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Wie heilt ein Kreuzbandriss am besten?

Physiotherapie vs. Operation

Verbraucher | Volle Kanne - Wie heilt ein Kreuzbandriss am besten?

100.000 Menschen erleiden die folgenschwere Verletzung hierzulande pro Jahr. Ist das Kreuzband einmal gerissen, wächst es meist nicht wieder zusammen. Mediziner streiten über die richtige Heilungsmethode - OP oder Physiotherapie?

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 25.02.2020, 09:05

Meistens handelt es sich bei Kreuzbandrissen um Sportunfälle. Ursachen sind oft unkontrollierte Landungen, abruptes Abbremsen und Drehbewegungen im Knie. Typisch ist ein Drehen des Unterschenkels nach außen – was schnell zu einem Riss der Bänder führt. Typische Sportarten, bei denen Kreuzbandrisse häufiger vorkommen, sind unter anderem Fußball, Handball, Skifahren oder Tennis.

Unterschiedliche Behandlungsansätze

Kreuzbandplastik

Das gerissene Kreuzband wird durch körpereigenes Gewebe – ein Sehnentransplantat – ersetzt.
Am häufigsten wird die Kniebeugesehne als Ersatz genommen, um das Kreuzband zu rekonstruieren. Nach dem Einsetzen wandelt sich die eingesetzte Kniebeugesehne nach und nach in eine körpereigene Struktur um und besitzt dann eine vergleichbare Stabilität wie das ursprüngliche Kreuzband. Ebenfalls eignet sich ein Teil der Kniescheibensehne als Ersatz. Der Eingriff wird heute minimal invasiv durchgeführt und dauert in der Regel zwischen 35 und 50 Minuten.

Zu empfehlen ist die Methode vor allem für Leistungssportler. Aber auch ehrgeizige Hobbysportler oder Menschen, die im Beruf körperlich anspruchsvoll arbeiten, können davon profitieren. In der Regel kann man vier Wochen nach der Operation wieder in seine Arbeit zurückkehren, nach zwei Monaten wieder draußen Radfahren und nach sechs bis acht Monaten Sportarten wie Fußball oder Skifahren ausüben.

Die Kreuzbandnaht

Es handelt sich vom Prinzip her um ein altes Verfahren, das lange Zeit nicht mehr durchgeführt wurde und seit 2014 in modernem Gewand präsent ist, diskutiert und auch eingesetzt wird.

Kreuzbandriss bei Profisportler
Profifußballer Quirin Moll wird nach Kreuzbandriss vom Platz begleitet.
Quelle: imago / Oryk HAIST

Vereinfacht sieht das Prinzip so aus: Das gerissene vordere Kreuzband wird mit einem speziellen Nahtsystem an die entsprechende Ansatzstelle gezogen und dort befestigt. Man „repariert“ also das gerissene Kreuzband, näht es quasi wieder zusammen. Dazu sind unter anderem zwei Bohrungen im unteren und oberen Kniegelenk notwendig, um das Nahtsystem zu befestigen. Der große Vorteil der Methode: Man muss keine Sehne an anderer Stelle entnehmen, was den Eingriff viel kleiner und die Erholungsphase deutlich kürzer macht. Ein wesentlicher Nachteil dieser Methode ist, dass der Zeitraum, in der das Annähen möglich ist, sehr kurz ist, nämlich nur 21 Tage. Außerdem darf das Kreuzband nicht in der Mitte durchgerissen und auch nicht komplett zerstört sein. Zumindest ein Teil des Rumpfes muss noch vorhanden sein. Vor allem diese Einschränkungen sind dafür verantwortlich, dass die Methode aktuell noch sehr selten angewandt wird. Die Stabilität wird momentan als gut und vielversprechend, aber nicht ganz so hoch wie bei der Kreuzbandplastik bewertet. Die Methode ist für Patienten mit mittlerer sportlicher, körperlicher Aktivität geeignet.

Konservative Therapie

Für normale Alltagstätigkeiten ist ein gerissenes Kreuzband keine große Einschränkung. Man braucht für einen weniger aktiven, weniger sportlichen Lebenswandel an für sich gar kein Kreuzband. Man kann daher bei einem Kreuzbandriss auch komplett auf eine Operation verzichten und sich konservativ behandeln lassen. Das heißt: Nachdem die Verletzung im Knie abgeklungen ist (in der Regel nach wenigen Wochen) erst mit Physiotherapie und dann gezieltem Training die Muskulatur stärken und so wieder für Stabilität im Knie sorgen.

Sportarten wie Schwimmen, Rad fahren oder Joggen sind nach drei Monaten auch ohne chirurgischen Eingriff in der Regel problemlos wieder möglich, wenn man es nicht übertreibt. Wichtige Einschränkung: Die konservative Methode ist nur möglich, wenn kein zusätzlicher Meniskus- oder Knorpelschaden vorliegt.

Fazit

Welche Behandlung die richtige ist, muss in jedem Einzelfall individuell in einem Gespräch geklärt werden, je nach körperlichem Anspruch und Grad der Verletzung.

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