Von Legenden und echten Tieren

Der Osterhase und seine wilden Geschwister

Ob zum Vernaschen oder als dekoratives Motiv - vor Ostern kann man den langohrigen Mümmelmännern nicht entkommen. Doch was hat Meister Lampe eigentlich mit Ostern zu tun? Um den Osterhasen ranken sich verschiedene Mythen. Wie der Hase zu den Eiern kam, lässt sich jedoch nicht ganz eindeutig sagen.

Mythen um den Osterhasen gibt es viele. Ein Erklärungsansatz hängt mit der starken Vermehrung von Hasen zusammen. Denn der Hase gilt, genau wie das Ei, als Sinnbild der Fruchtbarkeit und war einst auf österlichen Bilderboten zuweilen neben einem Ei zu sehen. Sowohl der griechischen Liebesgöttin Aphrodite als auch der germanischen Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin Ostera wurde ein Hase als heiliges Tier zugeordnet.

Aus weltlicher Sicht galt der Gründonnerstag als Termin, an dem Schuldner ihre Zahlungen an die Gläubiger leisten mussten. Es gibt Belege dafür, dass diese Schulden mit Eiern und Hasen beglichen wurden. Außerdem wurde der von Schulden freie Mann mit einem Hasen verglichen, der nicht vom Hund gehetzt wird. Dazu kommt die Tatsache, dass der an sich scheue Hase im Frühjahr zur Futtersuche in die Dörfer kam. In diesem Zusammenhang wurde ihm das Ablegen der Eier angedichtet. Ein weiterer Zusammenhang: Der Hase gilt als Mondtier und das Osterfest wird am ersten Sonntag des Frühlingsvollmondes gefeiert.

Flinke Wesen

Vielleicht musste der Hase auch nur für den Erklärungsnotstand der Erwachsenen herhalten. So ist der Brauch überliefert, dass Kinder von ihren Paten zum Suchen bunter Eier in den Garten eingeladen wurden. Doch wer hat sie versteckt? Eine Henne ist zu träge, um sich schnell genug aus dem Staub zu machen - und verzierte Eier kann sie auch nicht legen. So wurde der flinke Eier legende Hase geboren.

Als Eierlieferanten sollen evangelische Familien den Osterhasen ins Spiel gebracht haben. Auch sie verschenkten zu Ostern Eier, lehnten aber gleichzeitig die katholischen Bräuche Fasten und Eierweihe ab. Um sich zu distanzieren, ließen die Protestanten die Eier vom Osterhasen verstecken. Im 19. Jahrhundert setzte er sich auch in Deutschland durch. Zunächst hielt der Osterhase in den Städten Einzug. Die Landbevölkerung - besser vertraut mit der Natur - brauchte etwas länger, um von der Existenz des Osterhasen überzeugt zu werden. Als der dann etabliert war, hatte der kleine Hase die anderen Eier-Boten endgültig verdrängt: In einigen Regionen überbrachten nämlich zuvor Hahn, Kuckuck, Storch oder Fuchs die Ostereier.

Wildkaninchen und Feldhasen

Ein Hase sitzt versteckt in hoher Wiese
Ein Hase sitzt versteckt in hoher Wiese Quelle: dpa

Fruchtbar sind Wildkaninchen allemal: Sechs bis sieben Würfe im Jahr mit circa acht Jungen. Ursprünglich stammen die Wildkaninchen von der iberischen Halbinsel. Bereits im Mittelalter hielt man sie als Fleisch- und Felllieferanten. Haus- und Streicheltiere wurden sie erst Anfang des 20. Jahrhunderts.

Im Gegensatz zum Feldhasen sind Wildkaninchen kleiner und gedrungener. Sie bringen etwa ein bis zwei Kilo auf die Waage, der Feldhase ist mit fünf bis sechs Kilo ein anderes Kaliber. Als Fluchttier ist das Kaninchen durch seine Sinne geschützt: Durch die Stellung der Augen hat das Karnickel einen regelrechten "Panorama-Blick", zudem verfügt es über einen feinen Geruchssinn. Mit seinen beweglichen Ohren kann es leiseste Geräusche rundum orten. Die "längeren Löffel" hat dagegen der Hase. Im Gegensatz zum geselligen Kaninchen, das in Kolonien lebt, ist der Feldhase ein Einzelgänger.

Hände weg von Wildtieren

Ob vermeintlich verwaiste Feldhasen oder apathische Kaninchen - Wildtiere sollte man nie mit nach Hause nehmen. Immer wieder sammeln Spaziergänger Tiere ein, die von Hunden aufgestöbert werden - für Junghasen ein Todesurteil. Die Hasenkinder verharren zum Schutz vor Feinden in einer typischen Starrehaltung. In der Regel kehrt die Mutter zurück, doch von Menschen berührte Tiere werden nicht mehr angenommen. Die Aufzucht in Gefangenschaft gelingt nur sehr selten.

Keine Ostergeschenke

Über die Anschaffung eines Haustiers - egal ob Hund, Katze oder einen kleinen Nager - sollte nicht spontan entschieden werden. Alle Beteiligen - Eltern wie Kinder - sollten sich über die Bedürfnisse des Tieres informieren und gut überlegen, ob alle bereit sind Verantwortung zu übernehmen. Wer sich eigentlich einen Hund oder eine Katze wünscht, findet in einem Kaninchen keinen Ersatz.

Bei der artgerechten Haltung der nagefreudigen Kleinsäuger ist zu beachten: Kaninchen sind Lauftiere, die jeden Tag ihre Haken schlagen wollen. In der Wohnung herumlaufen sollten sie jedoch nur unter Aufsicht. Ob Möbel, Teppiche oder Stromkabel - vor ihren scharfen Zähnen ist nichts sicher. Am besten stellt man ihnen ein Gehege auf dem Balkon oder auf einem Stück Rasen zur Verfügung.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet