Krankenkassen: raus und rein

Krankenkassenwechsel nach Beitragserhöhung

Verbraucher | Volle Kanne - Krankenkassen: raus und rein

Die gesetzlichen Krankenkassen werden teurer - ein guter Grund, um die Kasse zu wechseln. Regina Behrendt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erklärt, wie der Wechsel reibungslos klappt.

Beitragslänge:
5 min
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Video verfügbar bis 22.01.2017, 14:00

Regina Behrendt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erklärt, worauf man achten sollte, wenn man die gesetzliche Krankenkasse wechseln möchte.

Rund zwei Drittel der gesetzlichen Krankenkassen haben zum Jahreswechsel ihre Beiträge erhöht – im Schnitt sind die Zusatzbeiträge um 0,2 Prozent gestiegen. Der durchschnittliche Beitragssatz liegt somit insgesamt bei 15,7 Prozent – wobei der niedrigste sich auf 14,6 Prozent beläuft und der höchste auf 16,3 Prozent.

Ein Wechsel der Krankenkasse kann sich also lohnen – und ist bei einer anstehenden Beitragserhöhung auch sofort möglich, wie Regina Behrendt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen betont: „Da greift nämlich ein Sonderkündigungsrecht.“ Allerdings sei dabei ein Zeitfenster zu beachten: „Spätestens bis zum Ablauf des Monats, in dem die Krankenkasse einen Zusatzbeitrag zum ersten Mal erhebt oder ihn erhöht, müssen Sie die Kündigung einreichen. Die Kündigung ist dann zum übernächsten Monat wirksam – wenn Sie jetzt im Januar kündigen, können Sie Anfang April zur neuen Kasse wechseln.“ Wer schon länger als 18 Monate bei einer Krankenkasse versichert sei, habe hingegen keinerlei Zeitfenster zu beachten: „Dann kann man jederzeit kündigen und muss sich keinen Stress machen.“ Auch die Anzahl der Krankenkassenwechsel sei nicht begrenzt, solange man jeweils die 18-monatige Sperrfrist einhalte.

Krankenkasse als Pflichtversicherung

Wie man bei einem Wechsel vorgehen sollte, beschreibt Behrendt so: „Meine Kündigung schicke ich mit Geburtsdatum und Versicherungsnummer per Post an die alte Kasse. Spätestens nach 14 Tagen sollte mir der Austritt schriftlich bestätigt werden.“ Diese Bestätigung sei dann die „Eintrittskarte“ in die neue Krankenkasse: „Bei der kann ich ganz einfach online einen Mitgliedsantrag stellen – das ist in wenigen Minuten erledigt. Mit der Mitgliedsbescheinigung kann man dann seine neue Kasse gegenüber dem Arbeitgeber nachweisen. Der Versicherungsschutz besteht ab Beginn der Mitgliedschaft; die Versichertenkarte bekommt man ein paar Wochen später zugeschickt.“ Sorgen, dass „der Wechsel nicht glatt läuft und man unterwegs verloren geht“, seien unbegründet: „Die Krankenversicherung ist eine Pflichtversicherung; die Kündigung kann nur wirksam werden, wenn man in der neuen Kasse versichert ist.“ Wichtig sei allerdings, dass man bis zum Wechsel in die neue Krankenkasse die erhöhten Beiträge an die alte Krankenkasse bezahle – „egal, ob man damit glücklich ist oder nicht.“

Im Gegensatz zu privaten Krankenkassen, gibt es bei gesetzlichen Krankenkassen vor dem Neueintritt keine „Gesundheitsprüfung“ – eine Verweigerung der Versicherung wegen einer chronischen Krankheit ist somit ausgeschlossen. „Einziger Grund für eine Ablehnung wäre, wenn die Krankenkasse nur für ein gewisses Klientel geöffnet ist. Es gibt immer noch sogenannte Betriebskrankenkassen, bei denen der Zutritt an die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Betrieb oder einer bestimmten Branche gekoppelt ist. Alle anderen gesetzlichen Krankenkassen müssen jeden aufnehmen und dürfen nicht nach der Krankengeschichte oder dem Verdienst fragen“, sagt die Expertin.

Zusatzbeiträge vergleichen

Um herauszufinden, ob sich ein Krankenkassenwechsel finanziell überhaupt lohnt, müsse man natürlich vor allem rechnen, sagt Behrendt: „Wie viel ich sparen kann, hängt davon ab, inwieweit sich der Zusatzbeitrag der alten vom Zusatzbeitrag der neuen Kasse unterscheidet.“ Folgendes Beispiel führt sie an: „Es gibt in Deutschland eine Krankenkasse, die tatsächlich keinen Zusatzbeitrag erhebt – die Metzinger BKK. Die ist allerdings nur regional in Baden-Württemberg verfügbar. Die teuerste Kasse, die bundesweit aktive Viactiv Krankenkasse, erhebt einen Zusatzbeitrag von 1,7 Prozent. Wenn ich also wissen will, was ich bei einem Wechsel sparen kann, muss ich mein Bruttoeinkommen und den Unterschied zwischen den verschiedenen Zusatzbeiträgen berücksichtigen.“

Allerdings sollte man die Wahl der Krankenkasse nicht ausschließlich von der Beitragshöhe abhängig machen. Denn auch wenn die Grundleistungen alle gleich sind, so gibt es doch Unterschiede bei den Extraleistungen: So werben einige Kassen mit der Übernahme von alternativen Therapieformen, bestimmten Impfungen oder speziellen Medikamenten um neue Kunden. Darüber hinaus unterscheiden sich die Krankenkassen bei Infrastruktur und Service – beispielsweise gibt es nicht immer Filialen vor Ort, medizinische Hotlines oder Pflegeberatung. Dazu sagt Behrendt: „Das kann für den einen oder anderen eine wichtige Sache sein und bei der Entscheidung eine Rolle spielen.“

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