Ihr Recht bei Reisemängeln

Wenn der Urlaub ein Reinfall war

Verbraucher | Volle Kanne - Ihr Recht bei Reisemängeln

Es sollen die schönsten Wochen des Jahres sein - doch manchmal ist der Urlaub ein echter Reinfall. Wie Sie Mängel reklamieren und ob Sie möglicherweise Schadensersatz bekommen, erklärt Kay P. Rodegra.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.06.2017, 14:00

Mängel im Hotel, mieses Essen oder ein verspäteter Flug – der Sommerurlaub verläuft nicht immer erholsam. Doch was muss man sich gefallen lassen und bei welchen Mängeln bekommt man sein Geld zurück? Rechtsanwalt Kay P. Rodegra erklärt, welche Rechte Sie im Urlaub haben.

Im Reiseprospekt oder Internet sieht alles traumhaft aus. Vor Ort sind die gebuchten Leistungen allerdings manchmal dürftig: Statt Meerblick bekommt man eine Aussicht auf die benachbarte Baustelle, der Pool ist vorübergehend geschlossen und die Hygiene im Hotelzimmer lässt ebenfalls zu wünschen übrig.

Gebuchte Leistungen, die nicht erbracht wurden, marode Anlagen oder ständiger Baustellenlärm sind Reisemängel, die Sie nicht hinnehmen müssen. "Genau dafür bietet das Reisevertragsrecht dem Kunden die Möglichkeiten, sich zu wehren und sein Recht einzufordern", sagt Kay P. Rodegra, Rechtsanwalt für Reiserecht.

Katalog und Wirklichkeit

Urlaub am Mittelmeer
Traumurlaub - klappt leider nicht immer

Generell empfiehlt es sich, den Katalog genau zu studieren, denn die Reiseveranstalter bewegen sich rechtlich oftmals auf einem schmalen Grat: Mit verklausulierten Texten versuchen sie, kleine Mängel zu vertuschen, ohne sich der bewussten Täuschung schuldig zu machen. Steht dort etwa, dass das Hotel "nur 15 Minuten vom Flughafen entfernt" ist, spart das bei An- und Abreise zwar wertvolle Urlaubszeit. Der damit verbundene Fluglärm kann jedoch Nerven kosten. Ein "Naturstrand" klingt nach einsamer Traumbucht. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Strand ohne jede Pflege der Natur und den Touristen überlassen wird – samt Algen, Müll und Treibgut. Fest steht aber: Wenn nachweislich gelogen wurde, hat man nach Einschätzung von Rechtsexperten vor Gericht gute Chancen auf eine Entschädigung.

Gerade im Internet sollte man die Angebote genau lesen. Anzahlungen auf den Reisepreis dürfen (bei Pauschalreisen) nur gegen Übergabe eines Sicherungsscheins verlangt werden. Achten Sie daher darauf, dass Sie dem Reiseveranstalter nicht einfach Geld überweisen.

Sofort reklamieren und Beweise sichern

Jeder Mangel muss sofort vor Ort reklamiert werden. Ansprechpartner bei Pauschalreisen ist der Reiseveranstalter (Reiseleitung), nicht etwa das Hotelpersonal. Ist der Reiseleiter nicht erreichbar, sollte der Reiseveranstalter in Deutschland eingeschaltet werden. Es empfiehlt sich, den Reiseveranstalter nicht nur telefonisch zu kontaktieren, sondern auch eine E-Mail oder ein Fax zu senden. So kann nachgewiesen werden, dass eine Kontaktaufnahme stattgefunden hat.

