Um Geld und Gefühle betrogen

Mit Love-Scamming auf Opferjagd im Internet

Verbraucher | Volle Kanne - Um Geld und Gefühle betrogen

Mit "Romance-Scamming" versuchen derzeit zumeist aus dem Ausland agierende Täter einsamen Frauen ihre Liebe vorzugaukeln, um diese dann um ihr Geld zu bringen.

Beitragslänge:
9 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 25.10.2017, 14:00

Die Liebe fürs Leben zu finden, das ist der Wunsch von vielen Menschen. Besonders schön wird es, wenn dieser Wunsch endlich in Erfüllung zu gehen scheint. Umso bitterer ist dann das Erwachen, wenn sich herausstellt, dass der vermeintliche Idealpartner ein Betrüger ist, der es nur aufs Geld abgesehen hat. Love-Scamming heißt die Masche, die sich vor allem in Online-Dating-Portalen rasant ausbreitet.

Aus einem kurzen Chat mit einem Unbekannten wird eine lange Unterhaltung, es folgen Liebes-E-Mails, Telefonanrufe und SMS. Man tauscht Fotos aus und erzählt von bisher Erlebtem. Eigentlich könnte eine Liebesgeschichte genauso beginnen – wenn nicht die Identität des vermeintlichen Idealpartners frei erfunden wäre und dieser nicht die Geldbörse des Opfers zum Ziel hätte.

Psychologischer Druck

Love-Scamming scheint ein lukratives Geschäft zu sein: Über Online-Kontaktbörsen werden kurze Einladungen zum Chat verschickt. Geht der Empfänger darauf ein, versucht sich der Unbekannte am anderen Ende interessant zu machen, gibt sich als Geschäftsmann, Ingenieur oder Architekt aus. Die Fotos, die verschickt werden, zeigen ihn im besten Licht.

Die Betrüger schaffen es, sich im täglichen Leben ihrer Opfer unverzichtbar zu machen – ohne dass es jemals zu einem Treffen kommt. So folgt auf eine Liebes-Mail am Morgen ein kurzes Telefonat am Mittag, abends wird dann gechattet oder telefoniert. Dabei geht es anfänglich nicht um Geld.

Aufs Geld abgesehen

Online-Dating
Vorsicht beim Online-Dating Quelle: imago/Westend61

Das Geld wird erst zum Thema, wenn der Betrüger angeblich aus geschäftlichen oder familiären Gründen nach Westafrika reisen muss, dort in finanzielle Schwierigkeiten gerät und sein Opfer um Geld bittet (zum Beispiel wird angeblich der Pass konfisziert, er wird in einen Autounfall oder einen Überfall verwickelt oder ein Familienmitglied wird plötzlich schwer krank). Über Bargeldtransferdienstleister wie Western Union soll dann ein bestimmter Betrag möglichst schnell nach Westafrika geschickt werden.

Irgendwann werden die Geschichten dramatischer und es wird Druck aufgebaut, um an das Geld der Opfer zu gelangen. Die Forderungen werden immer höher und belaufen sich in der Regel auf sechsstellige Beträge. Eine Chance, das verlorene Geld wieder zu bekommen, gibt es kaum.

Organisierte Kriminalität

Love-Scamming – auch Romance Scamming genannt – bedeutet so viel wie Liebesbetrug oder Liebesmasche. Sowohl Frauen als auch Männer können Opfer dieser Masche werden. Dabei unterscheidet man zwischen Betrugsversuchen der Nigeria-Connection, die eher Frauen ins Visier nimmt, und dem sogenannten Russian Scam aus der Ukraine. Die dortigen Betrüger haben es eher auf Männer abgesehen. Die Masche ist dieselbe und die Betrüger sind ähnlich organisiert: In einer Art Callcenter sitzen viele Menschen, die nur damit beschäftigt sind, ihre Opfer anzuschreiben. Insofern kann man bei der Betrugsmasche von organisierter Kriminalität sprechen.

Insgesamt bringen Frauen diesen Betrug häufiger zur Anzeige als Männer. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer hoch ist, weil sich die Betrugsopfer schämen. Bei einer Anzeige wird der private E-Mail-Verkehr analysiert und dabei werden auch persönliche Sehnsüchte öffentlich. Das trauen sich nicht viele Menschen, selbst wenn sie finanziell ruiniert wurden.

Erpressung mit Sexbildern

Eine weitere Abzockmasche im Netz wird als Sextortion bezeichnet. Der Begriff setzt sich zusammen aus Sex und Extortion (Erpressung). Der Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger erklärt das Prinzip: „Demnach werden vornehmlich Männer durch Personen, die sich als attraktive Frauen ausgeben, dazu verleitet, entweder Masturbationsbilder oder -videos von sich zu übersenden oder während eines Livestreamings (zumeist über Skype) zu masturbieren.“ Die Täter drohen später damit, die Videos im Internet hochzuladen, wenn das Opfer nicht eine bestimmte Summe überweist.

Für die Anbahnung nutzen die Täter soziale Medien, nach einer Weile schlagen sie dann Cybersex vor. „Die Täter gehen häufig arbeitsteilig vor und sind typischerweise im Ausland angebunden – zumeist in afrikanischen Ländern wie zum Beispiel Nigeria. Faktisch kann durchaus angenommen werden, dass es ähnliche Tätergruppierungen sind wie im Bereich Phishing oder Spam“, so Rüdiger.

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