Lösungen finden mit Mediation

Gemeinsam Konflikte beilegen

Verbraucher | Volle Kanne - Lösungen finden mit Mediation

Ein Gerichtsprozess ist für alle Beteiligten sehr belastend. So mancher Streit lässt sich auch mit einer Mediation beilegen. Mediatorin Victoria Riedel erklärt, worauf es dabei ankommt.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.01.2017, 14:00

Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, eine Scheidung, Erbstreitigkeiten oder Verzögerungen beim Hausbau: Viele Konflikte können per Mediation gelöst werden. Meist kann man so schneller und kostengünstiger eine einvernehmliche Lösung finden, als wenn die Parteien vor Gericht ziehen würden. „Volle Kanne“ zeigt, worauf es bei einem Mediationsprozess ankommt.

Die Mediation ist ein freiwilliges Verfahren, mit dem ein Konflikt außergerichtlich beigelegt werden soll. Der Mediator vermittelt dabei zwischen den zerstrittenen Parteien. Gemeinsam wird versucht, eine für alle Parteien akzeptable Lösung zu finden. Anders als bei einem Gerichtsprozess werden bei einer Mediation auch persönliche Hintergründe, Interessen und Ziele der streitenden Parteien in die Lösungsfindung einbezogen. „Am weitesten verbreitet ist die Mediation bei Familienangelegenheiten“, berichtet Victoria Riedel, Rechtsanwältin und Mediatorin.

Lösungen erarbeiten

Seit einigen Jahren gibt es ein Mediationsgesetz. Es verpflichtet Anwälte, ihre Mandanten über die Möglichkeit der außergerichtlichen Streitbeilegung zu informieren, bevor es vor Gericht geht. Die Vorteile einer Mediation liegen auf der Hand: „Zeitersparnis ist zum Beispiel ein Punkt“, sagt Riedel. „Vor Gericht vergehen in der ersten Instanz oft einige Monate bis zum Urteil. Mit einer Mediation können Lösungen oder Teillösungen manchmal innerhalb weniger Tage gefunden werden“, führt sie aus. Damit geht auch eine Kostenersparnis einher: Je kürzer das Verfahren dauert, umso weniger muss man zahlen. Außerdem entfallen bei einer Mediation auch die Gerichtskosten. Grundvoraussetzung ist, dass sich die Parteien auf eine Mediation einlassen.

Da die verschiedenen Parteien mithilfe des Mediators gemeinsame Lösungen aushandeln, ist ein hohes Maß an Eigenverantwortung erforderlich, aber auch eine hohe Eigenbeteiligung: „Selbst erarbeitete Lösungen sind leichter zu leben, als vom Richter gefällte Urteile“, skizziert die Rechtsanwältin und ergänzt: „Eine Mediation ist immer ein Kompromiss, mit dem im besten Fall beide Parteien einverstanden sind. Es gibt also zwei Gewinner.“ Bei einem Urteil hingegen geht eine Partei als Verlierer aus dem Prozess hervor.

Den passenden Mediator finden

Als Anlaufstelle eignen sich die verschiedenen Mediationsverbände, auch einige Rechtsanwaltskammern haben Mediatoren-Listen vorliegen. „Ansonsten kann man sich auch im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis umhören. Mediator ist eine klassische Zusatzqualifikation, vor allem für Juristen, Sozialarbeiter und Psychologen“, erklärt die Expertin. Die Tätigkeit ist aber an kein bestimmtes Berufsbild geknüpft. Wichtig ist: Mediatoren sollten ein Händchen für das Verhandeln haben und zuhören können. „Bei Problemen in den Bereichen Familienrecht oder Erbrecht würde ich allerdings einen Mediator mit einem bestimmten Hintergrund empfehlen, zum Beispiel einen Juristen, der sich in der Materie auskennt“, rät Riedel.

Ansonsten sollte man darauf achten, dass der Mediator zu einem passt; ein persönliches Erstgespräch ist wichtig. „Die meisten Mediatoren, die ich kenne, bieten ein halbstündiges, kostenfreies Erstgespräch an. Da wird dann erst einmal geklärt, was Mediation eigentlich ist – und ob mein Fall überhaupt für eine Mediation geeignet ist“, sagt Victoria Riedel. Ein guter Mediator sollte einen anderen Kollegen empfehlen, wenn die Konstellation nicht passt.

Kosten der Mediation

Die Kosten einer Mediation sind abhängig vom Themenbereich und der Grundqualifikation des Mediators. „Mediatoren, die hauptberuflich als Sozialpädagogen für Städte und Gemeinden arbeiten, fangen zum Beispiel bei 70 bis 80 Euro pro Stunde an, Juristen beginnen bei 200 bis 250 Euro pro Stunde“, führt Riedel aus. Der Gesamtpreis einer Mediation ist zudem vom Umfang des Falls abhängig, also davon, wie viele Stunden für die Lösung des Konflikts benötigt werden. „Allerdings kann man auch versuchen, von vornherein einen Festbetrag zu vereinbaren. Wenn der Konflikt dann doch mehr Zeit beansprucht als ursprünglich gedacht, ist dies das Risiko des Mediators“, sagt die Expertin.

In den letzten Jahren haben zunehmend mehr Rechtschutzversicherer die Mediation in ihr Angebot aufgenommen. Die Angebote variieren allerdings stark: Manche Versicherungen bieten einen Pauschalbetrag als Leistung an, etwa 1500 oder 2000 Euro pro Verfahren, gedeckelt durch einen Maximalbetrag im Jahr. Andere Anbieter wiederum tragen die Kosten in einer Höhe, die bei einem Gerichtsprozess in der ersten Instanz anfallen würden. „Da muss man sich die verschiedenen Angebote einmal ganz genau anschauen, pauschal ist da keine Aussage zu treffen“, so Victoria Riedel.

Ergebnisse festhalten

„Wichtig ist, dass am Ende etwas schriftlich festgehalten wird. Das hat dann eine andere Wertigkeit als nur ein Handschlag“, erläutert die Mediatorin. Bei ernsthafteren Angelegenheiten biete es sich an, die Vereinbarung noch einmal vom Anwalt prüfen zu lassen – zumindest dann, wenn der Mediator nicht als Anwalt tätig ist.

„Man kann aus einer Mediation auch einen Anwaltsvergleich machen. Dafür müssen die beteiligten Anwälte die nach der Mediation getroffene Einigung mit unterschreiben. Vor Gericht können die damit getroffenen Einigungen eingefordert werden“, erklärt Riedel. Bei Erbstreitigkeiten ist nach der Mediation immer ein Notar notwendig, der die Erbauseinandersetzung beurkundet. Die Lösungen vieler anderer Konflikte funktionieren aber auch ohne die Unterschrift von Anwalt oder Notar, nur mit der Unterschrift der Beteiligten.

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