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Lieferengpässe bei Medikamenten

Die Liste der Medikamente, bei denen es Lieferprobleme gibt, wird von Jahr zu Jahr länger: 2013 betraf dies noch 42 Präparate, 2018 waren es bereits 268. Wie kommt es dazu? Medizinjournalist Dr. Christoph Specht erklärt die Hintergründe.

Beitragslänge:
9 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.11.2020

Der Bedarf an Arzneimitteln steigt weltweit. Jedoch produzieren immer weniger Hersteller in immer weniger Fabriken. Fällt eine davon aus, kann es zu Engpässen in der Versorgung kommen. Vor allem bei der Produktion in Billiglohnländern kann es zu Ausfällen kommen.

Die Hersteller wiederum machen die Politik verantwortlich, denn die gestattet Krankenkassen Rabattverträge mit den Herstellern auszuhandeln. Dies erzeuge einen Preisdruck, dem nicht alle Hersteller standhalten können. Somit werde eine Konzentration auf wenige Anbieter gefördert.

Vielfältige Ursachen

„Tatsächlich gibt es mehrere Gründe, man kann die Ursache nicht auf einen Mitspieler reduzieren“, sagt Medizinjournalist Dr. Christoph Specht. In vielen Fällen seien Mängel in der Produktion Ursache der Versorgungs- und Lieferengpässe. Um den Gewinn zu steigern, ließen Pharmaunternehmen die Wirkstoffe oft nur in Ländern wie Indien oder China produzieren. Dort seien sie zum Teil von einem einzigen Hersteller abhängig. „Kommt es zu Problemen in der Produktion, kann ein Medikament vorübergehend nicht mehr hergestellt werden und die Vorräte gehen weltweit rasch zur Neige“, führt er aus.

Darüber hinaus sei durch die Rabattverträge, die die Krankenkassen mit den Herstellern aushandeln dürfen, ein enormer Preisdruck auf die Hersteller entstanden, so Specht weiter. „Das erzeugt einen hohen Druck auf die Industrie.“ Die Folge ist, dass Rohstoffe möglichst günstig eingekauft werden, hauptsächlich in Indien, China oder Mexiko. „Wenn  da technisch etwas passiert oder es Hygieneprobleme gibt, zieht sich dies durch die ganze Lieferkette. Ansonsten hätten wir vermutlich kaum Lieferengpässe“, schätzt Christoph Specht.

Kaum Vorräte

Um Geld zu sparen, legen Arzneimittelhersteller kaum noch Vorräte an, sondern produzieren nur noch nach Bedarf. Und wenn die Produktion eines knappen Medikaments wieder anläuft, werden zunächst die Länder beliefert, in denen die Unternehmen die besten Preise erzielen.

Vor allem bei Medikamenten, für deren Wirkstoff das Patent abgelaufen ist, komme es zu Lieferengpässen, so Specht. Allerdings sei das Problem noch nicht wirklich gravierend: „Es gibt nur wenige extreme Fälle, bei denen es wirklich schlimm ist“, sagt er. Allerdings geht er davon aus, dass es diese Problematik noch viele Jahre geben werde, da sie ein Teil der Globalisierung sei.

Mit dem Arzt sprechen

Einen Geheimtipp, wie Patienten an ihre gewohnten Medikamente kommen, gebe es nicht, so Specht. „Ich kann nur raten, nicht panisch zu werden, wenn das Medikament mal nicht vorrätig ist.“ Man könne den Doktor oder Apotheker bitten herauszufinden, ob das Mittel anderweitig bezogen werden könne. Ansonsten müsse man sich ein anderes Präparat verschreiben lassen. In den meisten Fällen könne man auf ein anderes Medikament mit dem gleichen Wirkstoff von einem anderen Hersteller umsteigen.

Schwieriger werde es, wenn der Impfstoff nicht da ist, vor allem, wenn mit einem Impfzyklus schon begonnen wurde oder das Präparat nicht ausgetauscht werden könne, wie beispielsweise bei Schilddrüsenmedikamenten.

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