Mandelentzündung - wann operieren?

Verbraucher | Volle Kanne - Mandelentzündung - wann operieren?

Sie gehört zu den Klassikern unter den Operationen bei Kindern: Die Entfernung der Rachenmandeln. „Volle Kanne“ erklärt, wann sie sinnvoll ist und was man danach beachten sollte.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.03.2018, 09:05

Der Mensch besitzt im weichen Gaumen zwei Mandeln, medizinisch auch als Tonsillen bezeichnet. Sie gehören zu den lymphatischen Organen und sind im Normalzustand etwa ein bis eineinhalb Zentimeter groß.

Die Mandeln dienen der Immunabwehr. Durch ihre Position kommen sehr viele Krankheitserreger an den Gaumenmandeln vorbei. Die sich dort befindenden weißen Blutkörperchen bilden viele unterschiedliche Antikörper und alarmieren die entsprechenden Abwehrzellen zur Bekämpfung des Erregers. Da die Abwehrfunktion gerade im Kindesalter ausgebildet wird, sind die Gaumenmandeln bei Kindern leicht vergrößert, weil sie besonders aktiv sind.

Entzündung der Mandeln

Bei einer Entzündung der Gaumenmandeln sind meist Viren oder Bakterien aus der Gruppe der Streptokokken Grund der Infektion. Generell muss man zwischen der akuten Tonsillitis und der chronischen Entzündung, die meist keine akuten Symptome zeigt, unterscheiden.

Bei einer akuten Mandelentzündung verschlechtert sich der Zustand der Patienten oft sehr schnell. Was mit einem leichten Kratzen, Halsschmerzen oder einer beschlagenen Stimme anfängt, kann sich schnell weiterentwickeln und schlimme Schluckbeschwerden auslösen. Betroffene sind dann oft stark eingeschränkt und haben Schmerzen beim Essen oder Trinken. Die Diagnose stellt ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt, der unter anderem mit Hilfe von Rachenabstrichen feststellt, ob und welche Infektion sich hinter den Beschwerden verbirgt. Bei einer chronischen Entzündung sind die Mandeln dauerhaft von Bakterien befallen.

Therapie mit Antibiotika

Mindestens siebzig Prozent der Mandelentzündungen werden durch Viren ausgelöst. Häufig kommt es aber zusätzlich zu einem bakteriellen Befall, der, im schlechtesten Verlauf, die Heilung verzögern und Auslöser für weitere Erkrankungen sein kann. Dann helfen Antibiotika, die Entzündung so gut es geht einzudämmen und den Heilungsverlauf zu beschleunigen.

Wichtig: Antibiotika müssen in jedem Fall richtig eingesetzt werden. Dabei kann ein Rachenabstrich helfen. Denn dadurch werden die entzündungsauslösenden Bakterien richtig bestimmt und das entsprechende Antibiotikum wird verabreicht. Wird ein falsches Antibiotikum verordnet, tritt keine Besserung ein. Im schlimmsten Fall besteht die Möglichkeit, dass Resistenzen entstehen, die auch andere Krankheitsverläufe beeinflussen können.

Mandeln entfernen?

Eine weitere Therapieoption ist die vollständige Mandelentfernung. Sie wird erst dann empfohlen, wenn Patienten mindestens sechs Mal im Jahr eine Mandelentzündung hatten, die antibiotisch behandelt werden musste.

Die Entfernung der Mandeln kann auch früher in Betracht gezogen werden, zum Beispiel, wenn Antibiotika nicht wirken oder wenn die Mandeln sehr groß sind und damit zu Luftnot oder Schluckproblemen führen. Auch wenn ein Abszess an den Gaumenmandeln diagnostiziert wird, ist die Entfernung meist unumgänglich.

Bei einem Eingriff

Wenn man die Mandeln entfernt, versucht der Operateur die Anatomie des Weichgaumens zu belassen und die Mandeln vorsichtig aus dem Mandelbett zu lösen. Da die Mandeln von vielen, kleinen arteriellen Blutgefäßen versorgt werden, ist es möglich, dass bei der Entfernung unabsichtlich zu viele umliegende Blutgefäße verletzt werden. Deshalb ist besonders in den ersten 24 Stunden das Nachblutungsrisiko erhöht. Wundinfektionen müssen unbedingt vermieden werden, weil die Mundhöhle kein steriler Raum ist. Die Wunde wird konstant mit Speichel umspült.

Ärzte sind auch auf die Hilfe von Patienten angewiesen. Sobald Blutbeimengungen im Speichel festgestellt werden, sollte man ärztliche Hilfe aufsuchen oder den behandelnden HNO-Arzt kontaktieren.

Was nach der OP zu beachten ist

Wichtig: Nach der Mandelentfernung sollten alle Tätigkeiten vermieden werden, die zu einer Gefäßerweiterung (zum Beispiel heißes Duschen) führen und damit das Nachblutungsrisiko erhöhen können. Auch Sport ist für die ersten Wochen nach der Operation erstmal tabu.

Direkt nach der Operation gilt: Sich schonen und viel trinken, um die Wunde zu spülen. Für etwa zwei Wochen sollte man keine stark gewürzten, säurehaltigen oder heißen Getränke oder Speisen zu sich nehmen, kein Obst essen, keinen Alkohol oder Kaffee trinken und keine Schmerzmittel einnehmen, die Acetylsalicylsäure enthalten. Denn letztere wirken blutverdünnend – und damit blutungsfördernd.

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