Ihre Rechte im Krankheitsfall

Was der Chef wissen muss

Immer wieder stehen Unternehmen in der Kritik, da sie angeblich die Krankheitsangaben ihrer Mitarbeiter kontrollieren. Darf der Chef nach dem Krankheitsgrund fragen? Und welche Pflichten hat der Arbeitnehmer?

Fakt ist: Arbeitnehmer müssen ihrem Chef keine Rechenschaft darüber ablegen, warum sie krankgeschrieben sind. "Das geht den Arbeitgeber nichts an", bestätigt Rechtsanwalt Jens Niehl. Allerdings gebe es Ausnahmen, zum Beispiel bei ansteckenden Krankheiten. So dürfe der kranke Mitarbeiter die Gesundheit der Kollegen nicht gefährden.

Krankengespräche sind erlaubt

Fehlzeiten der Mitarbeiter darf der Arbeitgeber speichern, ohne ihn vorher zu fragen. Allerdings ist es nicht erlaubt, Kollegen auszufragen, um etwas über den Gesundheitszustand des Beschäftigten herauszufinden.

Krankenrückkehrgespräche sind rechtens, wenn der Betriebsrat eingewilligt hat und der Mitarbeiter einverstanden ist. Das hat das Bundesarbeitsgericht schon vor einigen Jahren entschieden. Diese Krankengespräche werden auch als Eingliederungsmanagement bezeichnet. "Dazu ist der Arbeitgeber sogar verpflichtet, weil hier nach längerer Zeit geschaut werden soll, wie man den genesenen Arbeitnehmer wieder im Betrieb eingliedern kann", erläutert Fachanwalt Niehl.

Sofort krank melden

Der Mitarbeiter ist verpflichtet, den Arbeitgeber über eine Krankmeldung unverzüglich zu informieren. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung muss dem Unternehmen spätestens am vierten Tag der Erkrankung vorliegen. Der Arbeitgeber kann diese jedoch auch schon früher verlangen.

Die Art der Erkrankung ist auf dem "gelben Schein" nicht vermerkt, wohl aber die voraussichtliche Dauer der Erkrankung. Ist der Mitarbeiter länger krank, muss er eine Folgebescheinigung abliefern. Wer während seines Urlaubs krank wird, muss so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen. Das Attest muss der Beschäftigte an den Arbeitgeber weiterleiten und die Krankenkasse informieren. Nur so kann er sichergehen, den verlorenen Urlaub nachholen zu können.

Nicht ans Haus gefesselt

Ein kranker Arbeitnehmer muss dafür Sorge tragen, dass er schnellstmöglich gesund wird. Unter Hausarrest steht er aber nicht. Verboten ist alles, was die Genesung verzögert oder gefährdet. Während ein kurzer Einkauf oder Spaziergang an der frischen Luft durchaus gerechtfertigt sein können, schaden ein Discobesuch oder Extremsport wohl eher.

Auch eine Fahrt in den Urlaub ist trotz Krankheit nicht ausgeschlossen: Das kann eine geplante Reise, eine Hochzeit oder eine Reise aus Gesundheitsgründen sein (zum Beispiel eine Fahrt ans Meer bei Atemwegserkrankungen). Der Krankgeschriebene sollte sich in diesen Fällen ärztlich bestätigen lassen, dass ihm die Reise medizinisch nicht schadet, und sie vorher genehmigen lassen.

Krankheit als Kündigungsgrund

Häufiges Fehlen wegen Krankheit kann eine Kündigung nach sich ziehen. Etwa dann, wenn der Betrieb in seinem Ablauf erheblich gestört oder eine negative Gesundheitsprognose gestellt wird. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Bäcker eine Mehlallergie hat. Dann kann er personenbedingt gekündigt werden - es sei denn, der Arbeitgeber kann ihm einen anderen Arbeitsplatz anbieten, etwa im Büro. Arbeitnehmer ohne Kündigungsschutz, also in der Probezeit oder in Kleinbetrieben mit höchstens zehn Mitarbeitern, können ohne Nennung von Gründen gekündigt werden.

Wenn der Arbeitnehmer eine Krankheit vorgetäuscht hat, droht sogar die fristlose Kündigung. "Wer sich das Vertrauen des Arbeitgebers erschleicht, eine Krankheit simuliert und die Lohnfortzahlung kassiert, der kann sofort gekündigt werden", so Jens Niehl, "das geht auch ohne Abmahnung." Gekündigt werden können außerdem Arbeitnehmer, die innerhalb von drei Jahren 20 Prozent gefehlt haben oder mehr als 24 Monate nicht einsatzfähig sind.

Misstrauen des Arbeitgebers

Hat der Arbeitgeber den Verdacht, dass ein Mitarbeiter die Krankheit nur vortäuscht, darf er ihn unter bestimmten Voraussetzungen kontrollieren - also etwa zu Hause vorbeikommen oder jemanden vorbeischicken. In die Wohnung lassen muss der Arbeitnehmer aber niemanden. Bei begründetem Verdacht kann der Arbeitgeber auch eine Detektei einschalten. "Der Detektiv muss aber die Persönlichkeitsrechte respektieren. Er darf zum Beispiel nicht am Fenster stehen und Fotos schießen", so Niehl. Wird dem Angestellten Betrug nachgewiesen, muss er sogar die Rechnung des Detektivs übernehmen.

Der Chef hat auch die Möglichkeit, ein Gutachten durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen erstellen zu lassen, zum Beispiel, wenn er das Attest anzweifelt. Bei widerrechtlich erlangten Daten kann der Arbeitnehmer eine Löschung verlangen. Schadenersatz bekommt er nur bei einem Vermögensschaden. "Ansonsten kann von Behördenseite ein Ordnungsgeld erhoben werden, das aber nicht dem Arbeitnehmer zugutekommt", so der Fachanwalt.

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