Kaufprämie für Elektroautos

Für wen lohnt sich der Zuschuss?

Verbraucher | Volle Kanne - Kaufprämie für Elektroautos

ZDF-Auto-Experte Lothar Becker erklärt, wie man die Kaufprämie für Elektroautos geltend machen kann.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.04.2017, 14:00

Um die schleppende Nachfrage bei Elektroautos anzukurbeln, haben sich Bundesregierung und Autoindustrie auf Kaufprämien verständigt. Für Käufer von reinen Elektroautos soll es künftig einen Zuschuss von 4000 Euro geben, für Hybride mit ergänzendem Verbrennungsmotor 3000 Euro. Die Prämie ist heftig umstritten. ZDF-Auto-Experte Lothar Becker erklärt, was es mit der Prämie auf sich hat und wie man sie beanspruchen kann.

Schon im Mai soll es losgehen: Wer ein Elektroauto kauft, bekommt einen Zuschuss. Dieser gilt bei reinen Elektroautos für Modelle mit einem Listenpreis bis zu 60.000 Euro. Auch Hybridfahrzeuge werden bezuschusst. Dabei handelt es sich um Autos mit herkömmlichem Verbrennungsmotor, die zusätzlich einen Elektromotor haben, dessen Batterie man an der Steckdose laden kann. Um den Zuschuss für ein Hybridauto in Anspruch nehmen zu können, muss man sich für ein Modell entscheiden, das in der Lage ist, mindestens 30 Kilometer rein elektrisch zu fahren. Zu einem späteren Zeitpunkt des Programms wird die Mindestanforderung auf 40 Kilometer steigen.

Die Förderung soll maximal bis zum Jahr 2020 laufen, der Fördertopf ist gedeckelt. Es gilt also die Devise: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Mit dem Programm soll zum einen die Zahl der Elektroautos auf deutschen Straßen gesteigert werden. Außerdem soll der Ausbau von Ladestationen mit 300 Millionen Euro gefördert werden. Die Kosten für das Programm teilen sich Bund und Hersteller je zur Hälfte. „Der Kunde bekommt die Prämie aber vom Händler. Im Kaufvertrag wird die Prämie abgezogen und der Händler rechnet dann mit den zuständigen Behörden ab“, erklärt ZDF-Auto-Experte Lothar Becker.

Für wen lohnt sich ein Elektroauto?

Wer zurzeit überlege, ein Pendlerauto zu kaufen und nicht mehr als 50 Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt wohne, könne den Kauf eines Elektroautos in Erwägung ziehen, so Autoexperte Becker. „Eine Reichweite von 150 Kilometern schaffen heute schon alle Modelle.“ Der Gesetzentwurf sieht auch eine Steuerbefreiung für das Laden am Arbeitsplatz vor. „Das heißt, man bekommt von seinem Arbeitgeber kostenlos Strom und muss diesen sogenannten geldwerten Vorteil nicht versteuern. Bisher sind nur 44 Euro steuerfrei. Das reicht für Pendler mit längeren Strecken noch nicht“, sagt Lothar Becker und ergänzt: „Wenn der Weg zur Arbeit kostenlos wird, dann ist das doch ein enormer Anreiz.“

Außerdem soll es eine Sonderabschreibung für Elektrofahrzeuge und Ladesäulen im betrieblichen Bereich geben. „Das bedeutet zum Beispiel, dass eine Firma, die ein Elektroauto kauft oder eine Ladesäule installiert, die entstehenden Kosten bereits im ersten Jahr zur Hälfte steuerlich geltend machen kann“, so Becker. Da die meisten Neuwagen in Deutschland gewerblich gekauft werden, werde dies der Meinung Lothar Beckers nach, einen noch größeren Effekt haben als die Kaufprämie.

Antrieb der Zukunft?

Zapfsäule für Elektroautos
Der Gesetzentwurf beinhaltet steuerfreies Laden am Arbeitsplatz. Quelle: imago/Hoch Zwei Stock/Angerer

Kritisiert wird die Prämie unter anderem von Umweltverbänden, die darin eher einen Anreiz für die Industrie sehen, als eine Investition in die langfristige Verbesserung der Verbrennungsmotoren. Lothar Becker: „Wir sprechen bei der Einführung des Elektroautos über nicht weniger als die Neuerfindung des Automobils. So wie wir es heute kennen, wird das Auto in einigen Jahren nicht mehr zu kaufen sein“, sagt der Experte und vergleicht dies mit der Evolution des Handys. „Ein Handy hatte zu Zeiten des ersten Booms Ende der Neunzigerjahre noch Tasten. Heute hat kaum noch jemand ein solches Tastenhandy.“ Diese Entwicklung habe auch zur Folge gehabt, dass der damalige Marktführer, der der Meinung war, es werde nie Handys ohne Tasten geben, heute fast keine Rolle mehr am Markt spiele.

„Wenn die deutschen Hersteller seit Jahren predigen, dass der Verbrenner noch viele Jahre der am weitesten verbreitete Antrieb sein wird, dann kann man für sie nur hoffen, dass sie nicht dasselbe Schicksal ereilt wie den ehemaligen Handy-Marktführer“, folgert Becker und gibt zu bedenken, dass es nicht einfach sei, eine Branche mit 800.000 Mitarbeitern mal eben umzustellen. „Wenn wir keine Motoren mehr brauchen, benötigen wir auch keine Werke mehr, keine Wartung, keine Ersatzteile.“ Im Ausland hofften die Hersteller noch darauf, Millionen von Autos mit Verbrennungsmotor zu verkaufen, weil sie mit den etablierten Antrieben viel mehr Geld verdienten als mit den neuen, so Becker.

Wer profitiert von der Prämie?

Von der Prämie werden alle Hersteller profitieren, die in Großserien Elektroautos produzieren. „Bei den deutschen Herstellern wird sich dies auf die Sparte der Hybridmodelle konzentrieren", sagt Lothar Becker. Seiner Meinung nach werde die Prämie die Krise der Dieselmotoren eher verschärfen und damit die deutsche Automobilbranche ins Mark treffen. „Jedes zweite Auto, das zurzeit in Deutschland gekauft wird, ist ein Diesel. Sein Umweltimage ist angekratzt, es drohen Fahrverbote in Innenstädten. Wenn er jetzt auch noch seinen Ruf als Sparwunder verliert, dann gibt es kaum noch einen Grund, einen Diesel zu kaufen. Das ist ein Super-GAU für die deutschen Autobauer. Ich glaube nicht, dass die Hersteller glücklich mit der Prämie sind – allenfalls damit, dass sie erst jetzt kommt und nicht schon vor einigen Jahren, als das Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 ausgegeben wurde“, sagt Lothar Becker.

Eine Steuerverschwendung sieht Lothar Becker in der Elektroauto-Prämie nicht: „Die Regierung schafft mit ihren 2000 Euro einen Kaufanreiz, die andere Hälfte kommt ja vom Hersteller. Zudem kassiert der Staat für jedes gekaufte Auto 19 Prozent Mehrwertsteuer. Das ist ein Plus-Geschäft.“ Gleichzeitig sei das Elektroauto gut für die Luft in den Städten – vor allem im Stau oder an Ampeln würden dann keine Abgase in die Luft geblasen. „Bis die deutschen Hersteller Modelle verkaufen, die als reine Elektroautos konzipiert wurden, dürften aber noch zwei Jahre ins Land gehen“, schätzt Lothar Becker.

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