Krank am Strand

Jens Niehl über Krankheit im Urlaub

Verbraucher | Volle Kanne - Krank am Strand

Jens Niehl, Fachanwalt für Arbeitsrecht erklärt, wie man am besten reagiert, wenn man im Urlaub krank wird.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 15.07.2017, 14:00

Jens Niehl, Fachanwalt für Arbeitsrecht, erklärt, warum Arbeitnehmer, die im Urlaub krank werden, umgehend ihre Arbeitgeber informieren sollten.

Wenn man im Urlaub krank wird, werden die Krankheitstage nicht vom Jahresurlaub abgezogen. Jedenfalls nicht, wenn die Krankheit mit einem ärztlichen Attest belegt werden kann. Jens Niehl, Fachanwalt für Arbeitsrecht: „Der Urlaub dient zur Erholung. Wer im Urlaub krank wird, kann sich nicht erholen.“ Das bedeute allerdings nicht, dass der Arbeitnehmer den laufenden Urlaub eigenmächtig um die durch Krankheit weggefallenen Tage verlängern könne: „Dies müsste zuvor mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden, der den ‚neuen‘ Urlaub gewähren muss.“

Insbesondere bei Erkrankungen während eines Auslandsurlaubs sei der Arbeitnehmer verpflichtet, seinen Arbeitgeber unverzüglich darüber zu informieren: „Die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer müssen in der schnellstmöglichen Art der Übermittlung mitgeteilt werden. Das gilt bereits vom ersten Tag an. Zudem muss der Arbeitnehmer die Adresse am Aufenthaltsort mitteilen.“ Wichtig sei es zudem, die Krankheit von einem Arzt attestieren zu lassen – wobei hier Folgendes zu beachten sei: „Krankheit und Arbeitsunfähigkeit bedeuten nicht das Gleiche. Demgemäß reicht eine Mitteilung nicht, in der eine Krankheit bescheinigt wird. Die Bescheinigung muss erkennen lassen, dass aufgrund einer Krankheit eine Arbeitsunfähigkeit festgestellt wurde.“

Wenn man im Ausland krank wird, solle man außerdem umgehend die Krankenkasse informieren, so Niehl weiter. Und noch vor Reiseantritt gelte es zu prüfen, ob diese überhaupt einen ausreichenden Auslandskrankenversicherungsschutz gewährt: „Bei Krankheiten oder Verletzungen im Ausland können erhebliche Kosten anfallen, die von der normalen gesetzlichen Krankenversicherung oder auch der privaten Krankenversicherung nicht übernommen werden.“ Wobei es in diesem Zusammenhang auch auf das Reiseziel ankomme: „Bei Reisen ins EU-Ausland ist eine Grundsicherung über die gesetzliche Versicherung gegeben. Aber auch hier können Probleme auftreten, beispielsweise wenn der Rücktransport nicht hinreichend versichert ist. Diesen wird die Versicherung in der Regel schon deshalb nicht tragen, weil aus EU-Ländern ein Rücktransport aus medizinischen Gründen nicht erforderlich sein wird.“ Noch wichtiger sei eine gründliche Überprüfung der Versicherungskonditionen bei Reisen in die USA: „Hier sind die Behandlungskosten sehr hoch und bei einem nicht ausreichenden Versicherungsschutz selbst zu tragen; der Rücktransport wäre extrem teuer.“

Vergleichsweise preiswert

Recht preiswert seien im Vergleich dazu die Auslandskrankenversicherungen: „Vernünftige Versicherungen sind schon ab circa zehn Euro für Einzelpersonen und ab circa 20 Euro für Familien pro Jahr zu haben.“ Im Leistungsumfang würden die einzelnen Versicherungen sich allerdings stark unterscheiden, wie Niehl mit folgenden Beispielen verdeutlicht: „Wenn ein kleines Kind im Ausland krank wird und dort im Krankenhaus behandelt werden muss, sind dann auch die Kosten für die Übernachtungen eines Elternteils im Krankenhaus mitversichert? Oder umgekehrt, was ist, wenn die Kinder untergebracht werden müssen, weil die Begleitung im Krankenhaus liegt?“ Diese und ähnliche Fragen solle man vor Reiseantritt klären: „Zu den Leistungen der einzelnen Anbieter gibt es viele Tests, die leicht im Internet zu finden sind.“

Bevor man eine solche Auslandskrankenversicherung abschließt, solle man allerdings prüfen, ob man nicht schon versichert ist, ohne es zu wissen: „Häufig ist man über die Kreditkarte oder einen Automobilklub auslandskrankenversichert.“

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