“.

Wenn das Hotel beispielsweise noch eine Baustelle ist oder das gebuchte Hotel gar nicht zur Verfügung steht, kann der Reisevertrag gekündigt und die Reise abgebrochen werden – sofern der Reiseveranstalter auf eine Reklamation trotz Aufforderung nicht mit einer Abhilfemaßnahme reagiert. Dann bekomme man seinen Reisepreis vollständig zurück, so der Rechtsanwalt. Sind schwere Mängel vorhanden oder fällt die Reise aus, hat man neben der Rückzahlung des Reisepreises auch noch ein Recht auf Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreude.

Reklamationsfristen sind zu beachten

Bei Minderungs- und Schadensersatzforderungen nach der Reise sind einige Formalien zu beachten. Ansprüche müssen spätestens einen Monat nach vertraglichem Ende der Reise beim Reiseveranstalter angemeldet werden. Dazu müssen die Mängel genau beschrieben und eine Forderung gestellt werden. Diesen Brief sollten Sie per Einschreiben mit Rückschein losschicken, damit man im Zweifelsfall einen Beweis für das Einhalten der Ein-Monats-Frist hat. Wieviel Geld man zurückbekommt, lässt sich pauschal nicht festmachen. Für diverse Mängel gibt es Richttabellen, die allerdings nicht bindend sind. „Es zählt immer der Einzelfall sowie die Anzahl, Schwere und Dauer der Mängel.“, so der Experte Kay P. Rodegra.

Was mache ich...

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.