Impfen - nein danke?

Bis März 2020 soll die Impfpflicht kommen, um besser vor ansteckenden Infektionskrankheiten zu schützen. Doch über Sinn und Unsinn wird immer wieder kontrovers diskutiert. Wie gelangen Menschen zu der Entscheidung, ob sie impfen wollen oder nicht?

Beitragslänge:
5 min
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Video verfügbar bis 29.04.2020

Es wird empfohlen, Impfungen nach einem bestimmten Zeitplan zu erneuern und eventuell zu kombinieren. Doch stellen sich immer mehr Impfgegner gegen die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts (STIKO).

Gründe für das Nicht-Impfen

Die Impfung gegen Masern gilt als eine der effektivsten Impfungen und rettet nach Angaben einer im Bundesgesundheitsblatt veröffentlichten Studie „Impfverhalten psychologisch erklären, messen und verändern“ von Diplompsychologin Cornelia Betsch et al. jährlich weltweit rund 1,3 Millionen Leben. Allerdings scheuen viele Eltern die Impfung ihrer Kinder. Die Gründe des Nicht-Impfens sind vielfältig. Ziel der genannten Studie war es, die psychologischen Gründe, die zu einer Entscheidung gegen das Impfen führen, zu identifizieren, um daraus Interventionen entwickeln zu können.

Der Studie zufolge sind sie unter anderem im mangelnden Vertrauen in die Effektivität und Sicherheit der Impfung zu finden oder liegen darin begründet, dass eine Impfung angesichts der als vernachlässigbar eingeschätzten Krankheitsrisiken als nicht notwendig angesehen wird. Eine weitere Rolle spielt die Informationssuche und bewusste Evaluation von Nutzen und Risiken von Impfungen sowie Barrieren, die eine Impfung verhindern, wie etwa Alltagsstress. Die Studie zeigte, dass in Deutschland insbesondere strukturelle Veränderungen, die Impfen einfacher machen, in Betracht gezogen werden müssen und dass die Aufmerksamkeit nicht nur auf impfkritische Eltern fokussiert werden sollte.

Schutz der Allgemeinheit

Die Masernimpfung wird von der STIKO zwar empfohlen, ist aber noch nicht vorgeschrieben. Lediglich das Auftreten der Krankheit ist meldepflichtig. Da Kranke allerdings schon ansteckend sind, bevor die Symptome ausbrechen, kann es schnell zu einer Epidemie kommen, denn Masern sind extrem ansteckend.

Experten fordern eine Durchimpfung der Bevölkerung; dafür müssten 95 Prozent aller Kinder geimpft sein. „Das Entscheidende ist, dass es hierbei nicht vorrangig um den Schutz des Individuums geht“, sagt der Medizinjournalist Dr. Christoph Specht. Vielmehr gehe es darum, diejenigen zu schützen, die nicht geimpft werden können, wie Säuglinge. „Das Problem ist, dass eine Impfung von ganz kleinen Kindern zwischen null und zehn Monaten nicht möglich ist, da sich bei ihnen das Immunsystem selbst entwickeln muss. Eine Ansteckung ist aber möglich“, so Christoph Specht. Sie seien somit auch der Gefahr ausgesetzt, an der gefürchteten SSPE (Subakute Sklerosierende Panenzephalitis) zu erkranken, deren Verlauf tödlich enden kann.

Empfohlene Impfungen

Damit Kinder nicht unnötig oft geimpft werden müssen, gibt es heute eine Kombi-Impfung gegen die sechs Infektionskrankheiten Polio (Kinderlähmung), Diphtherie, Haemophilus influenzae Typ b, Hepatitis B, Keuchhusten und Tetanus. Die Impfung sollte bis zum zweiten Lebensjahr mehrfach wiederholt werden. Zusätzlich gibt es eine Schutzimpfung gegen Pneumokokken, die Erreger der gefährlichen Hirnhautentzündung (Meningitis), ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat. Auch bisher nicht geimpfte Kinder und Jugendliche mit erhöhtem Krankheitsrisiko können nachträglich geimpft werden.

Um zusätzlich vor Rotaviren zu schützen, die im Säuglings- und Kleinkindalter eine gefährliche Durchfallerkrankung mit zum Teil lebensbedrohlichem Flüssigkeitsverlust hervorrufen können, wird darüber hinaus eine Serie von Schluckimpfungen angeboten.

Etwa ab dem ersten Lebensjahr wird dann der Beginn einer Schutzimpfung gegen die Kinderkrankheiten Mumps, Masern und Röteln empfohlen. Aufgrund größerer Impflücken in der Vergangenheit wird diese Impfung zum Teil auch für junge Erwachsene angeboten. Die Kombi-Impfung kann zusätzlich mit einer Impfung gegen Windpocken kombiniert werden. Vor der Einschulung sollte die Impfung gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten aufgefrischt werden. Danach empfiehlt die Ständige Impfkommission eine Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphtherie alle zehn Jahre.

Impfung erneuern und kombinieren

Es gibt grundsätzlich für fast alle Schutzimpfungen unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten. Darüber hinaus müssen viele Wirkstoffe mehrfach in variierenden Zeitabständen verabreicht werden. Deshalb ist es wichtig, eine individuell zugeschnittene Impfberatung (zum Beispiel in der Kinder- und Jugendmedizin) in Anspruch zu nehmen. Bei den meisten Impfungen sind Auffrischungen in unterschiedlichen Lebensabschnitten erforderlich. Bei den gängigen Kinderkrankheiten spielt sich dies vor allem im Alter zwischen fünf und sechs Jahren und in einem Alter zwischen neun und 17 Jahren ab, um Neuansteckungen zu verhindern.

Im Erwachsenenalter kommen neben Auffrischung und versäumten Impfungen oft noch spezielle Impfungen hinzu, die vor einer Reise in ferne Länder, auf die dort möglichen Ansteckungsgefahren, Krankheiten und Gegebenheiten abgestimmt sind. Auch hierfür gibt es jeweils sehr konkrete Empfehlungen. Die gängigen Schutzimpfungen sind seit dem Jahr 2007 komplett Leistungen der Krankenkassen.

Für Mädchen ab 12 Jahren gibt es außerdem die Empfehlung für die HPV-Impfung, die gegen Gebärmutterhalskrebs schützen soll. Dazu kommt die saisonale Impfempfehlung bezüglich der Grippe für Menschen ab dem 60. Lebensjahr, mit chronischen Erkrankungen, sowie für medizinisches Personal. Bei Reisen empfiehlt sich eine zusätzliche Information über Reiseschutzimpfungen wie gegen Hepatitis A, FSME oder Gelbfieber.

Bekannte Nebenwirkungen

Als Nebenwirkungen werden meist lokal begrenzte Empfindlichkeiten an der Einstichstelle angeführt. Es können Rötungen, Schwellungen und schmerzhafte Verhärtungen auftreten. Daneben kann es zu grippeähnlichen Symptomen kommen, wie Fieber, Müdigkeit, Schüttelfrost und Gliederschmerzen, aber auch zu Unruhe und Schlafstörungen. In seltenen Fällen können schwere Impfkomplikationen auftreten.

Ein ursächlicher Zusammenhang ist jedoch meist schwer zu belegen. Impfschäden können in der Regel nur nachgewiesen werden, indem andere Krankheiten als Auslöser ausgeschlossen werden. Zu den Impfkomplikationen zählen neurologische Störungen wie Lähmungserscheinungen, Entwicklungsstörungen, Multiple Sklerose oder das Guillain-Barré-Syndrom, aber auch Autoimmunerkrankungen, Nervenentzündungen und chronische Erschöpfung. Impfschäden werden in Deutschland zentral dem Paul-Ehrlich-Institut gemeldet.

Für und Wider

Impf-Kritiker bemängeln, dass nur ein Bruchteil der Nebenwirkungen erfasst würde und vermuten, dass es eine hohe Dunkelziffer zu den offiziell belegten Zahlen gibt. Sie fordern eine bessere Beratung in der Arztpraxis und eine verstärkte Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen, sowie von den Herstellern unabhängige Studien zur Verträglichkeit und dem Nutzen einzelner Impfstoffe.

Impf-Befürworter argumentieren, dass Impfungen zu den wirksamsten und wichtigsten präventiven medizinischen Maßnahmen gehören. Hohe Impfquoten würden nicht nur die Gesundheit des Einzelnen schützen, sondern auch die Gesamtbevölkerung vor lebensbedrohlichen Krankheiten bewahren. Erklärtes Ziel ist es dabei, einzelne Krankheitserreger regional zu eliminieren und schließlich weltweit auszurotten.

Mit Material von ZDF und Bundesgesundheitsblatt

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