Kartoffeln selbst anbauen

Gartentipps von Elmar Mai

Verbraucher | Volle Kanne - Kartoffeln selbst anbauen

Zum Anbau von Kartoffeln im Garten oder auf dem Balkon eignen sich vor allem Raritäten: Elmar Mai stellt besondere Kartoffelsorten vor und erklärt, was eine Tomoffel ist.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.04.2017, 14:00

Gemüse im eigenen Garten wird immer beliebter. Auch Kartoffeln kann man selbst anbauen. Gartenexperte Elmar Mai verrät, worauf Sie beim Anbau achten müssen und stellt die Tomoffel vor – eine Pflanze, an der Tomaten und Kartoffeln wachsen.

Je mehr Platz Kartoffeln haben, desto größer ist der Ertrag. Deshalb sollte man für den Anbau von Kartoffeln einen Eimer oder Kübel von circa 60 Liter Fassungsvermögen haben. Man kann auch in einem Hochbeet mit kleinen Löchern in den Seitenwänden mehrlagig Kartoffeln anbauen: Ganz unten die späten, in der Mitte die mittleren und oben die frühen Sorten. Das Kraut muss so gelenkt werden, dass es aus den Löchern herauswachsen kann. So ist das Hochbeet von Kartoffelkraut eingekleidet und kann von oben nach unten allmählich abgeerntet werden. Der Kübel oder das Hochbeet sollte möglichst im Schatten stehen, doch die Kartoffeln selbst brauchen volle Sonne. Auf jeden Fall müssen Abflusslöcher in den Boden des Gefäßes gebohrt werden, um Staunässe zu vermeiden.

Man kann davon ausgehen, dass sich bei optimaler Pflege das eingesetzte Gewicht verzwanzigfacht. Das bedeutet eine kleine Saatkartoffel liefert mindestens zehn doppelt so große neue Knollen. „Das ist aber sortenspezifisch, manche tragen mehr, andere weniger“, weiß Gartenexperte Elmar Mai. Auch der Zeitpunkt ist sortenspezifisch: Es gibt frühe (wie Anabelle, Altesse, Christa, Agave), mittlere (wie Violetta, Bellinda, Aula) und späte (wie Linda, Ackersegen, Mayan Gold) Sorten. Die frühen Sorten müssen schon Mitte Mai im Boden sein.

Die Wahl der Sorte

„Zum Anbau im Garten oder auf dem Balkon eignen sich vor allem Raritäten, die es im Laden nicht zu kaufen gibt“, empfiehlt der Gartenexperte. Man bekommt solche Sorten über das Internet. Dabei solle weniger der Ertrag im Vordergrund stehen, als vielmehr die Freude an ungewöhnlichen Sorten, so Elmar Mai. Diese Sorten bieten oft ungewöhnliche Geschmacksrichtungen oder Verwendungsmöglichkeiten, entweder für einen bunten Kartoffelsalat oder für leckere Salzkartoffeln, die nur noch Butter brauchen, um ein vollwertiges und schmackhaftes Gericht zu liefern. „Gerade die besonderen Sorten sind aus dem Handel verschwunden, weil sie von ertragreicheren Sorten verdrängt wurden, die aber nicht unbedingt besser im Geschmack und in der Qualität waren“, sagt Experte Mai.

Die Süßkartoffel ist ein südamerikanisches Gewächs aus der gleichen Heimat wie die Kartoffel und hat ähnliche Ansprüche, mag es aber gerne ein bisschen wärmer. Auch wenn sie wegen ihrer Ähnlichkeit den Beinamen Kartoffel trägt, ist sie botanisch etwas anderes. Bei ihr handelt es sich um ein Windengewächs, das eine Speicherknolle bildet, die essbar ist. Sie wandelt als Speicherstoff etwas weniger Zucker in Stärke um, hat daher etwas mehr Restsüße und deshalb den Namen Süßkartoffel bekommen. Sie kann zum Verzehr im Rauch geröstet, gekocht oder gebraten werden, wird also genauso verarbeitet wie Kartoffeln auch. Die Kultur in einem großen Kübel ist recht einfach: Er sollte sonnig und geschützt stehen und einen Stab für die schön blühenden Ranken haben.


Gefahr! Kartoffelkäfer und Fäule

Probleme beim Kartoffelanbau macht der Kartoffelkäfer, der aus Nordamerika stammt (dort auch Coloradokäfer genannt). Er wird zwischen sechs und 13 Millimeter lang, hat schwarze Längsstreifen auf seinen hellen Flügeldecken und lebt hauptsächlich auf den Blättern der Kartoffelpflanze. Das Problem: Der Kartoffelkäfer und seine Larven ernähren sich von den Blättern der Kartoffelpflanze. Die Weibchen legen nach der Paarung bis zu 1000 Eier ab, aus denen blutrote Larven schlüpfen und in kurzer Zeit die Kartoffelpflanze so kahl fressen, dass sie abstirbt. In sieben Wochen sind auch die geschlüpften Larven,  die sich zu Käfern entpuppen, zur Fortpflanzung bereit. Kartoffelkäfer lassen sich mit biologischen Feinden giftfrei beseitigen. Es gibt Bacillus thuringiensis im Handel, welches nur Insektenlarven befällt und sie absterben lässt. Es sind keinerlei Wartezeiten zu beachten, das Mittel wirkt radikal. Es wirkt auch auf andere Raupen, etwa Kohlweißlinge oder Buchsbaumzünsler.

Mit hohen Ertragsverlusten ist ebenfalls zu rechnen, wenn sich die sogenannte Krautfäule, gelblich-bräunliche Flecken an den Blättern, ausbreiten. Verursacht wird sie durch den Pilz Phytophthora infestan, der bei feucht-warmer Witterung auch Tomaten befällt.Um eine Ausbreitung vorzubeugen, ist es wichtig, dass keine Feuchtigkeit auf die Blätter der Pflanze gelangt. Man sollte beispielsweise einen luftigen Standort wählen und möglichst überdacht anbauen. Bei feuchter Witterung kann bei anfälligen Kartoffelsorten auch vorbeugend mit entsprechenden Pflanzenschutzmitteln gespritzt werden.

Neuer Trend Tomoffel

„Es war schon immer ein Traum von Nutzbauern, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“, weiß Elmar Mai. Daher gab es schon früh Bemühungen, ähnlich der Veredelung von Obstgehölzen, auch krautige Pflanzen zu veredeln. Weil sie botanisch in die gleiche Familie der Nachtschattengewächse gehören, kam schon vor weit über hundert Jahren die Idee auf, Tomaten auf Kartoffeln zu veredeln, damit unter der Erde Knollen und über der Erde Früchte wachsen. „Das klappt im Prinzip ohne Probleme. Die kommen erst später, wenn sich die typischen Krankheiten, allen voran die Braunfäule an den Blättern einstellt. Dann kann das Tandem schnell kollabieren und beide gehen gemeinsam zugrunde“, beschreibt Elmar Mai die Problematik.

„Zu den gehypten Tomtatoes bzw. Tomoffeln lässt sich leider noch nichts sagen, denn die Züchter haben noch nicht einmal neutralen Forschungsanstalten vorab Pflanzen zum Testen unter Verbraucherbedingungen zur Verfügung gestellt, wie es in Profikreisen eigentlich üblich ist“, gibt der Gartenexperte zu bedenken. Der Preis für die Jungpflanzen ist hoch. „Ob sich die Investition lohnt, muss jeder selber entscheiden“, sagt Mai. Und ob die Tomaten schmecken und die Kartoffeln genügend Knollen bilden, muss sich ebenfalls erst beweisen.

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