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Jodtabletten für den Ernstfall

Gerade hat Deutschland rund 190 Millionen Jodtabletten geordert. Tritt bei einem schweren Unfall in einem Kernkraftwerk radioaktives Jod aus, erhält die Bevölkerung im betroffenen Gebiet kostenlos Jodtabletten von den Behörden.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 23.09.2020

Deutschland hat seinen Vorrat an Jodtabletten deutlich aufgestockt. Sie sollen im Falle eines atomaren Notfalls verteilt werden. Zwar werden die letzten Atomkraftwerke hierzulande laut Ausstiegsplan Ende 2022 abgeschaltet, doch einige grenznahe Kernkraftwerke in Belgien, der Schweiz und Frankreich stellen nach wie vor ein Risiko dar. Für den Fall einer Katastrophe soll das Jod zum Einsatz kommen.

Wofür sind die Jodtabletten?

Unsere Schilddrüse braucht normales Jod, um lebenswichtige Hormone zu produzieren. Bekommt sie zu wenig, entwickelt sich ein Kropf. Eine Möglichkeit, das zu verhindern: Jodtabletten. Bei einem Reaktor-Unfall kommen spezielle Tabletten zum Einsatz. Diese sind extrem hoch dosiert, etwa das Fünfhundert- bis Tausendfache dessen, was man als Jod gibt, wenn man es zum Beispiel zur Prophylaxe eines Kropfes verabreicht.

Die Tabletten verursachen eine Jodblockade. Diese Jodblockade hilft gegen die Aufnahme von radioaktivem Jod, das aus dem Fallout bei Kernkraftwerksunfällen freigesetzt wird. Die Jodspaltprodukte sind überwiegend gasförmig, können sich aber auch auf Pflanzen niederschlagen und dann etwa von Milchkühen aufgenommen werden. Das durch die Tabletten aufgenommene Jod blockiert die Schilddrüse, sodass kein oder möglichst wenig radioaktives Jod aufgenommen werden kann.

Wann kämen die Tabletten zum Einsatz?

Im Falle einer Reaktorkatastrophe sollte man nicht eigenmächtig oder prophylaktisch dieses hochdosierte Jod schlucken, sondern die Ansagen der Behörden abwarten. Entscheidend ist der richtige Zeitpunkt.

Die Entfernung vom Kraftwerk sowie die aktuelle Windrichtung entscheiden, zu welchem Zeitpunkt man die Tabletten nehmen sollte. Je näher die Jodeinnahme an die mögliche Inkooperation des radioaktiven Jods erfolgt, desto günstiger ist der Effekt. Wenn man innerhalb von drei bis vier Stunden vor der möglichen Inkooperation des radioaktiven Jods oder zwei bis drei Stunden danach das Jod aufnimmt, kann man bis zu 95 Prozent des radioaktiven Jods blockieren.

Woher bekommt man die Tabletten im Ernstfall?

Zwar kriegt man hochdosiertes Jod auch in der Apotheke, im Ernstfall könnte dort aber Chaos herrschen. Die Behörden haben deshalb das Jod in ganz Deutschland verteilt, zuständig sind in der Regel die Kommunen. Gelagert werden die Tabletten häufig bei Feuerwehren.

Die Tabletten werden in den Kommunen auf die Ortsteile und Verteilstationen aufgeilt und würden von dort aus vergeben werden, falls es zu einer Katastrophe käme.

Wer muss die Tabletten im Ernstfall nehmen?

Die Empfehlung der Strahlenschutzkommission: Personen zwischen dem 12. Und 45. Lebensjahr bekommen die volle Dosis verabreicht, das sind ca. 100 Milligramm Jod. Personen, die jünger sind, erhalten entsprechend geringere an das Alter adaptierte Dosen.

Ab 46 Jahren wird kein Jod mehr verabreicht. Der Grund: die Wahrscheinlichkeit für Schilddrüsenkrebs nimmt ab, die Gefahr, dass das Jod andere gesundheitliche Probleme verursachen kann, nimmt ab dem Alter von 45 Jahren dafür zu.

Wer eine Schilddrüsen-Überfunktion hat, sollte vor der Einnahme mit dem Arzt sprechen.

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