Wenn Eltern keine Eltern mehr sein können

Kinder psychisch kranker Eltern sind schwer belastet

Verbraucher | Volle Kanne - Wenn Eltern keine Eltern mehr sein können

Kinder psychisch kranker Eltern haben ein schweres Los gezogen, denn sie sind extremen Belastungen ausgesetzt. Je nach psychischer Erkrankung können die Eltern nicht einmal mehr den Haushalt erledigen – geschweige denn, sich um ihre Kinder kümmern.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.10.2018, 09:05

In Deutschland werden jährlich circa drei Millionen Kinder mit einer psychischen Erkrankung eines Elternteils konfrontiert und knapp 180.000 Kinder müssen miterleben, wie Vater oder Mutter wegen einer psychischen Erkrankung stationär behandelt werden. Untersuchungen haben ergeben, dass die meisten Kinder davon ausgehen, dass sie die einzigen sind, die sich in dieser Ausnahmesituation befinden – über die sie mit niemandem sprechen können. Damit besteht das Risiko, dass diese Kinder selbst psychisch erkranken, denn oft halten sie sich selbst oft für den Auslöser der Erkrankung ihrer Eltern und entwickeln Schuldgefühle, was auch zur Entstehung einer Depression führen kann. Der Faktor, dass Kinder psychisch Erkrankter selbst eine psychische Störung entwickeln, ist im Vergleich zur Gesamtbevölkerung um das Zwei- bis Zehnfache erhöht. Grund hierfür ist, dass lange niemand für die betroffenen Kinder zuständig war. Es gab keine richtige Betreuung, man wurde erst aufmerksam, wenn sich bei den Kindern selbst eine psychische Störung manifestiert hatte.

Mehr Betreuungseinrichtungen für Kinder

Inzwischen hat sich diese Situation der Unterversorgung in Deutschland allerdings grundlegend verändert und es gibt vielerorts spezielle Kindersprechstunden und Betreuungsangebote, die sich an Kinder psychisch kranker Eltern richten. Seit der Jahrtausendwende haben sich in Deutschland über hundert Initiativen gebildet, die ausschließlich auf das Wohl der Kinder psychisch kranker Eltern ausgerichtet sind.

In diesen Einrichtungen lernen die Kinder in Gesprächen die Erkrankung ihrer Eltern zu verstehen und erfahren vor allem, dass sie nicht Schuld daran sind. Zudem lernen sie offen über die psychische Erkrankung ihrer Eltern zu sprechen und diese als Teil ihres Lebensumfelds zu akzeptieren. Die Praxis konnte zeigen, dass viele der Kinder oft Lügenmärchen erfinden, die sie in ihrem sozialen Umfeld wie Freunden, Schulkameraden und Lehrern gegenüber äußern, um eine „heile Welt“ aufrecht zu erhalten: So erzählen Kinder zum Beispiel, dass ihre Mutter oder der Vater wegen einer Herzerkrankung ins Krankenhaus musste, statt offen darüber zu reden, dass ein psychisches Leiden der eigentliche Grund ist.

Psychologisch präventives Betreuungsangebot für Kinder

Das psychologisch präventive Betreuungsangebot für Kinder psychisch kranker Eltern umfasst in aller Regel neben Einzelsprechstunden auch das Treffen betroffener Kinder in Gruppen. Hier können sie sich austauschen und lernen, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind. Außerdem umfassen die Betreuungsangebote spielerische Aktivitäten, wie beispielsweise Ausflüge zu Kinderspielplätzen oder Hochseilgärten sowie kreative Workshops, bei denen einzig und allein das Kindeswohl im Vordergrund steht. Wichtig ist, das Selbstwertgefühl der Kinder zu stärken und ihnen Freizeitaktivitäten zu ermöglichen, die aufgrund der Erkrankung ihrer Eltern wegfallen.

Untersuchungen konnten zeigen, dass durch die spezielle Betreuung das Risiko, dass Kinder selbst psychisch erkranken, minimiert werden konnte und dass die Kinder ähnlich gute Entwicklungschancen haben wie Kinder von gesunden Eltern. Das entscheidende Ergebnis bei der Betreuung von Kindern psychisch kranker Eltern ist, dass die Betreuung präventiv ausgerichtet ist und nicht erst dann greift, wenn sich bei den Kindern bereits psychische Störungen entwickelt haben. Die präventive Betreuung Kinder psychisch kranker Eltern ist allerdings noch immer nicht flächendeckend etabliert und weder im Rahmen des Gesundheitsvorsorgesystems noch im Rahmen der Jugend- und Sozialhilfe regelhaft abgedeckt, sondern wird über zeitlich begrenzte Sondermittel finanziert. Stattdessen bieten private Präventionsinitiativen ihre Dienste an, von denen jedoch viele aufgrund auslaufender Finanzierung eingestellt werden. Doch es gibt auch Gegenbeispiele, wie am Bezirkskrankenhaus Augsburg, wo das Stundenkontingent für Kinder psychisch kranker Eltern verdoppelt wurde.

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