Frauenherzen ticken anders - auch in medizinischer Hinsicht

Von einer ischämischen Herzerkrankung sind in Deutschland Männer mehr als doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Es sterben allerdings insgesamt acht Prozent mehr Frauen als Männer an Herzkrankheiten. Warum?

5 min
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02.11.2020
02.11.2020
Video verfügbar bis 02.11.2021

Zwischen den Herzen von Männern und Frauen gibt es einige Unterschiede. Männerherzen etwa sind schwerer im Vergleich zum Körpergewicht. Bei ihnen rechnet man etwa 5,7 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, bei Frauen nur 4,8 Gramm pro Kilogramm. Um den Sauerstoffbedarf genauso gut zu decken, versucht das weibliche Herz dies durch einen schnelleren Herzschlag auszugleichen. Frauenherzen schlagen etwa 70-mal pro Minute, Männerherzen etwa 60-mal. Es gibt aber keine Hinweise darauf, dass der schnellere Puls dem Herzen von Frauen Schaden zufügt.

Männer erkranken, Frauen sterben dafür häufiger an Herzleiden

Männerherzen werden eher krank. Kardiologischen Diagnosen betreffen derzeit zu 57,8 Prozent Männer und zu 42,2 Prozent Frauen. Allerdings: Es sterben rund acht Prozent mehr Frauen als Männer daran. Das führen Experten am ehesten auf unterschiedliche Risikokonstellationen zurück.

Frauenherzen werden vor allem durch einen Diabetes mellitus oder Bluthochdruck in Mitleidenschaft gezogen, das dauert aber einige Zeit, mitunter Jahre, bis die sich gefährlich entwickeln. Bei Männern dominieren bei den schädlichen Einflüssen eher das Rauchen und hohe Cholesterinwerte. Diese beiden Faktoren greifen das Herz schneller an, führen aber (auch über andere Erkrankungen wie Lungenkrebs zum Beispiel) häufig zum vorzeitigen Tod. Das heißt, viele Männer erleben ihre Herzerkrankung gar nicht mehr, die Frauen dagegen schon, was sich in der Sterbestatistik niederschlägt.

Frauen haben oft unspezifische Symptome

Ein weiterer Punkt schlägt bei diesen Unterschieden zu Buche: Viele Frauen wissen nichts von ihrem Risiko bzw. nehmen mögliche Anzeichen für eine Erkrankung zunächst nicht ernst. Das liegt auch daran, dass sich gerade die Anzeichen für einen lebensbedrohlichen Herzinfarkt bei den Geschlechtern oft stark unterscheiden.

Die klassischen, bekannten Symptome, wie der heftige Schmerz hinter dem Brustbein, eventuell begleitet von einem Engegefühl und Schweißausbrüchen, findet man viel häufiger bei Männern. Infarkte bei Frauen machen sich eher durch Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Schmerzen zwischen den Schulterblättern oder auch Bauchschmerzen bemerkbar.

Typisch Frau: "Broken-Heart-Syndrom"

Im Hinblick auf die Ursachen akuter, Infarkt-typischer Beschwerden gibt es ebenfalls Abweichungen. Bei Männern ist es in der Regel ein typischer akuter Gefäßverschluss, der einen Infarkt auslöst. Das gibt es bei Frauen zwar auch, aber nicht selten liegt der Situation eine massive Ausschüttung von Stresshormonen, z.B. aufgrund eines traumatischen Erlebnisses zugrunde.

Diese Stresshormone können bei Frauen dazu führen, dass Teile der Herzwand ähnlich wie bei einem Infarkt gar nicht mehr funktionieren. Mediziner nennen das „Tako-Tsubo-Syndrom“, der Volksmund kennt es als „Broken-Heart-Syndrom“, also Syndrom des gebrochenen Herzens. Diese Erkrankung ist akut lebensgefährlich und bedarf intensiver Behandlung, sie heilt aber in vielen Fällen ohne Folgen aus, während die meisten „echten“ Infarkte Defekte am Herzgewebe hinterlassen.

Gebrochenes Herz

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Wie ein Herzinfarkt: Broken-Heart-Syndrom
 

Die Erkrankung sollte nicht unterschätzt werden.

Unterschiedliche Therapien bei Herzinfarkt

Die Therapie des Gefäßverschlusses beim Herzinfarkt erfolgt in der Regel über einen Herzkatheter. Dabei werden über eine Arm- oder Beinarterie filigrane Instrumente bis in die Herzgefäße vorgeschoben. Mit ihrer Hilfe wird das verschlossene Gefäß wiedereröffnet. In der Regel setzen die Ärzte dann noch einen Stent ein, um es dauerhaft offen zu halten.

Auch bei dieser Therapie sehen die Mediziner Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Die Gefäße der Männer sind meist kräftiger und robuster, bei den zarteren Gefäßen, die bei Frauen häufiger vorkommen, kann es leichter zu Verletzungen kommen. Außerdem sind bei ihnen oft sehr kleine Gefäße betroffen, die man im Katheter gar nicht sieht. Um sie zu entdecken, müssen die Kardiologen den Blutfluss messen. Diese sehr kleinen Gefäße lassen sich auch nicht mit einem Stent behandeln, die betroffenen Frauen müssen stattdessen Medikamente nehmen, die diese kleinen Gefäße entlasten und den Blutfluss verbessern.

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