Niedlich und gesellig

Meerschweinchen artgerecht halten

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Meerschweinchen gehören zu den beliebtesten Haustieren. Dabei sind sie für Kinder eher ungeeignet. Tierexpertin Valentina Kurscheid erklärt, was Sie bei der Haltung beachten müssen.

Beitragslänge:
9 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 13.06.2017, 14:00

Meerschweinchen gehören neben Kaninchen, Hunden und Katzen zu den beliebtesten Haustieren der Deutschen. Damit sie sich im neuen Zuhause wohlfühlen, sind regelmäßiger Auslauf und die richtige Ernährung wichtig.

Meerschweinchen sind Rudeltiere: "Einzelhaltung ist Tierquälerei. Möglichst hält man einen kastrierten Bock (Männchen) mit mindestens zwei Säuen (Weibchen)", so Tierexpertin Valentina Kurscheid. Es dürfen auch mehrere Weibchen sein, Eifersucht gibt es unter den weiblichen Tieren nicht. Zwischen mehreren Männchen kann es zu heftigen Rivalenkämpfen kommen. Bei klarer Hierarchie kann aber auch dieses Zusammenleben gut funktionieren. Auch kastrierte Männchen besteigen bei der Brunst (alle 18 bis 24 Tage) ihre Weibchen.

Die Weibchen werden schon mit drei Wochen geschlechtsreif, obwohl sie erst zwei Monate später ausgewachsen sind. Nach etwa 65 Tagen bringt das Weibchen zwei bis vier Junge zur Welt. Die Neugeborenen sind bereits voll entwickelt: Die Augen sind geöffnet, sie haben ein Kuschelfell, können sofort losmarschieren und von Anfang an Körnerfutter fressen. Kaninchen hingegen kommen nackt zur Welt und sind lange Zeit recht hilflos.

Käfig mit vielen Verstecken

Meerschweinchen
Handzahm, aber dennoch als Kuscheltier ungeeignet!

Die Tiere sind auch deshalb so beliebt, weil sie von Natur sehr handzahm sind. Dennoch sind sie erstmal scheu und brauchen Verstecke. Idealerweise werden Meerschweinchen draußen im Garten oder auf dem Balkon gehalten, solange es nicht friert. Der Käfig wird am besten an einem ruhigen, hellen und zugluftfreien Platz aufgestellt und sollte mindestens 140 Zentimeter lang, 70 Zentimeter breit und 45 Zentimeter hoch sein. Die Bodenschale für die Einstreu sollte etwa 15 Zentimeter hoch sein. Schalen über 25 Zentimeter würden dem Tier die Sicht nehmen.

Der Käfig sollte, wenn möglich, nicht direkt auf dem Boden stehen, sondern erhöht. Dadurch werden die Tiere nicht beim Erscheinen eines (aus ihrer Sicht großen) Menschen sofort verschreckt und man kann sich ihnen quasi auf Augenhöhe nähern. Für die Meerschweinchen ist es zudem sehr viel angenehmer, wenn der Käfig nicht von oben geöffnet wird (Greifvogel-Effekt). Ein guter Käfig lässt sich daher auch von der Seite öffnen. Kaninchen fühlen sich in den gleichen Käfigen wohl.

Gut ausgestattet

Das sollte im Nagerheim nicht fehlen:
• schwerer Futternapf aus Steingut oder Keramik, der nicht umkippt

• Nippelflasche: hygienischer als ein Wassernapf, da die Tiere manchmal durch die Näpfe laufen

• Heuraufe: Metallkorb, aus dem Heu gefressen werden kann

• Rückzugsmöglichkeiten: Häuschen mit mindestens zwei Ausgängen und mit Flachdach, das gleichzeitig als Ausguck dient, möglichst aus Naturmaterialien (Holz, Kork)

• Einstreu: Hobelspäne und Stroh, zum Beispiel in Form feiner Strohpellets oder Nagerteppiche, die Gerüche und Feuchtigkeit aufnehmen

Finger weg von Laufrädern! Darin können sich Meerschweinchen verletzen, da ihr Rückgrat nicht so beweglich ist, wie das von Hamstern. Futter- und Wasserbehälter müssen täglich gereinigt werden. Der gesamte Käfig sollte je nach Größe und Insassenzahl alle sieben bis zehn Tage mit heißem Wasser ausgewaschen und mit frischer Streu versehen werden. Meerschweinchen müssen ihre Zähne abschleifen, am besten mit Nagermaterialien wie Zweigen von Laub- und ungespritzten Obstbäumen. Gleiches gilt auch für Kaninchen.

Nahrung und regelmäßige Pflege

"Meerschweinchen fressen Heu und Stroh, das sollte immer vorhanden sein. Dazu sollte man jeden Tag viel frischen Salat füttern, abends zusätzlich anderes Gemüse (Tomaten, Gurken, Fenchel, Tomaten) sowie Obst und immer auch spezielles Körnerfutter", so Tierexpertin Kurscheid. Vermeintliche Snacks, die große Tierfutter-Hersteller anbieten, sollten - wenn überhaupt - nur in geringen Mengen gegeben werden. Sie sind oft sehr kalorienhaltig und lassen gemütlichere Tiere schnell dick werden.

Zur artgerechten Haltung gehört natürlich auch die Pflege. Gesunde Meerschweinchen betreiben selbst ausgiebig Fellpflege. Lediglich langhaarige Tiere sollte man regelmäßig bürsten. Zu lange Krallen und Zähne kann man vom Tierarzt kürzen lassen. Meerschweinchen sind aufgrund ihres komplexen Verdauungstraktes anfällig für Erkrankungen in diesem Bereich. Ohne Behandlung kann ein starker Durchfall innerhalb von 48 Stunden zum Tode führen. Deswegen sollte man den Kot der Tiere stets im Blick haben. Darüber hinaus Tiere in regelmäßigen Abständen wiegen sowie Augen, Ohren, Zähne und Fell kontrollieren.

Zusammenleben mit anderen Haustieren

Meerschweinchen und Kaninchen können zusammen gehalten werden. Allerdings sprechen die beiden Nager nicht die gleiche Sprache. Daher sollten mindestens je zwei Artgenossen gemeinsam gehalten werden. Sinnvoll ist auch ein großer Käfig, in dem sowohl Kaninchen als auch Meerschweinchen ihre Rückzugsmöglichkeiten haben.

Hunde und Katzen sind dagegen zu gefährlich für die Tiere. Ein Meerschweinchen sollte nie mit ihnen allein gelassen werden. Auch wenn es zeitweise gut geht: Irgendwann kann der Jagdinstinkt bei Hund und Katze dann doch zu groß werden.

Behutsam eingewöhnen

Meerschweinchen müssen zunächst an Menschen gewöhnt werden. Sie sollen lernen, dass die menschliche Hand ihnen nichts Böses will. Nähern Sie sich daher in den ersten Tagen nur ganz ruhig dem Käfig und sorgen Sie dafür, dass kleinere Kinder rücksichtsvoll mit dem Tier umgehen. Wird der Nager zutraulicher, können Sie Leckerchen aus der flachen Hand reichen und das Tier auch kraulen.

Sind die Tiere erstmal an Mensch und Umgebung gewöhnt, kann man sie auch in der Wohnung laufen lassen. Dabei sollte man allerdings möglichst alle Kabel vor ihnen sichern, Unterschlupfmöglichkeiten, an die man selbst nicht herankommt, von außen absperren, und Pflanzen mit herabhängenden Blättern sichern. Die kleinen Nager können nicht unterscheiden, ob es sich bei der Pflanze um genießbares oder giftiges Grün handelt.

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