Krankhaftes Schwitzen

Nur bei hohem Leidensdruck sollte man operieren

Verbraucher | Volle Kanne - Krankhaftes Schwitzen

Wer grundlos und ohne größere Anstrengung unnatürlich viel schwitzt, leidet unter Hyperhidrose. Auch Jutta Giovo ist von der Krankheit betroffen.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.09.2017, 14:00

Schwitzen ist eine notwendige, natürliche Körperfunktion und reguliert die Körpertemperatur. Manche Menschen schwitzen jedoch übermäßig stark, um die Körpertemperatur konstant zu halten. Dabei handelt es sich um eine krankhafte Störung, die psychisch stark belastet.

Allgemeines Schwitzen ist eine wichtige Funktion des Körpers, denn das Schwitzen dient der Thermoregulation des Körpers und beugt damit einer Überhitzung vor. Indem der Schweiß verdunstet, wird dem Körper Wärme entzogen. Wer wie viel Wasser verliert, hängt von unterschiedlichen Bedingungen ab. Ein gesunder Mensch verliert beim Schwitzen ohne körperliche Anstrengung bis zu zwei Liter Wasser. Schwitzen Menschen auch ohne körperliche Anstrengung sehr plötzlich und sehr viel mehr als zuvor, kann eine Hyperhidrose vorliegen. Dabei unterscheidet man verschiedene Arten: Zum einen die primäre Hyperhidrose. Sie hat keine Vorerkrankung zur Ursache. Anders ist das bei der sekundären Hyperhidrose. Sie entsteht meist als Folgeerkrankung einer anderen Krankheit. Das können zum Beispiel eine Schilddrüsenerkrankung im Rahmen einer Hormonstörung sein, neurologische Erkrankungen, Bluthochdruck oder Infektionskrankheiten. Des Weiteren unterscheidet man die Hyperhidrose auch nach dem Ort der betroffenen Regionen. Schwitzt der Betroffene vermehrt am ganzen Körper, spricht man von einer generalisierten Hyperhidrose. Sind nur einzelne Körperteile oder – Partien betroffen, wie zum Beispiel Hände, Füße oder Achseln, liegt eine lokale Hyperhidrose vor.

Symptome und Ursachen

Häufig berichten Patienten von ersten Symptomen im Kindes- und Jugendalter. Sie äußern sich durch vermehrtes Schwitzen an Händen, Füßen, an Kopf oder Stirn, unter den Achseln oder am ganzen Körper. Betroffene sind oft sehr stark in ihrem Alltag eingeschränkt und empfinden ein hohes Schamgefühl. Oftmals ziehen sie sich aus ihrem persönlichen Umfeld zurück und haben nur noch wenige soziale Kontakte.

Die Ursachen der Hyperhidrose sind nicht vollständig geklärt. Tritt die vermehrte Schweißproduktion als primäre Hyperhidrose auf, entsteht sie plötzlich ohne erklärbare Ursache. Bei der sekundären Hyperhidrose sind oft Hormon- oder Stoffwechselstörungen die Ursache für die krankhaft erhöhte Schweißproduktion.

Schweißmenge messen

Stellen Betroffene fest, dass sie vermehrt schwitzen, sollten sie sich von einem Mediziner beraten lassen. Die Hyperhidrose muss dann medizinisch behandelt werden, wenn Betroffene in ihrem Alltag durch die Krankheit stark eingeschränkt sind. Zunächst misst der Arzt die Schweißmenge, indem er saugfähiges Papier auf die betroffenen Körperareale legt. In einem Vorher-Nachher-Vergleich kann er wiegen, wie viel Flüssigkeit das Papier pro Minute aufgenommen hat.

Iontophorese, Wasserbad mit schwachem Gleichstrom
Iontophorese: Wasserbad mit schwachem Gleichstrom Quelle: ZDF

Soll festgestellt werden, wo der Patient am meisten schwitzt, wendet der Dermatologe einen Jod-Stärke-Test an. Zunächst wird die betroffene Stelle getrocknet, um anschließend eine spezielle Jodlösung daraufzugeben. Nachdem die Lösung getrocknet ist, wird Stärkepulver daraufgestreut. Infolge einer chemischen Reaktion färben sich die Stellen, an denen der Patient am meisten schwitzt, schwarz. Anschließend werden die Therapiemaßnahmen festgelegt.

Deo und Iontophorese

Betroffene können zunächst auf Deodorants zurückgreifen, die Aluminiumchlorid enthalten. Diese standen zwar in der letzten Zeit immer wieder in der Diskussion und wurden teilweise aus Supermärkten und Drogerien entfernt, allerdings überwiegen in der Therapie der Hyperhidrose die Vorteile der Aluminiumchlorid-Deos: Es blockiert die Schweißdrüsen und beugt so einer Schweiß- und Geruchsbildung vor.

Eine lokale Hyperhidrose an den Füßen oder Händen wird oft mithilfe einer Iontophorese behandelt. Dabei werden Hände oder Füße in eine mit Wasser gefüllte Schale gelegt. Darin sind zwei Elektroden platziert, die das Wasser ionisieren und damit die Funktion der Schweißdrüsen hemmen sollen.

Botox gegen Schwitzen

Eine weitere Therapiemaßnahme ist die Injektion von Botulinumtoxin. Das Nervengift hemmt die Übertragung von Nervenimpulsen und reduziert so die Produktion von Schweiß. Die Wirkung setzt sofort ein, hält aber nur ein paar Monate an und sollte deshalb zwei Mal im Jahr aufgefrischt werden. Da die Injektion als kosmetische Operation gilt, übernehmen viele Krankenkassen die Kosten für diese Behandlung nicht. Erst wenn eine pathologische Hyperhidrose, das heißt eine Schweißmenge von mehr als 50 Milligramm pro Minute pro Achselhöhle, diagnostiziert wird, zahlen die Kassen. In sehr schweren Fällen der Hyperhidrose im Bereich der Achseln raten Ärzte zur Schweißdrüsen-Entfernung der betroffenen Areale in einer Operation. Dabei werden die Schweißdrüsen entweder aus dem Gewebe geschnitten, ausgeschabt oder mit speziellen Instrumenten abgesaugt.

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