"Wird dem Mangel nicht unverzüglich abgeholfen, sollte man Beweise sammeln, damit man später eine Entschädigung einfordern kann", rät der Experte. Dafür ist es sinnvoll, ein Reklamationsprotokoll anzufertigen, aus dem genau hervorgeht, wann und wegen welcher Reisemängel die Reiseleitung oder der Reiseveranstalter kontaktiert wurde. Das Protokoll sollte von der Reiseleitung unterschrieben werden. Notieren Sie Namen und Anschriften von Zeugen und lassen Sie diese auch bei Telefongesprächen mithören (dabei den Gesprächspartner über das Mithören informieren). Sammeln Sie Foto- und Videobeweise. "Halten Sie bei Filmaufnahmen ruhig auch einmal die aktuelle Tageszeitung ins Bild", rät Rodegra. So könne später nicht behauptet werden, der Film sei zu einem früheren Zeitpunkt entstanden.

Kündigung bei erheblichen Mängeln

Kommt es zu erheblichen Mängeln, hat man nach dem Reisevertragsrecht ein Kündigungsrecht. Allerdings muss dabei einiges beachtet werden: Zunächst muss der Kunde wie bei allen Mängeln sofort reklamieren und den Reiseveranstalter auffordern, die Mängel zu beseitigen. Geschieht nichts, muss der Kunde eine Frist zur Abhilfe setzen und darauf hinweisen, dass er nach deren ergebnislosen Verstreichen die Reise kündigen wird. Wie lange die Frist ist, hängt vom Einzelfall ab. Kommt man am Urlaubsort an und es steht kein Hotel zur Verfügung, kann man eine Frist von wenigen Stunden setzen. Ist ganz massiver Baulärm zu beklagen, sollte man eine Frist von einem Tag setzen. "Reist der Kunde ab und war die Kündigung berechtigt, bekommt er den Reisepreis zumindest teilweise zurück und erhält je nach Fall zusätzlich Schadenersatz, etwa für die Mehrkosen der Rückreise oder auch für entgangene Urlaubsfreude", so der Experte.

Allerdings müssen die Mängel erheblich sein, damit eine Kündigung gerechtfertigt ist. Dazu können ständiger Baulärm oder unerträglicher nächtlicher Lärm zählen, wenn Sprachkurse auf einer Sprachreise nicht stattfinden oder wenn der Kunde statt im gebuchten Strandhotel in einem Stadthotel untergebracht wird. Gekündigt werden kann auch, wenn sich die Anreise erheblich verzögert, etwa wenn der Flug um zwei Tage verschoben wird.

Fristen beachten

Wer eine Entschädigung fordern will, muss seine Ansprüche spätestens einen Monat nach vertraglichem Ende der Reise anmelden. Dazu müssen die Mängel genau beschrieben und eine Forderung gestellt werden. Diesen Brief sollten Sie per Einschreiben mit Rückschein losschicken, damit man im Zweifelsfall einen Beweis für das Einhalten der Ein-Monats-Frist hat.

"Festgelegte Minderungswerte bei Reisemängeln gibt es nicht", erklärt der Experte. Zwar gebe es zahlreiche Minderungstabellen und Urteilslisten, etwa die „Frankfurter Tabelle“, die „Kemptener Reisepreisminderungstabelle“ oder auch die „Würzburger Tabelle zum Reiserecht bei Kreuzfahrten“, jedoch seien die dortigen Angaben nur Richtwerte. "Es zählt immer der Einzelfall sowie die Anzahl, Schwere und Dauer der Mängel."

Einen Anwalt muss man nicht gleich einschalten, der Reisekunde sollte zunächst selbst Kontakt zum Reiseveranstalter aufnehmen. “Kommt es aber zu gravierenden Mängeln und muss die Reise gekündigt werden oder erleidet der Urlauber durch einen Mangel einen gesundheitlichen Schaden, sollte man sich anwaltlicher Hilfe bedienen“, so der Rechtsexperte. Bietet der Reiseveranstalter einen Vergleich an und ist dieser unklar formuliert, sollten Sie sich an die Verbraucherzentrale oder einen Anwalt wenden. „Wenn ein Reiseveranstalter schnell einen Vergleich anbietet, ist das auch oft ein Zeichen dafür, dass wirklich etwas nicht so war, wie es sein sollte – und dann ist oft eine höhere Entschädigung gerechtfertigt“, meint der Rechtsexperte.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet