"Kunstherz" hilft bei Herzschwäche

Implantierte Pumpe unterstützt die Pumpleistung

Verbraucher | Volle Kanne - "Kunstherz" hilft bei Herzschwäche

Wenn die eigene Pumpleistung des Herzens nicht mehr ausreicht, kann ein Kunstherz mithilfe einer Pumpe die Pumpleistung unterstützen. Darauf ist der 20-jährige Max angewiesen.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 03.06.2017, 14:00

Herzschrittmacher kennen die meisten. Es gibt jedoch noch stärkere Systeme, die die Herzfunktion unterstützen, wenn die eigene Pumpleistung es nicht mehr schafft. Man spricht dann vom „Kunstherz“, gemeint ist ein Kreislaufunterstützungssystem.

Bei einer ausgeprägten Herzschwäche (Herzinsuffizienz) können Kreislaufunterstützungssysteme, auch Herzunterstützungssysteme genannt, lebensrettend sein. Umgangssprachlich werden diese als Kunstherz bezeichnet. Dies ist leicht irreführend, da das eigene Herz des Patienten im Körper verbleibt und vielmehr ergänzt wird durch implantierte Teile, die es in seiner Pumpleistung unterstützen.

Ein gesundes Herz pumpt ausreichend Blut in den Körperkreislauf und sorgt so dafür, dass die Organe mit lebensnotwendigem Sauerstoff versorgt werden. Wenn eine starke Herzinsuffizienz vorhanden ist, kann diese Pumpfunktion bis auf zehn Prozent reduziert sein. Es droht ein schleichendes Organversagen. Blut verbleibt in der Herzkammer. Durch diese Stauung vergrößert sich das Herz, die Herzwände werden dünner, das Herz wird überbelastet. Typische Symptome sind Luftnot, Kurzatmigkeit, starke Erschöpfung, Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen sowie eine deutlich reduzierte Leistungsfähigkeit.

Pumpe unterstützt das Herz

In den meisten Fällen unterstützt eine etwa fünf Zentimeter große Pumpe die linke Herzkammer, in manchen Fällen auch beide Kammern. Diese Pumpe wird durch eine Gefäßprothese mit der Herzkammer verbunden und saugt das darin befindliche Blut in die Hauptschlagader. Die Pumpe muss ständig mit Strom versorgt werden. Daher führt ein Kabel aus dem Körper heraus zu einer Steuerungseinheit. Diese muss der Patient in einer Tasche oder einem Gürtel bei sich tragen. Ebenso Akkus, falls der Steuerungscomputer nicht mit einer Stromquelle verbunden ist.

Seit den Achtzigerjahren werden solche Herzsysteme eingesetzt. In der letzten Zeit verstärkt durch minimal-invasive Operationsmethoden. Hierbei wird nicht der gesamte Brustkorb geöffnet, die Schnittstellen fallen kleiner aus. Durch die kleinere Wundfläche kommt es seltener zu Wundheilungsstörungen und Verwachsungen, die insbesondere bei Folgeoperationen zu Schwierigkeiten führen können. Außerdem sind die Patienten schneller wieder mobil, das Risiko von postoperativen Komplikationen wie Lungenentzündungen und Embolien verringert sich. Dennoch handelt es sich um eine mehrstündige, große OP an der Herz-Lungen-Maschine.

Leben mit dem Kunstherz

Betroffene Patienten müssen blutverdünnende Medikamente nehmen, denn durch den Kontakt des Blutes mit der Pumpenoberfläche ist die Gefahr von Gerinnselbildung erhöht. Der Patient muss regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen. Hier wird die Steuerungseinheit abgefragt und überprüft sowie die Pumpleistung des eigenen Herzens und die Funktion des Kreislaufunterstützungssystems im Ultraschall kontrolliert.

Die Eintrittsstelle des stromzuführenden Kabels in der Bauchdecke muss möglichst keimfrei gehalten werden, da Infektionen sich über die Blutbahn ausbreiten können. Die Abhängigkeit von einem technischen Gerät kann zu Depressionen führen.

Übergangslösung bis zur Transplantation

Kreislaufunterstützungssysteme gelten in der Regel als Übergangslösung zu einer Herztransplantation. Nur in etwa zehn Prozent der Fälle erholt sich das eigene Herz so weit, dass die Pumpe wieder ausgebaut werden kann. Systeme der neueren Generation laufen unter Laborbedingungen von technischer Seite problemlos. Erfahrungen mit diesen neueren Geräten im implantierten Zustand sind seit knapp zehn Jahren vorhanden.

Komplikationen, die teilweise lebensbedrohlich werden können, sind Gerinnselbildungen und Infektionen. Ist eine Transplantation in solchen Fällen nicht schnell möglich, kann eine weitere Pumpe eingebaut werden. Ziel der Therapie ist ein neues Herz – doch kann es mehrere Jahre dauern, bis ein passendes Spenderorgan zur Verfügung steht.

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