An der Zukunft verzweifeln

Depressionen bei Jugendlichen im Jahr 2016

Verbraucher | Volle Kanne - An der Zukunft verzweifeln

Depressive Krisen betreffen immer öfter auch Jugendliche. Auf der Suche nach Stabilität, Balance und Identität hilft manchmal nur ein Aufenthalt in einer Fachklinik.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.02.2017, 10:34

Kriegsherde und Terror, Gewalt und Kriminalität, Naturkatastrophen und Umweltverschmutzung – die Nachrichten sind voll von schlimmen, traurigen und bedrückenden Meldungen. Hinzu gesellen sich oft noch Zukunftsängste. Wie Studien belegen, kann all das bei jungen Menschen in einer Depression münden.

Viele aktuelle Themen sind in der massenmedial vernetzten Welt mittlerweile omnipräsent. Sie finden ihren Niederschlag rund um die Uhr in einer negativ gefärbten Berichterstattung. Das gilt natürlich auch für die weniger globalen Themen wie drohende Arbeitslosigkeit, zunehmende Arbeitsverdichtung und immer größerer Leistungsdruck, der von immer mehr sozialer Kälte begleitet wird.

Unter dem Einfluss dieser Entwicklung mahnen viele Psychologen, dass immer mehr Menschen in Deutschland in immer jüngeren Jahren mit psychischen und psychosomatischen Problemen zu kämpfen haben. Studienergebnisse belegen, dass das Durchschnittsalter der Deutschen, die eine Psychotherapie in Anspruch nehmen, immer weiter sinkt. Das gilt auch für stationäre Therapien in Kliniken.

Auf der Suche nach Balance und Lebenssinn

Die genannten Aspekte können nach Angaben von Psychologen Auslöser oder aber auch negative Begleiterscheinungen für regelrechte Sinnkrisen bei jungen Menschen sein und Ängste oder Depressionen verursachen oder begünstigen. Viele von ihnen haben Probleme mit innerer Balance und Stabilität sowie Schwierigkeiten, Orientierung und Identität zu finden. Das wird noch durch die wachsende Zahl angebotener Identitäten (Massenmedien, Internet) verstärkt. Darüber hinaus beklagen viele Jugendliche den Zustand, zunehmendem Leistungsdruck nicht mehr gewachsen zu sein.

In der Gegenwart von zunehmend negativen Nachrichten und sozialer Kälte fühlen sich viele schon in jungen Jahren leer und antriebslos. Auch die Frage: „Was soll ich überhaupt in dieser Welt?“ hören Therapeuten häufiger und Selbstmordgedanken haben in den letzte Jahren offensichtlich in erschreckendem Maß zugenommen. Unter dem Eindruck seelischer Belastungen entstehen bei vielen jungen Menschen auch körperliche Beschwerden wie Unwohlsein, Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit oder Atemnot.

Positive Aspekte finden

Neben der ersten Behandlung körperlicher Symptome, ist in vielen Fällen eine psychotherapeutische Behandlung nötig und wichtig. Bei der Notwendigkeit, Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist Akzeptanz von Familie und Freunden wichtig. Darüber hinaus gibt es in Deutschland neben der Kinder- und Jugendpsychiatrie auch einige psychosomatische Kliniken. Diese bieten spezielle Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene an. Der meist etwa achtwöchige Aufenthalt beinhaltet die Kombination unterschiedlicher Therapien mit ärztlicher und psychotherapeutischer Begleitung.

Joggerinnen im Rapsfeld
Sport ist therapiebegleitend wirksam und sinnvoll. Quelle: imago

Wichtig ist es laut Angaben vieler Kliniken zunächst, Schritt für Schritt Orientierung, Stabilität und Balance wiederzufinden. Dabei dürfen sich die Jugendlichen nicht überfordern und zu hohe Ziele stecken. Sonst besteht die Gefahr, schnell wieder tief zu fallen. In Einzel- und Gruppentherapien (im Kreise anderer Jugendlicher und auch Erwachsener) werden gemeinsam Themen und Lösungsansätze erarbeitet. Wichtig ist auch, alleine und gemeinsam bewusst nach positiven Aspekten zu suchen und in der Vergangenheit nicht nur das Negative zu sehen.

Therapiebegleitung ohne Medikamente

Darüber hinaus gibt es eine ganze Fülle unterschiedlicher begleitender Therapieangebote, die neben der Selbstfindung auch Aspekten der Regeneration und Entspannung dienen. Dazu gehören verschiedene Sportangebote, Spaziergänge in der Natur, aktive und passive Formen der Musiktherapie, verschiedene Angebote von Kunsttherapie und auch Übungen der Körpertherapie, die auf Wechselwirkungen zwischen Psyche, Seele und Körper abzielen.

Psychologen und Ärzte fordern, bei körperlichen Beschwerden im Dialog mit den Jugendlichen gründlich Ursachenforschung zu betreiben, um die Probleme an der Wurzel zu packen und nicht nur medikamentös Symptome zu behandeln.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet