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Infizierte Kunstgelenke

Künstliches Kniegelenk

Aufgrund der älter werdenden Bevölkerung und des Anspruchs, auch im höheren Lebensalter mobil zu sein, steigt die Zahl der Gelenkersatzoperationen seit Jahren konstant an. Beim Einbau eines Kunstgelenks können jedoch Bakterien in den Körper gelangen.

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Nach Schätzungen müssen Chirurgen jährlich rund 24 000 Kunsthüftgelenke und 16 000 Kunstkniegelenke abermals operieren oder austauschen. Für die betroffenen Patienten beginnt dann meist ein langer Leidensweg, denn nur wenige Kliniken und Ärzte sind auf eine solche Komplikation vorbereitet.

Risiko Biofilm

Ein Kunstgelenk einzubauen gilt unter Medizinern längst als Routine. Problematisch sind jedoch Folgeeingriffe, die nötig werden, wenn sich die Prothese gelockert hat und schmerzt. Oft wird die Ursache dafür gar nicht gesucht oder gefunden: Eine Entzündung des umliegenden Gewebes, ausgelöst durch einen Biofilm, also eine feste Bakterienschicht, die über viele Wochen oder Monate unbemerkt auf dem Implantat gedeiht. Die Bakterien können nicht abgebaut werden, weil das Kunstgelenk kein lebendes Gewebe ist, das die Erreger eliminieren könnte.

Experten fordern daher eine umfassende Prophylaxe bereits vor der Operation. Es muss überprüft werden, ob der Patient über eine gute körpereigene Abwehr verfügt. Er darf weder Infektionen noch Entzündungen haben. Außerdem sollten Haut und Körper des Patienten auf gefährliche Erreger untersucht werden. Bei einem entsprechenden Befund sollte der Patient bereits vor der Operation mit einem geeigneten Antibiotikum behandelt werden.

Erneute Operation nötig

Die frühe Diagnosestellung ist wichtig, denn in der Anfangsphase der Infektion, direkt nach der Operation und bei akuten Streuungen, reicht oft die Revision des Kunstgelenkes mit Spülung und die Gabe von Antibiotika um den Infekt in den Griff zu bekommen. Bei einer chronischen Infektion ist auf jeden Fall ein Wechsel der Prothese erforderlich. Doch jeder neue Eingriff birgt das Risiko einer erneuten Infektion.

Die Gabe von Antibiotika ist nur dann zielführend, wenn es genau auf den betreffenden Erreger abgestimmt ist. Hier liegt jedoch in vielen Kliniken eine kritische Fehlerquelle: Wenn das Medikament quasi blind verabreicht wird, ohne den Erreger exakt identifiziert zu haben, bilden sich Resistenzen, die oftmals gar nicht mehr in den Griff zu kriegen sind. Die Experten der Klinik für septische Chirurgie an der Berliner Charité haben die Daten von mehr als 5000 Patienten ausgewertet und dabei mehr als dreißig verschiedene Erreger gefunden, die sich am Implantat festsetzen können.

Risiko bleibt lebenslänglich

Tritt die Infektion später auf, so wird sie meist durch eine Streuung von Bakterien hervorgerufen, die über die Blutstrombahn an die Prothese gelangen. Meist ist die Ursache eine Nebenhöhlenvereiterung, eine Infektion an den Zähnen, eine Lungenentzündung oder ein Harnwegsinfekt.

Aber auch infizierte Hautverletzungen wie Bisswunden können Eintrittspforten für Keime darstellen. Träger und Trägerinnen von Kunstgelenken sollten daher wachsam sein und bei den genannten Infektionen auf jeden Fall ihren Arzt informieren. Im Zweifelsfall bringt eine Gelenkpunktion Gewissheit darüber, ob sich bereits ein Biofilm auf dem Implantat gebildet hat.

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