Unterwegs mit Hygienebeauftragten

Weiterverbreitung von Erregern soll eingedämmt werden

Verbraucher | Volle Kanne - Unterwegs mit Hygienebeauftragten

Hygieneteams im Krankenhaus achten auf sorgfältige Hygiene in allen Bereichen. So soll die Weiterverbreitung von Erregern eingedämmt werden.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 03.05.2017, 10:05

Krankenhausinfektionen und resistente Krankheitserreger sind ein ernst zu nehmendes Problem: Alleine in Deutschland sterben nach Schätzungen jedes Jahr etwa 10.000 bis 15.000 Menschen an Krankenhausinfektionen. Ziel ist es, die Übertragung und Weiterverbreitung von Erregern so weit wie möglich einzudämmen.

Das Krankenhaus ist ein belebter Ort: Dort sind Ärzte, Pflegekräfte, Besucher und natürlich die Patienten. Gerade für sie können Keime lebensgefährlich werden. Jeder Fehler bei der Hygiene kann ernste Konsequenzen haben. Jährlich erkranken 400.000 - 600.000 Patienten in Deutschland an Krankenhausinfektionen, die teilweise vermieden werden könnten. Vor allem in stationären Bereichen besteht für Patienten ein höheres Risiko mit Infektionserregern in Kontakt zu kommen. Das Problem: Durch die Erkrankung selbst und medizinische Maßnahmen, wie Operationen oder die Gabe von Antibiotika, ist gleichzeitig die körpereigene Abwehr geschwächt, so dass die Entstehung von Infektionen begünstigt wird.

Deshalb gibt es im Krankenhaus Hygieneteams, die auf sorgfältige Hygiene in den unterschiedlichen Bereichen achten. In jedem Krankenhaus gibt es ein solches Team. Wie viele Personen das sind, hängt von der Größe der Klinik ab. Das Hygieneteam erörtert alle erdenklichen Hygiene-Fragen. Dazu gehören unter anderem: bauliche Maßnahmen, sterile Kleidung, aktuelle Hygieneverordnungen. In einem Wochenkurs werden die Grundlagen und Einhaltung der Hygiene wie Desinfektion, Aufbereitung, Antibiotikaanwendung etc. den Mitarbeitern vermittelt.

OP-Schleuse für keimfreien OP-Bereich

Damit der Mensch keine Keime in den OP schleust, gibt es OP-Schleusen, diese funktionieren so: In normaler Straßenkleidung kommen Mitarbeiter, die im OP-Bereich arbeiten, zu Dienstbeginn zur Dreikammerschleuse. Nur mit der personalisierten Chipkarte erhalten sie Zutritt. Im vorderen Bereich ziehen sie sich aus, denn die normale Kleidung gilt als kontaminiert. Dann desinfizieren sie sich gründlich die Hände und zwar in der Kammer, in der sich auch die sterile Kleidung befindet. Die Gummischuhe sind ebenfalls desinfiziert. Die Haare decken die Mitarbeiter mit einer Haube ab und setzen den Mund-Nasenschutz auf. Erst dann dürfen die Mitarbeiter den keimfreien OP-Bereich betreten.

Auch die Raumluft ist nicht keimfrei. Moderne OP-Säle aber schaffen heute eine nahezu keimfreie Umgebung. Mit einer speziellen Lüftungstechnik wird die Luft gefiltert und gelangt möglichst keimarm in die Schutzzone.

Instrumenten-Aufbereitung

Nach einer OP oder Untersuchung müssen die Instrumente und medizinische Geräte wieder gereinigt werden. Damit sollen die Bakterien abgetötet werden. Dies geschieht mithilfe der Desinfektion. Die grobe Vorreinigung des Instruments beginnt direkt im Behandlungsraum. Nebenan wird dann von einer speziell dafür ausgebildeten Fachkraft die gründliche Reinigung vorgenommen. Schläuche, Ventile und kleinste Teile werden mit Spritzen, Schwämmen und kleinen Bürsten gesäubert. Außerdem wird die Dichtigkeit überprüft.  Mit einem speziellen Automat wird dann die Reinigung und Desinfektion vollendet.

Die Besucher werden zudem auf die Notwendigkeit der Händedesinfektion hingewiesen. Natürlich gilt das auch für die Mitarbeiter der Station. Wichtig ist dabei, dass die Fingerzwischenräume, die Nägel und die Daumen nicht vergessen werden. 30 Sekunden dauert eine korrekt ausgeführte Desinfektion.

Multiresistente Keime

Multiresistente Keime stellen Ärzte und Pfleger vor teilweise unlösbare Aufgaben. Die Verbreitung multiresistenter Erreger hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Deshalb wird seit einigen Jahren das Auftreten von Antibiotikaresistenzen systematisch erfasst und dokumentiert. Dadurch wissen die Experten, welches die häufigsten multiresistenten Erreger sind und welche Antibiotika gegen diese nicht mehr wirksam sind. Somit ist es möglich, gezielte Präventionsmaßnahmen durchzuführen.

Alter Bekannter - Erreger MRSA

Der bekannteste Erreger heißt MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). Meistens macht dieser Erreger den Menschen gar nicht krank. Die Bakterien siedeln sich zum Beispiel in Rachen, Achseln und Leisten an. Erst wenn diese Bakterien über Wunden oder durch Schleimhäute in den Körper gelangen, kann eine Infektion ausbrechen. Da MRSA gegen viele Antibiotika unempfindlich ist, kann die Erkrankung einen schweren Verlauf nehmen. MRSA kommt dort vor, wo häufig Antibiotika eingesetzt werden, also vor allem in Krankenhäusern.

MRSA wird meist von Mensch zu Mensch übertragen Der Hauptübertragungsweg sind dabei die Hände. Dabei sind sowohl MRSA-Erkrankte ansteckend, als auch MRSA-Träger, also gesunde Menschen, die nur mit MRSA besiedelt sind. Außerdem ist eine Ansteckung über verunreinigte Gegenstände wie Türklinken oder Griffe möglich.

Infektion meist über Hände

Die Hände kommen häufig mit Keimen in Kontakt, zum Beispiel beim Naseputzen, beim Gang zur Toilette, beim Berühren von Tieren oder bei der Zubereitung von rohem Fleisch. Beim Händeschütteln oder über das Benutzen von Gegenständen können Krankheitserreger so leicht von Hand zu Hand gelangen. Berührt man sich mit den Händen dann im Gesicht, können die Erreger über die Schleimhäute, also über Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und dann eine Infektion auslösen.

Die ausreichende Desinfektion der Hände stellt eine wichtige und dabei sehr einfache Maßnahme zur Vermeidung von Krankenhausinfektionen dar. Im Januar 2008 wurde die "Aktion Saubere Hände" ins Leben gerufen. Ungefähr 880 Krankenhäuser in Deutschland nehmen an dieser Kampagne teil, das sind etwa die Hälfte aller Krankenhäuser.

Bis zu 80 Prozent aller ansteckenden Krankheiten werden über die Hände übertragen. Dazu gehören beispielsweise Erkrankungen wie Erkältungen, die Grippe oder ansteckende Magen-Darm-Infektionen. Das Händewaschen ist die einfachste und wirksamste Maßnahme, die vor einer Ansteckung schützen kann.

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