Essstörungen bei Sportlern

Kampf gegen eigenen Körper mit exzessivem Sport

Verbraucher | Volle Kanne - Essstörungen bei Sportlern

Viele Hochleistungssportler im Profi- als auch im Amateurbereich haben Essstörungen, die lange Zeit unentdeckt bleiben. Sie treiben einen Kampf gegen den eigenen Körper mit exzessivem Sport.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.06.2017, 10:05

Bei Sport denkt man eigentlich an Gesundheit, Spaß und Entspannung. Doch gerade unter Hochleistungssportlern, sowohl im Profi- als auch im Amateurbereich, gibt es immer wieder Fälle von Essstörungen, die lange Zeit unentdeckt bleiben.

Die Sportmagersucht (Anorexia athletica) ist im Unterschied zur Magersucht (Anorexia nervosa) eine Essstörung, die in erster Linie dem Ziel dient, die eigene sportliche Leistung zu optimieren. In vielen Fällen liegt der Ursprung weit zurück, manchmal können auch vom Trainer verordnete Diäten langfristig eine Essstörung auslösen.

Aktuelle Zahlen gibt es kaum. Experten verweisen auf eine norwegische Studie aus dem Jahr 1993, in der bei etwa sieben Prozent der männlichen Leistungssportler und rund 14 Prozent der Sportlerinnen eine Essstörung diagnostiziert wurde – in der übrigen Bevölkerung liegt der Anteil lediglich bei zwei bis drei Prozent.

Gymnastik, Tanzen, Turnen

Turnerin
Turnerin Quelle: dpa

Ein hohes Risiko tragen körper- und figurbetonte Sportarten wie Gymnastik, Tanzen oder Turnen. Aber auch Sportarten mit Gewichtskategorien, die zum Teil unter 50 Kilogramm liegen – zum Beispiel Judo, Boxen oder Rudern – bergen Risiken. Eine erste wichtige Präventionsmaßnahme ist die Sensibilisierung des Trainingspersonals, auf frühe Signale wie Menstruationsstörungen oder Verletzungen zu achten.

Essverhaltensstörungen sollten nicht durch verordnete Diäten oder „öffentliches“ Wiegen vor einem Wettkampf vom Trainer begünstigt werden. Ferner sollten Sporttreibende in häufig betroffenen Sportarten, zum Beispiel im Rahmen von sportmedizinischen Untersuchungen oder bei Lehrgangsmaßnahmen, über die Gefahren einer Essstörung aufgeklärt werden.

Leistung sinkt nicht automatisch bei Mangelernährung

Oft bleibt die Essstörung lange Zeit unerkannt. Die Betroffenen haben selbst kein Bewusstsein darüber und bekommen vom Umfeld noch positives Feedback bezüglich ihrer Disziplin und Leistungsfähigkeit. Denn, das zeigt der Tierversuch, Hungern kann kurzzeitig zur Hochleistung befähigen. Lässt man Ratten einige Zeit hungern, werden sie hyperaktiv. Zurück im Laufrad rennen sie, bis sie tot umfallen. Ähnliche Mechanismen beobachtet man auch beim Menschen: Hunger macht unruhig und umtriebig, intensiver Sport dämpft die Unruhe, verstärkt aber auch das Kaloriendefizit.

Ein Teufelskreis, der erst endet, wenn die Betroffenen so mager und geschwächt sind, dass sie keinen Sport mehr treiben können. Deshalb muss rechtzeitig eingegriffen werden, denn es drohen gefährliche Langzeitschäden wie Leber- und Nierenprobleme oder sogar Organversagen. Bei Sportlerinnen kommt es häufig zur sogenannten „Triade der Sport treibenden Frau“. Eine chronisch insuffiziente Kalorienzufuhr tritt dann zusammen mit Menstruationsstörungen sowie einer Osteoporose auf.

Psychotherapie und Ruhepausen

Eine erfolgreiche Behandlung kann nur dann erfolgen, wenn die betroffene Person eine Krankheitseinsicht zeigt. Leistungssportler und Breitensportler sollten bei Verdacht auf eine Essstörung sowohl in einer sportmedizinischen Ambulanz medizinisch als auch in einer psychotherapeutischen Einrichtung behandelt werden. Idealerweise wird auch das Trainingspersonal miteinbezogen.

In leichteren Fällen bedeutet die Diagnose nicht zwangsläufig den kompletten Verzicht auf das Training. Die Betroffenen sollen vielmehr den adäquaten Umgang mit sportlichen Aktivitäten lernen. Dazu zählen eine höhere Kalorienzufuhr, ausreichend Ruhepausen nach dem Training, sowie eine Reduzierung der Wettkämpfe. Eine therapeutisch begleitete Psychoedukation kann Amateursportlern helfen, eine besser geeignete Sportart zu wählen, etwa eine Mannschaftssportart, bei der nicht allein die körperliche Leistung zählt. Ziel ist ein Leben, in dem Kontrolle und Sport nicht mehr die Hauptrolle spielen.

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