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Risiko Humane Papillomviren (HPV)

Humane Papillomviren (HPV) sind weit verbreitete Viren, die oft bereits beim ersten Sexualkontakt übertragen werden. Impfungen schützen, von einem flächendeckenden Schutz ist Deutschland jedoch weit entfernt.

5 min
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02.09.2021
02.09.2021
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 02.09.2023

Im Laufe ihres Lebens infizieren sich über 60 Prozent der nicht geimpften, sexuell aktiven Frauen mit HPV. Bei der Mehrheit der Infizierten kommt es aber nicht zu einer Erkrankung. Denn meistens ist das Immunsystem in der Lage, die Virusinfektion erfolgreich zu bekämpfen. Wenn bereits andere Erkrankungen vorliegen, oder wenn das Immunsystem bereits geschwächt ist, können sie sich allerdings leichter vermehren, und so verschiedenste Symptome und Erkrankungen hervorrufen.

Hautveränderungen als Symptom

HPV
Das Humane Papillomvirus verursacht Hautveränderungen.
Quelle: imago/Science Photo Library

Humane Papillomviren können unter anderem Warzen der Haut an Händen oder Füßen auslösen. Einige von ihnen befallen jedoch vor allem die Haut und die Schleimhäute im Genitalbereich und im Bereich des Schließmuskels. Mögliche Folge einer Infektion können dort so genannte Feigwarzen sein, Geschwülste, die an den äußeren Geschlechtsorganen, im oder um den Scheiden- oder Aftereingang, in der Harnröhre und am Harnröhreneingang, am Gebärmutterhals sowie in der Leistengegend oder an den Oberschenkeln erscheinen.

Die sichtbaren Warzen im Genitalbereich werden Kondylome genannt. Sie können drei Wochen oder länger nach sexuellem Kontakt mit einer infizierten Person auftreten, sie können aber auch völlig ausbleiben. Deshalb kann nicht immer genau festgestellt werden, wann oder wo eine Infektion mit dem Virus stattgefunden hat. Wer verdächtige Hautveränderungen wie Knötchen oder Warzen im Genitalbereich entdeckt, sollte sie von einem spezialisierten Arzt (Hautarzt, Frauenarzt oder Urologe) kontrollieren lassen.

HPV als Auslöser von Krebs

Humane Papillomviren gelten auch als viraler Auslöser für bestimmte Krebserkrankungen bei Frauen und Männern. Derzeit werden zwölf der mehr als 200 bislang bekannten HPV-Typen als krebserregend eingestuft. In Deutschland erkranken geschätzt jährlich etwa 7700 Frauen an HPV-bedingtem Gebärmutterhalskrebs. Außerdem können die Viren Krebserkrankungen im Mund- und Rachenraum, im Darmausgang sowie im männlichen Genitalbereich auslösen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor steigenden Zahlen von HPV bedingten Krebserkrankten. Sie prognostiziert, dass die Zahl der weltweiten Fälle von 570.000 im Jahr 2018 auf 700.000 im Jahr 2030 steigen könnte, wenn die Länder nicht rasch handeln. Die Zahl der Todesfälle könnte im gleichen Zeitraum von 311.000 auf 400.000 ansteigen.

Medikamentöse Behandlung

Meist werden Genitalwarzen behandelt, indem der Arzt sie vereist (Kryotherapie), elektroakustisch behandelt oder chirurgisch oder mit einem Laser abträgt. Bei diesen für den Patienten oft schmerzhaften Behandlungsmethoden bleiben jedoch fast immer virusinfizierte Zellen zurück, sodass bei vielen Patienten innerhalb weniger Wochen neue Warzen auftauchen. Die Behandlung, die unschöne Narben hinterlassen kann, beginnt dann wieder von vorne.

Eine Cremetherapie kann eine dauerhafte, narbenfreie Abheilung der Warzen ermöglichen, die bei den Ursachen ansetzt. Allerdings muss bei der Therapie darauf geachtet werden, ob Begleiterkrankungen wie etwa eine Schuppenflechte vorliegen, die bei der Behandlung ebenfalls engmaschig im Blick behalten werden müssen.

Vorbeugung (Prävention)

Zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs gibt es eine wirkungsvolle Maßnahme: Seit einigen Jahren stehen Impfungen zur Verfügung gegen die Humanen Papillomaviren (HPV), den Hauptrisikofaktor für Gebärmutterhalskrebs. In Deutschland wird die HPV-Impfung seit März 2007 für Mädchen empfohlen, seit Juni 2018 gilt die Empfehlung auch für Jungen.

Empfohlen wird die Impfung im Alter zwischen neun und 14 Jahren, damit sie vor ersten sexuellen Kontakten erfolgt. Außerdem haben Studien nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) gezeigt, dass jüngere Mädchen eine bessere Immunantwort nach der HPV-Impfung aufbauen als ältere Mädchen.

In Deutschland sind zwei HPV-Impfstoffe zugelassen: Dabei ist ein Impfstoff, der bei männlichen und weiblichen Personen ab einem Alter von neun Jahren einen Schutz gegen Erkrankungen durch neun HPV-Typen gewähren soll. In der Regel werden zwei Impfdosen im Abstand von mindestens fünf Monaten verabreicht. Wird erst ab einem Alter von 15 Jahren geimpft, sind drei Dosen notwendig.

Unter bestimmten Umständen kann eine HPV Impfung auch bei bereits erfolgter Infektion unter therapeutischen Gesichtspunkten sinnvoll sein. Die Forschungen hierzu laufen. Bösartige Gewebeveränderungen müssen jedoch so schnell wie möglich operativ entfernt werden.

Von flächendeckendem Schutz weit entfernt

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft zu Förderung der sexuellen Gesundheit, Prof Dr. Norbert Brockmeyer, weist anlässlich des Welttages der sexuellen Gesundheit am 04. September 2021 auf einen erheblichen Rückstand der deutschen HPV-Impfquote im Vergleich zu Ländern wie Australien hin.

„Wir sind sicherlich in der Lage, mehr als 97 Prozent der HPV-Papillomaviren bedingten Krebssorten zu verhindern. Aber die Impfung wird in Deutschland leider nur zu vielleicht 43 Prozent umgesetzt. In Australien liegen die Daten bei 90 Prozent. Dort wird darüber diskutiert, wann es Gebärmutterhalskrebs in Australien nicht mehr gibt. Davon sind wir weit entfernt.“
Prof Dr. Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen Gesellschaft zu Förderung der sexuellen Gesundheit

Auch das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Deutsche Krebshilfe haben im März 2021 darauf hingewiesen, dass in Deutschland noch viel zu wenige Mädchen und Jungen gegen die krebserregenden humane Papillomviren geimpft sind: Lediglich 43 Prozent der 15-jährigen Mädchen seien vollständig gegen HPV geimpft. Damit sei Deutschland noch weit von einem flächendeckenden Schutz vor humanen Papillomviren entfernt, der erst bei einer Durchimpfungsrate von mindestens 70 Prozent bestehe.

Mit Material von ZDF, dpa, afp

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