Bluthochdruck - das stille Risiko

Welche Werte sind am besten?

Verbraucher | Volle Kanne - Bluthochdruck - das stille Risiko

Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor für viele Herz- und Gefäßerkrankungen sowie Schädigungen von Organen. Doch ab welchem Wert ist der Blutdruck zu hoch und sollte behandelt werden?

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5 min
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Video verfügbar bis 13.05.2017, 14:00

Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor für viele Herz- und Gefäßerkrankungen sowie Schädigungen von Organen. In Deutschland leiden zwischen 20 und 30 Millionen Menschen an der Volkskrankheit. Neben Personen mittleren Alters und Senioren sind auch jüngere Menschen betroffen. Doch ab welchem Wert ist der Blutdruck zu hoch und sollte behandelt werden?

Der ideale Blutdruck liegt bei 120/80 mmHg. Die erste Zahl gibt den systolischen Wert wieder, der während der Auswurfphase des Herzens entsteht. Die zweite Zahl steht für den diastolischen Wert während der Füllungsphase des Herzens. Wenn der Druck in den Arterien dauerhaft auf Werte über 140/90 mmHg steigt, spricht man von Bluthochdruck. Derzeit diskutieren Experten darüber, ob dieser Wert nicht zu hoch ist.

Die Risikofaktoren

Viele Risikofaktoren können die Entstehung von Bluthochdruck begünstigen. Hierzu gehören Vererbung, Bewegungsmangel, Stress, ein hoher Alkoholkonsum, das Rauchen und das Alter. Häufig tritt die Hypertonie auch im Zusammenhang mit anderen Krankheiten wie Diabetes, erhöhten Blutfetten oder Übergewicht auf. Auch Nierenkrankheiten, Stoffwechselstörungen, Gefäßerkrankungen und Medikamente können einen Bluthochdruck auslösen.

Bluthochdruck gilt als stille Gefahr, weil er oft über Jahre hinweg keine Symptome auslöst. Erste Anzeichen können aber Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Nasenbluten, Kurzatmigkeit, eine rote Gesichtsfarbe, kurzfristige Sehstörungen oder Übelkeit sein. Ein langfristig erhöhter Blutdruck kann Schäden an Organen wie dem Herzen oder den Nieren verursachen. Zudem ist er ein erheblicher Risikofaktor für Durchblutungs- und Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Regelmäßige Kontrolle

Jeder sollte seinen Blutdruck kennen und regelmäßig selbst kontrollieren oder messen lassen. Ein normaler oder niedriger Blutdruck kann sich im Laufe des Lebens in einen hohen Blutdruck verwandeln. Eine einmalige Messung ist nicht aussagekräftig. Im Laufe des Tages unterliegen die Werte oft Schwankungen. Für zuverlässige Ergebnisse sind wiederholte Messungen zu verschiedenen Tageszeiten und manchmal sogar Langzeitmessungen nötig.

Bei einem dauerhaft erhöhten Blutdruck ist ärztlicher Rat wichtig. Es muss zudem untersucht werden, ob bereits Folgeschäden bestehen. Vor allem der Zustand von Herz, Nieren und Augen wird überprüft. Die Gesamtsituation der Gesundheit ist von entscheidender Bedeutung für eine mögliche Therapie. Bislang war davon auszugehen, dass ein dauerhaft erhöhter Blutdruck von mehr als 140/90 mmHg behandelt werden sollte.

Neue Zielwerte durch die SPRINT-Studie?

Der Bluthochdruck ist aktuell zum Gegenstand reger Diskussionen unter Fachleuten geworden. Denn viele Experten empfehlen in Anlehnung an Resultate der so genannten SPRINT-Studie aus den USA, die Zielwerte von Risikopatienten straffer zu definieren als bislang. Denn eine Senkung der Werte auf 120 zu 80 statt 140 zu 90 könnte demzufolge das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall besser entgegen wirken. Das heißt aber auch, dass künftig mehr Patienten behandelt werden müssten.

Nebenwirkung: Zu niedriger Blutdruck

Prof. Dr. Joachim Ehrlich, Facharzt für Kardiologie, plädiert für eine individuelle Abwägung von Nutzen und Risiko: "Möglicherweise muss man tatsächlich die Patienten etwas straffer behandeln. Die SPRINT-Studie hat gezeigt, dass mehr Nebenwirkungen auftreten. Wir haben vermehrt Menschen, die dann einen zu niedrigen Blutdruck haben. Die klagen über Schwindel, Leistungsmangel, Abgeschlagenheit. Und das ist die Kehrseite der Medaille. Sodass man im Alltag immer wieder versuchen muss, einen gesunden Mittelweg zu finden.“

Therapie und Selbsthilfe

Ziel ist, den Blutdruck zu normalisieren und die Risiken für Folgeerkrankungen so gering wie möglich zu halten. Oft ist die Einstellung des Blutdrucks gekoppelt an die Behandlung anderer Krankheiten wie zu hoher Blutfettwerte oder Diabetes.

Wichtig ist die Eigeninitiative des Patienten. Dies gilt vor allem bei grundlegenden Maßnahmen wie Vermeidung von Übergewicht, regelmäßige körperliche Bewegung, Stressabbau, salzarmer Ernährung, wenig Alkohol und der Verzicht auf das Rauchen. Sollte das nicht ausreichen, müssen zusätzlich Medikamente verordnet werden.

Behandlung mit Medikamenten

Gerade die medikamentöse Therapie kann eine große Umstellung für den Körper bedeuten. Die Patienten fühlen sich in der ersten Zeit oft abgeschlagen und müde und müssen sich erst an den niedrigeren Blutdruck gewöhnen. Die Behandlung muss meist ein Leben lang erfolgen. Nicht selten ist eine Kombination mehrerer Präparate oder eine Veränderung von Dosierungen nötig. Betroffene sollten ihre Medikamente nicht selbst absetzen. Zur Einstellung des Blutdrucks gibt es fünf Hauptgruppen von Medikamenten. Diese sind Präparate aus der Gruppe der ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten, Beta-Blocker, Diuretika und so genannte Kalzium-Antagonisten.

Der Einsatz dieser Medikamente sollte immer mit ärztlicher Beratung erfolgen und individuell abgewogen werden. Das gilt besonders für die Dosierung und den kombinierten Einsatz der Substanzen. Denn Blutdruckmedikamente können mit zahlreichen Nebenwirkungen wie geschwollenen Beinen, einem langsamen Herzschlag oder Potenzproblemen verbunden sein. Zudem können sie zu Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder Schwindel bis hin zur Ohnmacht führen.

Kardiologe Prof. Dr. Joachim Ehrlich bestätigt: "Ein niedrigerer Blutdruck-Wert als Behandlungsziel wird dazu führen, dass wir mehr Medikamente oder auch höhere Dosierungen einsetzen. Dabei müssen wir aufpassen, dass Nebenwirkungen nicht eintreten, wie geschwollene Beine, sehr langsamer Herzschlag, bei Männern auch Potenzprobleme." Eine engmaschige Kontrolle der Dosierung in Rücksprache mit dem Arzt ist also wichtig.

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